Schüsse in Jugendeinrichtung in Stade: Sechs Tote, drei Festnahmen
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Nach den tödlichen Schüssen in Stade bei Hamburg ist die Zahl der Opfer auf sechs gestiegen. Wie die Polizei mitteilte, erlag am Abend eine weitere Person im Krankenhaus ihren Verletzungen. Zuvor waren bereits fünf Menschen am Tatort gestorben. Mehrere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.
Bei allen Todesopfern handelt es sich um Mitarbeiter der Jugendhilfeeinrichtung in der Dankersstraße. Das sagte die Lüneburger Polizeipräsidentin Kathrin Schuol auf einer Pressekonferenz.
Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens sprach von einer „kaltblütigen“ Tat. Zugleich betonte die SPD-Politikerin, es handle sich nach bisherigen Erkenntnissen um einen singulären Fall. Verbindungen zu früheren Vorfällen in Stade gebe es nicht. „Ich bin mir sicher, dass diese schreckliche Tat Stade lange beschäftigen wird. Und sie wird auch Spuren hinterlassen“, sagte Behrens.
Der Tatort befindet sich in einer Jugendhilfeeinrichtung, zu der auch Mutter-Kind-Wohngruppen gehören. Hintergrund der Tat soll nach Angaben von Polizeipräsidentin Schuol vermutlich ein Sorgerechtsstreit um ein drei Monate altes Baby gewesen sein. Der Verdächtige hatte demnach wegen des Sorgerechts einen Termin in der Einrichtung – gemeinsam mit vielen der späteren Opfer.
Das Kind des Verdächtigen und dessen 34 Jahre alte Mutter überlebten die Tat. Sie gehören nach Angaben der Polizei nicht zu den Todesopfern. Die Mutter und ihre drei Monate alte Tochter waren in der Einrichtung untergebracht.
NIUS fragte zunächst die Pressestelle der Polizei Lüneburg nach der Nationalität des mutmaßlichen Täters. Die Antwort wurde verweigert. Begründung: Die Nationalität habe nichts mit der Tat zu tun.

Spurensicherung am Tatort
Die Polizei nahm einen mutmaßlichen Haupttäter fest. Nach BILD-Informationen handelt es sich um einen 45-Jährigen mit türkischen Wurzeln. Er sei polizeibekannt, aber nicht als Gewalttäter. Die Polizei sieht nach ersten Erkenntnissen keinen Zusammenhang zur sogenannten Clankriminalität.
Zwei weitere Personen befinden sich laut Polizei in polizeilichen Maßnahmen. Welche Rolle sie bei der Tat gespielt haben könnten, ist Gegenstand der Ermittlungen.
„Das passierte genau bei uns vor dem Fenster.“
Ein Augenzeuge sagte zu NIUS: „Das passierte genau bei uns vor dem Fenster. Bewaffnete Polizisten versuchten, einen grauen Mercedes-Geländewagen aufzuhalten. Dieser konnte aber in Richtung Harsefelder Straße fliehen.“ Die Polizei bestätigte eine „kurze Verfolgungsjagd“.
Ein weiterer Zeuge berichtet ebenfalls von einem gescheiterten Fluchtversuch des Täters:
Wie die BILD berichtet, stoppte die Polizei einen Mercedes später durch Schüsse auf die Reifen. In dem Wagen sollen zwei Personen festgenommen worden sein. Ein weiterer Zeuge berichtete gegenüber Focus Online, eine Frau und ein junger Mann hätten versucht, mit einem Auto vom Tatort zu flüchten. Ein Polizist habe „Anhalten, stehen bleiben“ gerufen. Als der Wagen weitergefahren sei, hätten mehrere Beamte geschossen. Der Zeuge sprach von mindestens zehn bis 15 Schüssen.
Stadtrat Carsten Brokelmann erklärte im Namen der Stadtverwaltung: „Ich bedanke mich bei den Polizistinnen und Polizisten für ihren Einsatz in dieser unübersichtlichen Lage.“ Zugleich gelte das „tiefe Mitgefühl den Opfern dieser schrecklichen Tat sowie deren Hinterbliebenen“.
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