Nach Todesschüssen in Stade: „Die ganze Nachbarschaft steht unter Schock“
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NIUS-Reporter Philippe Fischer ist vor Ort in Stade, wo sich am Montag brutale Szenen in einem Wohngebiet abspielten. Ein Mann erschoss 5 Menschen, eine weitere Person erlag ihren Verletzungen im Krankenhaus. Am Tag nach der entsetzlichen Tat steht die Nachbarschaft unter Schock.
Die Gegend wirkt beschaulich: Rasenflächen, Backsteinhäuser, Bäume, die Schatten spenden. Hier mussten Anwohner hören und mitansehen, wie die Mitarbeiter und Helfer einer Sozialeinrichtung erschossen und später ihre Särge aus der Jugendhilfeeinrichtung getragen wurden.
Eine Frau berichtet unserem Reporter, sie habe sich gerade ein Käsebrot geschmiert, als sie draußen die Schüsse hörte. Es liege am Tag danach noch unangerührt in der Küche.
Hier Fischers Bericht vom frühen Dienstagmorgen:
Es sollte ein Versöhnungstreffen werden
Bei allen Todesopfern handelt es sich um Mitarbeiter der Jugendhilfeeinrichtung in der Dankersstraße, sagte Lüneburgs Polizeipräsidentin Kathrin Schuol. Die Einrichtung betreut unter anderem Mutter-Kind-Wohngruppen.
Hintergrund der Tat soll nach Angaben der Polizei ein Sorgerechtsstreit um ein drei Monate altes Baby gewesen sein. Anwohner berichteten NIUS-Reporter Philippe Fischer, es soll es in der Einrichtung zu einem Versöhnungstreffen zwischen dem mutmaßlichen Täter und der Kindsmutter gekommen sein. Dabei sei die Lage eskaliert.
Der Mann ging zum Auto, holte eine Waffe
Nach Schilderungen aus der Nachbarschaft ging der Mann zunächst aus dem Gebäude, holte offenbar die Tatwaffe aus einem Auto und kehrte damit zurück. Danach fielen die Schüsse – getroffen wurden tragischerweise Helfer der Einrichtung.
Das Kind des Verdächtigen und dessen 34 Jahre alte Mutter überlebten die Tat. Sie gehören nach Angaben der Polizei nicht zu den Todesopfern. Beide waren in der Einrichtung untergebracht.
NIUS fragte die Polizei Lüneburg nach der Nationalität des mutmaßlichen Täters. Die Auskunft wurde verweigert. Begründung: Die Nationalität habe nichts mit der Tat zu tun. Nach BILD-Informationen handelt es sich bei dem festgenommenen Hauptverdächtigen um einen 45-Jährigen mit türkischen Wurzeln. Er sei polizeibekannt, aber nicht als Gewalttäter. Hinweise auf sogenannte Clankriminalität sieht die Polizei bislang nicht.
Zwei weitere Personen befinden sich laut Polizei in polizeilichen Maßnahmen. Welche Rolle sie gespielt haben könnten, ist Gegenstand der Ermittlungen.
Ein Augenzeuge sagte zu NIUS: „Das passierte genau bei uns vor dem Fenster. Bewaffnete Polizisten versuchten, einen grauen Mercedes-Geländewagen aufzuhalten. Dieser konnte aber in Richtung Harsefelder Straße fliehen.“ Die Polizei bestätigte eine „kurze Verfolgungsjagd“.
Nach BILD-Informationen stoppte die Polizei den Mercedes später durch Schüsse auf die Reifen. In dem Wagen sollen zwei Personen festgenommen worden sein. Ein weiterer Zeuge berichtete Focus Online, ein Polizist habe „Anhalten, stehen bleiben“ gerufen. Als der Wagen weitergefahren sei, hätten mehrere Beamte geschossen. Der Zeuge sprach von mindestens zehn bis 15 Schüssen.
Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens sprach von einer „kaltblütigen“ Tat. Zugleich betonte die SPD-Politikerin, es handle sich nach bisherigen Erkenntnissen um einen singulären Fall. „Ich bin mir sicher, dass diese schreckliche Tat Stade lange beschäftigen wird. Und sie wird auch Spuren hinterlassen“, sagte Behrens.
Stadtrat Carsten Brokelmann erklärte im Namen der Stadtverwaltung: „Ich bedanke mich bei den Polizistinnen und Polizisten für ihren Einsatz in dieser unübersichtlichen Lage.“ Zugleich gelte das „tiefe Mitgefühl den Opfern dieser schrecklichen Tat sowie deren Hinterbliebenen“.
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