„Die Angst fährt mit“: NDR-Doku über Gewalt im ÖPNV fragt „Wer sind die Täter?“ – und sagt es nicht
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Seit Jahren nehmen Angriffe auf Bahn- und Buspersonal zu. Eine Doku im NDR greift das Thema auf, verliert sich bei der Frage nach den Tätern im Allgemeinen. Den rosa Elefanten im Raum benennt sie nicht.
Es ist ein erschreckender Bericht. Smartphone-Aufnahmen zeigen aggressive Typen mit verpixelten Gesichtern, die pöbeln und gegen die Fensterscheiben schlagen. Ein Busfahrer erzählt, wie er über die Jahre „Übergriffe zu jeder Tages- und Nachtzeit“ erlebte, „angespuckt, beleidigt, ins Gesicht getreten“ wurde. Und wie er darüber depressiv wurde.
Die Übergriffe haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, verkündet die Stimme aus dem Off, in Hamburg etwa von 8.791 im Jahr 2019 auf 18.742 im Jahr 2024, eine Steigerung von 113,2 Prozent. Nun gab es pöbelnde, aggressive Fahrgäste schon immer, meist spielt Alkohol eine Rolle. Neuerdings interpretieren Gewaltforscher den Umstand, dass Bus- und Bahnangestellte Uniformen tragen, dahingehend, dass diese von frustrierten Leuten, die einen Rochus auf den Staat bzw. die Politik haben, als Repräsentanten des Staates wahrgenommen und deshalb zur Zielscheibe werden.
Seit 2015 gehören Übergriffe zum Alltag
Nun kann auch Stress eine Rolle spielen, oder Frust über Verspätungen. Das erklärt aber nicht den signifikanten Anstieg gewaltsamer Vorfälle. Allein im vergangenen Jahr wurden knapp 3.000 Mitarbeiter der Bahn Opfer von Straftaten. Im Durchschnitt wurden täglich fünf Beschäftigte angegriffen, vier bedroht. Der Gewaltforscher Jonas Rees sagte der Deutschen Welle (DW): „Wir sehen bei den Zahlen seit 2015 einen kontinuierlichen Anstieg von Gewalt. Die neue Normalität seit mindestens zehn Jahren heißt also, dass es quasi zum Alltag für die Beschäftigten gehört, dass sie beschimpft, beleidigt, bedroht oder eben auch körperlich angegriffen werden.“
Kontinuierlicher Anstieg von Gewalt seit 2015 – dem Jahr, in dem Angela Merkels Grenzöffnung der unkontrollierten Massenmigration Tür und Tor öffnete, in deren Folge insbesondere die Gewaltkriminalität in Deutschland laut BKA-Statistiken erheblich anstieg.
In Baden-Württemberg wurden 2024 bei Gewalttaten in Bussen und Bahnen 906 deutsche Tatverdächtige gegenüber 1.037 Ausländern ermittelt. Bei Messerangriffen sank die Zahl deutscher Verdächtiger von 114 (2022) auf 97 (2024), während sie bei Ausländern von 67 auf 127 stieg. Bundesweit machen Migranten bei Messerattacken an Bahnhöfen 35 Prozent der Verdächtigen aus, obwohl sie nur 16 Prozent der Bevölkerung stellen.
Ein Segen für die Kontrolleurin: die Bodycam
Aus der NDR-Doku „Bus und Bahn: Die Angst fährt mit“ erfährt man in 45 Minuten darüber exakt gar nichts. Höchstens versteckt, als einmal erwähnt wird, dass bespuckt und beschimpft werde, „weil eine Frau am Steuer sitzt“, was man als kulturell bedingte Respektlosigkeit deuten könnte, schließlich werden insbesondere weibliche Kontrolleure Opfer verbaler und körperlicher Übergriffe.

