Wenige Klicks reichen aus, um die neue Alterskontrolle der EU zu umgehen
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Die EU-Kommission entwickelt derzeit die sogenannte Mini-Wallet. Eine App der EU zur Alterskontrolle, die Kinder und Jugendliche besser schützen soll. Nun warnt der wissenschaftliche Dienst des Europäischen Parlaments (EPRS) in einer Analyse, dass sich Alterskontrollen kinderleicht mit wenigen Klicks aushebeln lassen. Alles, was man dafür benötigt, ist ein sogenanntes VPN (Virtual Private Network). Diese Methodik gerät jetzt auch in den kritischen Fokus der EU.
Möchte ein Jugendlicher eine pornografische Seite aufrufen oder schlichtweg Social-Media-Dienste nutzen, soll der Zugriff – so plant es die EU – durch ein digitales Verfahren zur Alterskontrolle beschränkt werden. Doch statt sich mit komplizierten Prüfungen herumzuschlagen, können Jugendliche einfach eine VPN-App installieren, mit der sie mit wenigen Klicks alle Alterskontrollen wie von Geisterhand verschwinden lassen können.
Genau davor warnt eine aktuelle Analyse des wissenschaftlichen Dienstes des Europäischen Parlaments. Die aufwendig entwickelte Technik der EU-Kommission wird damit in der Praxis weitgehend wirkungslos.

Wer hätte es ahnen können? VPNs sind ein strukturelles Problem für Alterskontrollen im Netz.
Von der Leyens großer Plan und der Vergleich mit Corona
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte die neue Altersverifizierungs-App am 15. April 2026 persönlich vorgestellt. Sie begründete den Vorstoß mit dem Erfolg der Corona-Zertifikate. „Wir alle erinnern uns an die COVID-Pandemie“, sagte sie. „Die Welt stand still. Dann haben wir in Rekordzeit – drei Monate – die Corona-App entwickelt. 78 Länder auf vier Kontinenten nutzten sie. Das war ein riesiger Erfolg.“
Genau dieses Modell, so von der Leyen, wolle die EU jetzt auf den Jugendschutz übertragen. Die neue App soll es Erwachsenen ermöglichen, ihr Alter nachzuweisen, ohne sensible Daten preiszugeben. Sie baut auf denselben technischen Prinzipien auf wie die künftige EUDI‑Wallet. „Keine Ausreden mehr für Plattformen“, lautete die klare Botschaft aus Brüssel.
Die Realität: VPNs machen den Plan zunichte
Doch die Realität sieht anders aus. Die EPRS-Analyse zeigt, wie einfach eine Umgehung dieser Pläne funktioniert. Nach Einführung strenger Altersregeln in Großbritannien explodierte dort die VPN‑Nutzung. Ein Anbieter meldete einen Anstieg von 1.800 Prozent im ersten Monat. Die Hälfte der Top-10-Gratis-Apps in britischen App-Stores sind inzwischen VPN‑Dienste. Selbige Entwicklungen werden nach Einführung auch in der EU erwartet.
Zur Umgehung der Alterskontrolle reicht es, sich einfach über ein VPN in einem Land außerhalb der EU anzumelden. Schon verschwinden die Altersbeschränkungen und der Jugendschutz wird aufgehoben. Dies ist auch ohne technisches Know-how mit wenigen Klicks möglich.
Hinter dem Vorstoß der EU steckt mehr als nur der Schutz von Kindern vor Pornografie und Glücksspiel. Die EU will mit der Mini-Wallet und der späteren Digital Identity Wallet ein einheitliches System für digitale Nachweise schaffen – von Alter bis Ausweis. Der Digital Services Act (DSA) und die Jutland-Erklärung der Mitgliedstaaten treiben diese Entwicklung voran.

Die Alterskontrolle mit EU App kann per VPN einfach umgangen werden.
Kommt als Nächstes die Regulierung der VPNs?
Wer die Kontrollen ernsthaft durchsetzen will, muss zeitnah die VPN-Anbieter ins Visier nehmen. Die Analyse deutet an, dass die überarbeitete Cybersecurity-Verordnung künftig Kinderschutzkriterien enthalten könnte, die den „Missbrauch“ von VPNs adressieren. Genau diesen Weg sind autoritäre Staaten bereits gegangen. In Russland müssen VPN-Anbieter Sperrlisten einhalten. In China sind ungenehmigte VPNs praktisch verboten. Die EU stünde damit vor derselben Entwicklung. Mit allen Risiken für Datenschutz und Anonymität.

Auszug aus der EPRS-Analyse: VPNs sind laut EPRS ein Problem, das man regulieren sollte.
Begriffe und ihre Bedeutung:
Mini-Wallet
Die Mini-Wallet ist eine von der EU-Kommission realisierte App zur einfachen Altersverifizierung. Sie soll Jugendliche nach Kommissionsangaben vor pornografischen Inhalten und anderen Risiken im Internet schützen.
Alterskontrolle / Age Verification
Alterskontrolle bezeichnet technische Verfahren, mit denen Webseiten und Apps das Alter der Nutzer prüfen. Dazu gehören Ausweis-Uploads oder digitale Nachweise wie die Mini-Wallet. Ziel soll der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor schädlichen Inhalten sein.
VPN (Virtual Private Network)
Ein VPN leitet die Internetverbindung über einen Server an einen anderen Standort (anderes Land) und versteckt die echte IP-Adresse des Nutzenden. Jugendliche können damit in bestimmten Fällen Altersbeschränkungen von Webseiten einfach umgehen, indem sie sich in ein Land ohne solche Regeln einwählen. Nach Einführung strenger Regeln steigt die VPN-Nutzung erfahrungsgemäß meist stark an.
EUDI-Wallet
Die EUDI-Wallet ist die zukünftige EU-weite digitale Identitäts-App. Darin sollen Bürger Ausweis, Führerschein, Impfnachweis oder Altersbestätigung sicher speichern und selektiv teilen können. Die Mini-Wallet ist ein Vorläufer bzw. Pilotprojekt dieses Systems.
Digital Services Act (DSA)
Der DSA ist eine EU-Verordnung, die große Online-Plattformen stärker reguliert. Sie verpflichtet Plattformen zu mehr Jugendschutz und Maßnahmen gegen illegale Inhalte.
Jutland-Erklärung
Die Jutland-Erklärung ist eine politische Initiative mehrerer EU-Staaten aus dem Jahr 2025, die stärkere Maßnahmen zum Schutz Minderjähriger im Internet fordert. Sie hat die Debatte über Altersverifikation innerhalb der EU verstärkt.
Zero-Knowledge-Proofs (ZKP)
Zero-Knowledge-Proofs sind kryptografische Verfahren, mit denen man eine Eigenschaft beweisen kann, ohne weitere Daten zu verraten. In der Mini-Wallet wird damit z. B. nur „über 18“ nachgewiesen, ohne Geburtsdatum preiszugeben. Diese Technik soll Datenschutz und Verifizierung gleichzeitig ermöglichen.
Siehe auch: Neue EU-App: So greift sie die Meinungsfreiheit an
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