Massive Widersprüche bei ihrer Missbrauchsgeschichte: Lena Jensen wird trotzdem für „gesellschaftliche Veränderung“ ausgezeichnet
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Während mehrere Medien ihre Berichterstattung über Lena Jensen korrigieren oder ganz entfernen (NIUS berichtete), wurde die reichweitenstarke Influencerin mit dem Strive Impact Award ausgezeichnet. Bild feierte die Preisverleihung am Montag mit einem Artikel unter der Überschrift „Strive Award für Lena Jensen: ‚Ich möchte Mut machen und etwas verändern‘“. Sowohl Bild als auch das Strive Magazin waren bislang nicht zu einer Stellungnahme gegenüber NIUS bereit.
Am vergangenen Samstag, dem 24. April 2026, wurde Lena Jensen im Hamburger Edelfettwerk mit dem Strive Impact Award ausgezeichnet. Der Preis wird einmal jährlich vom Strive Magazin vergeben und von der Deutschen Kreditbank (DKB) gesponsert. Das Magazin beschäftigt sich mit Female Empowerment, inspirierenden Persönlichkeiten und gesellschaftlicher Veränderung. Lena Jensen erhielt die Auszeichnung für gesellschaftliche Veränderung und ihr angebliches Engagement gegen sexualisierte Gewalt an Frauen und Kindern. In ihrer Dankesrede sagte sie:
„Ich möchte Mut machen und etwas in der Welt verändern, damit Frauen und Kinder keine sexualisierte Gewalt erleben müssen. Deshalb mache ich mein Schicksal bewusst öffentlich. Gerade der aktuelle Fall mit Collien Fernandes zeigt, dass es auch dringend eine Veränderung in unserer Gesellschaft braucht.“
Zahlreiche Medien distanzieren sich
In den vergangenen Jahren gab die junge Influencerin wiederholt Interviews, in denen sie schilderte, als Kind über Jahre hinweg sexuell missbraucht worden zu sein. An dieser Darstellung sind inzwischen jedoch erhebliche Zweifel gewachsen. Das Schweizer Nachrichtenportal 20 Minuten hat seinen Artikel zu den von Jensen erhobenen Missbrauchsvorwürfen mittlerweile komplett entfernt. Auch die Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch (UBSKM) hat ihre Podcast-Folge mit Lena Jensen inzwischen mit einem redaktionellen Hinweis versehen. Der Spiegel erklärte gegenüber NIUS, die entsprechenden Recherchen und Hintergründe weiterhin zu prüfen.

Auch der offizielle Podcast des UBSKM versieht die Folge mit Lena Jensen nun mit einem Warnhinweis.
Der Weiße Ring widerspricht klar
Ein zentraler Bestandteil von Lena Jensens Erzählung ist die Behauptung, der Weiße Ring habe ihrer Familie nach der Anzeige wegen Kindesmissbrauchs geholfen. Sie schilderte mehrfach, der Verein habe die Familie in ein Opferschutzprogramm mit neuer Identität aufgenommen und vor weiteren Bedrohungen geschützt.
Gegenüber NIUS stellte der Weiße Ring jedoch unmissverständlich klar: „Der WEISSE RING bietet keine Opferschutzprogramme im Sinne eines Zeugenschutzes oder mit neuer Identitätsvergabe an.“
Trotz dieser klaren Aussage erzählte Lena Jensen wiederholt von einem dramatischen Nacht-und-Nebel-Umzug in ein neues Leben mit neuer Identität. Tatsächlich zog die Familie 1999 lediglich knapp 1,9 Kilometer innerhalb ihres Wohnortes Reinfeld um. Beide Adressen liegen im selben kleinen Ort, in dem praktisch jeder jeden kennt.
Schule dementiert Selbstmordversuch vom Schuldach
In mehreren Interviews berichtete Lena Jensen zudem, sie habe mit sechs oder sieben Jahren versucht, sich das Leben zu nehmen. In der ARD-Sendung „deep und deutlich“ sprachen sie und ihre Mutter sogar von drei Selbstmordversuchen, darunter einem, der sich im öffentlichen Raum auf dem Dach ihrer damaligen Grundschule abgespielt haben soll.
Recherchen der Journalisten Verena Maria Dittrich und Lars Winkelsdorf vor Ort in Reinfeld ergaben: Weder ehemalige Mitschüler, Lehrer und die Schulleitung noch die örtliche Feuerwehr erinnern sich an einen solchen Vorfall. Die Schule teilte offiziell mit: „Einen solchen Zwischenfall hat es an dieser Schule niemals gegeben.“
Detaillierte Erinnerungen aus dem Alter von zwei Jahren
In Interviews schildert Lena Jensen den angeblichen Missbrauch sehr detailliert und gibt an, dieser habe bereits begonnen, als sie erst zwei Jahre alt war. Sie beschreibt nicht nur konkrete sexuelle Handlungen aus diesem Alter, sondern auch, was die Täter damals zu ihr gesagt haben sollen. Solche präzisen, narrativen und sprachlich kohärenten Erinnerungen aus dem Alter von zwei Jahren gelten aus entwicklungspsychologischer Sicht als extrem unwahrscheinlich.
Massives Löschen auf Instagram
Nach Bekanntwerden der ersten Widersprüche im März 2026 löschte Jensen mindestens 399 Beiträge von ihrem Instagram-Account. Kritische Kommentare und Nachfragen werden seit Wochen fast in Echtzeit von ihr gelöscht. Es wird der Eindruck erweckt, als gäbe es keinerlei Anschuldigungen oder offene Fragen.

Lena Jensen löschte im März 2026 mindestens 399 Beiträge von ihrem Instagram-Account.
Weder Lena Jensen noch ihre Anwältin Verena Haisch, die auch als Korrespondenzanwältin für die Organisation HateAid tätig ist, waren bis heute gegenüber NIUS zu einer Stellungnahme bereit.
Lesen Sie auch: „Spiegel“ löscht Video zu angeblichem Missbrauchsskandal – und HateAid ist auch wieder involviert
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