Busfahrer Martin Binias hatte schon oft Stress mit Fahrgästen.
Eine Umfrage der Eisenbahn- und Verkehrsgesellschaft (EVG) ergab, dass 63 Prozent der ÖPNV-Beschäftigten angaben, ihr Sicherheitsgefühl habe sich in den letzten fünf Jahren verschlechtert, satte 82 Prozent haben schon selbst einen körperlichen oder verbalen Angriff erlebt.
Was dagegen getan wird? Der im Film gezeigte und bereits erwähnte Busfahrer ist froh über seine Spuckschutzscheibe, eine Kontrolleurin, der vor Jahren ins Gesicht geschlagen wurde, über ihre Bodycam. Über die Kameras wird im Film minutenlang gesprochen, auch über Deeskalationstraining.
Nicht zu autoritär auftreten!
Und selbstverständlich kommen auch wieder die üblichen Gesundbeter ins Spiel. Wie Joachim Häfele von der Polizeiakademie Niedersachsen in Oldenburg, der als Soziologe und Kriminologe die Ursachen von Gewalt erforscht und meint: „Uniformträger*innen werden als Repräsentant*innen des Staates wahrgenommen.“ Weil er auch von „ÖPNV-Mitarbeitenden“ spricht, ahnt man, wohin die Reise geht. Und tatsächlich: „Gewalthafte Eskalationen“ würden wahrscheinlicher, wenn es den „ÖPNV-Mitarbeitenden“ vielleicht „an interkultureller Kompetenz, sozialen Kompetenzen, Empathie, Kommunikationsfähigkeiten“ mangele.

Der Soziologe und Kriminologe Joachim Häfele gendert und stellt steile Thesen auf.
„Wenn ich als Kontrolleur relativ aggressiv, autoritär auftrete, dann kann das von meinem Gegenüber als diskriminierend empfunden werden“, meint Häfele in klassischer Täter-Opfer-Umkehr. Vielleicht müsse man „insgesamt zurückhaltender werden, was die Thematisierung von schweren Gewalttaten betrifft“, womit Medien gemeint sind, die über schwere Gewalttaten berichten. Auch seien „Statistiken über zunehmende Gewalt nicht unproblematisch“, Tatverdächtige seien nämlich nicht immer identisch mit tatsächlich Verurteilten.
So lobenswert es ist, dass sich ein öffentlich-rechtlicher Sender auch mal für die Opfer von Gewalt interessiert, so verstört doch der offensichtliche Unwille, sich mit den Ursachen des Problems zu beschäftigen. Einmal keimt beim Zuschauer Hoffnung auf, als gefragt wird: „Woher kommt die Wut? Wer sind die Täter?“ Und einer, ein einziger, äußert sich vor der Kamera.
Als Täter vorgestellt wird der „biodeutsche“ Oskar
Es ist gewissermaßen Dunja Hayalis „Messerstecher Uwe“, diesmal heißt er Oskar, ist 25 Jahre alt und „biodeutsch“. Ein einfältiger junger Mann, der „am Bau arbeitet“ und schon häufig wegen Gewalttaten ausgefallen ist. Er ist mit seinem Anti-Gewalt-Trainer gekommen und gibt an, eingesehen zu haben, dass es auch Formen der Gewalt gibt, die er selbst gar nicht als solche empfunden habe.
Anti-Gewalt-Trainer, Spuckschutzscheibe, Bodycams, ein Gewaltforscher, der im Uniformierten das Problem sieht, da fehlt nur noch ein Ausflug zum Deeskalationstraining. Danach darf noch der Soziologe Philipp Rollin vom Deutschen Zentrum für Schienenverkehrsforschung ran, der sich als „Optimist“ vorstellt, also als einer, der die Gewaltstatistiken nicht gelesen hat. Er arbeitet an Visionen vom „Bahnhof der Zukunft“, wo Reisende in angenehmer Atmosphäre, ohne Eile und Stress durch Gebäude flanieren, die heute noch von Junkies, aufdringlichen Bettlern, Taschendieben und aggressiven Jungmännern aus gewaltaffinen Kulturen bevölkert werden.

Hell und freundlich: Auf dem Wohlfühlbahnhof der Zukunft kann man sich auf verspätete Züge freuen.
Hier lernen wir: Die Zukunft verheißt „Wohlfühlbahnhöfe“, mit optimierter Wegeführung und neuen Lichtkonzepten, damit nicht Gedränge und fahl beleuchtete Ecken als Stressfaktoren plötzliche Gewaltbereitschaft hervorrufen.
Der Soziologe weiß: Wenn wir erst mal den Bahnhof der Zukunft haben, der sich an den Wünschen der Menschen orientiert, dann ist die deprimierende Gegenwart Vergangenheit. Bis dahin kann man nur auf Deeskalation, Bodycams und Spuckschutzscheiben hoffen – und darauf, dass uniformierte Fahrkarten-Kontrolleure Schwarzfahrern gegenüber nicht zu autoritär auftreten. Oder weniger Ausweiskontrollen durchführen, denn die sind laut Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder „Auslöser für eine erhebliche Grundaggressivität“. Hurra, wir kapitulieren!
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