dm-Chef Christoph Werner im NZZ-Podcast: „Was wir beobachten können in Deutschland, ist, dass wir keine wirklichen Zukunftsvisionen in diesem Land haben“
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Melanie GrünMillionen Menschen kaufen in seinen Drogeriemärkten Creme, Waschmittel, Zahnpasta, Windeln und Tierfutter. 65.000 Menschen arbeiten allein in Deutschland für ihn. dm-CEO Christoph Werner scheut auch politische Auseinandersetzungen nicht: Er kritisierte die Coronamaßnahmen scharf, warnte vor einer „Gesellschaft der Denunzianten“. Der ehemalige Waldorfschüler gilt als Freigeist.
Im NZZ-Podcast „Machtspiel“ warb der Konzernboss Mitte März für eine offene Debattenkultur: „Als Unternehmer bin ich Teil der Gesellschaft, bin natürlich auch Bürger. Und ich glaube, es ist wichtig, dass sich die Menschen im Lande äußern.“
Werner führt das Unternehmen in zweiter Generation. Der Vater zweier Kinder lebt in Karlsruhe und sagt im NZZ-Podcast über das politische Klima in Deutschland: „Wir sind eine liberale Demokratie. Und was wir bei Wahlen sehen, ist Ausdruck des Willens der Wählerinnen und Wähler, und so sollte es auch sein (…) Deswegen ist meine Empfehlung an die Parteien, sehr genau auf die Bürgerinnen und Bürger zu schauen und sich an den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger auszurichten und weniger auf die politischen Mitbewerber zu schimpfen.“

Christoph Werner ist seit 2019 Vorsitzender der Geschäftsführung der Drogeriemarkt-Kette.
Gesteuerter Shitstorm
Im Dezember 2025 bekam der CEO einen massiven Shitstorm, als er sich gegen eine „Brandmauer“ zur AfD im Familienunternehmerverband aussprach und inhaltliche Auseinandersetzung forderte. Anschließend beteuerte er, genau wie sein Konkurrent Raoul Rossmann in der Talkshow von Markus Lanz, man lasse sich nicht unter Druck setzen. Werner ließ den Shitstorm analysieren und beantwortete einige Mails persönlich. Viele entpuppten sich als Chat-GPT-Reproduktionen.
Im Podcast sagt er: „Und da hat sich halt ziemlich schnell gezeigt, dass das halt ’ne Kampagne einer aktivistischen Organisation war, wo Menschen einfach reflexhaft darauf reagiert haben im Netz. Allerdings in der realen Welt haben wir keine wirklichen Veränderungen gesehen.“
Rund 90.000 Menschen arbeiten weltweit für die Drogeriemarktkette, mit allerhand politischen Positionen. Dazu sagt Werner: „Die politische Überzeugung der Kolleginnen und Kollegen bei dm Drogeriemarkt ist deren Privatangelegenheit. Und da gibt’s auch nichts zu missionieren und zu diskutieren nach meiner Überzeugung.“
Werner fordert Berufstätigkeit von Politikern
Immer wieder äußert sich der Konzernchef politisch, spricht sich etwa für längere Legislaturperioden aus. Zudem fordert er, dass Politiker vor und nach der Wahl einen Beruf ausüben müssten: „Also, wenn ich es zuspitzen darf: Dieser Dreiklang von Kreißsaal, Vorlesungssaal, Plenarsaal, dass auf jeden Fall noch eine Phase dabei ist, wo man wirklich im Berufsleben gestanden hat. Das ist ja das, was sich doch unterscheidet von dem, was in einer politischen Blase stattfindet.“
Der aktuellen Regierung stellt der 53-Jährige kein gutes Zeugnis aus. „Was wir beobachten können in Deutschland, ist, dass wir keine wirklichen Zukunftsvisionen in diesem Land haben.“
Werners Rezept gegen Stillstand: Berichtspflichten abschaffen und die Bürokratie entschlacken. Ein bisschen unternehmerisches Denken würde auch Deutschland nicht schaden.
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