Meinungsflexibler Journalismus: Rettet sich Nikolaus Blome jetzt nach rechts?
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Er ist Autor, Podcaster und Kolumnist mit scheinbar recht flexibler Haltung – so politisch breit gefächert wirkt das Ansichts- und Arbeitgeberspektrum von Nikolaus Blome. Der n‑tv- und RTL-Ressortleiter gilt als liberal-konservativ. Er schreibt eine Spiegel-Kolumne und war zweimal stellvertretender Chefredakteur der Bild-Zeitung. Zudem ist Blome Dauergast in deutschen Talkshows.

Im Podcast „Augstein & Blome“ wird wöchentlich über aktuelle politische Themen diskutiert.
Linke Lebenslügen und Rechtsruck
Aktuell spricht der Journalist viel über sein neues Buch „Falsche Wahrheiten – wie linke Mythen den Kurs des neuen Kanzlers bestimmen“. Darin zieht der 62-jährige Bilanz nach einem Jahr Friedrich Merz:
„Eigentlich müsste diese Regierung ja auf zivilisierte, kluge, vernünftige Art und Weise abbilden, was in dieser Bundestagswahl stattgefunden hat, nämlich ein klarer Shift nach rechts, in Richtung rechts.“
Im Podcast „The Pioneer Morning Briefing“ von Gabor Steingart, erklärt Blome, anders als von Merz angekündigt, sei „links eben nicht vorbei“. Das Setting, der Rahmen, sei einfach zu stark gewesen. Er spricht von einem notwendigen Wechsel, ohne das System sprengen zu müssen. Das bedeutet übersetzt: Die Brandmauer bleibt.
„Deshalb sollte man sich da als CDU auf keinen Fall die AfD mit ins Boot holen. Aber immerhin müsste man zur Kenntnis nehmen, dass die gesamte Gesellschaft sich ein Stück in Richtung rechts bewegt hat, und das in irgendeiner Form mit der SPD auf die Straße bringen.“
Krachige Worte ohne echten Kurswechsel – das klingt nach einer Politik des JEIN: Es gehe, so Blome, darum, die „Antipoden Friedrich Merz, Bärbel Bas“ zusammenzubringen. Sie stünden für zwei Strömungen zum Sozialstaat. Ob er die Arbeitsministerin an Merz’ Stelle vor die Tür setzen wolle, fragt der Host. Die Antwort: Nein.
Stellt sich also die Frage: Wofür steht dieser Mann?
Vieles von dem, was Blome sagt, klingt unentschieden und lässt den Mut vermissen, den die Politik gerade bräuchte. Markige Worte kann der Mann, das hat er mehrmals bewiesen. In den Pandemie-Jahren machte sich Blome mit seiner harten Haltung zudem viele Feinde: Im Dezember 2020 wetterte er in seiner Spiegel-Kolumne „Impfpflicht! Was denn sonst?“ gegen Spritzen-Skeptiker: „Möge die gesamte Republik mit dem Finger auf sie zeigen.“
Dieses Zitat nahmen zwei Autoren prompt zum Anlass, um einen Bestseller zu schreiben. Das Buch wird zur Waffe im täglichen Polit-Kleinkrieg.

Das Buch war eines der meistverkauften Sachbücher im Paperback-Bereich.
Der Kanzler am Gängelband der SPD
In seinem aktuellen Werk zieht Blome Bilanz nach einem Jahr Merz-Kanzlerschaft. Es sei „heiter bis bewölkt, am Ende ziemlich bewölkt.“ Das Donnerwetter kündigt sich indes schon an, dazu Blome im Podcast „Apokalypse und Filterkaffee“:
„Da rollt auf Deutschland eine Inflationswelle zu. Inflation, steigende Preise – das macht immer außerordentlich schlechte Laune. Und der Staat kann dagegen fast nicht an. Und wenn man das dann noch dazu mit so untauglichen Mitteln wie Tankrabatt probiert, dann geht’s erst recht nach hinten los.“
Die SPD als kleiner Koalitionspartner müsse den CDU-Kanzler mehr machen lassen, so Blome:
„Müsste nicht die SPD diesem Kanzler, von dem sie ja weiß, das könnte die letzte Ausfahrt gewesen sein, und dahinter kommt nur noch ganz Unerfreuliches, ein bisschen mehr Raum geben, das zu tun, wofür er in Wahrheit gewählt worden ist? Nämlich den Kurs der Politik ein bisschen mehr nach rechts der Mitte zu verschieben?“
Doch die SPD halte am Sozialstaat fest. Wiederholt mahnt Blome Reformen wie die des früheren SPD-Kanzlers Gerhard Schröder an. Themen wie die Mütterrente müssten besprochen werden – auch gegen den Widerstand der SPD:
„Wenn das der Sozialstaat ist: 5 Milliarden für alle, aber nicht für die Bedürftigsten, dann hat der Sozialstaat ein Problem. Und Frau Bas sagt, ganz egal, der ist das Bollwerk für die Demokratie, bitte gehen Sie weiter.“
Die SPD sei jetzt sinngemäß zum Erfolg verdammt, wolle sie nicht „mit der 5-Prozent-Hürde Bekanntschaft machen“. Blome zur Krise der Sozialdemokraten:
„Die haben’s jetzt zehn Jahre am Stück mit der einen Nummer probiert. Das hat halt nicht funktioniert. Jetzt würde ich es mal mit ’ner anderen Nummer probieren.“
„Deutschland ist kein Einwanderungsland“
Die größte Kontroverse wird aber dieser Satz auslösen: Deutschland sei – anders als von Friedrich Merz behauptet – kein Einwanderungsland, sondern ein Fluchtland.
„Ein Einwanderungsland lässt die Leute, die reinkommen, die Einwanderer, die man gerne hätte, sofort arbeiten. Ein Fluchtland wie wir lässt die Menschen, die als Flüchtlinge kommen, nicht sofort arbeiten. Denn wir gehen ja davon aus: Die flüchten im Moment, und dann gehen die wieder heim. (…) Man müsste mit den Flüchtlingen ganz anders arbeiten und ganz andere Politik machen, nämlich wie ein Land, das weiß: Einwanderer, die wir uns vorher ausgesucht haben, kriegen wir nicht. Dann nehmen wir die Menschen, die ohnehin kommen, und machen sie zu Einwanderern. Aber diese Politik machen wir nicht, wir halten sie vom Arbeitsmarkt fern, und das ist das Einzige, was sie integrieren könnte, alles andere ist rubbish.“

Nikolaus Blome sagt in seinem neuen Buch: „Deutschland ist kein Einwanderungsland.“
Das ist das Blome-Prinzip: wortgewaltig Staub aufwirbeln, ohne zu viel Wandel zuzulassen. Wer die Aussagen zu deuten versucht, kommt ziemlich schnell zu dem Schluss: Bas bleibt drin, Weidel bleibt draußen, alle bleiben sauer. Will der Mann wirklich etwas ändern? Oder ist es die Einsicht, dass der Wind jetzt aus einer anderen Richtung bläst? Immerhin stünde die AfD laut aktueller Sonntagsumfrage bei 27 Prozent. Ein großer Teil der Deutschen will also einen echten Politikwechsel – und nicht nur politische Dehnübungen.
*** In einer früheren Version dieses Artikels wurde Nikolaus Blome fälschlicherweise ein Zitat über Sahra Wagenknecht zugeschrieben. Dort hieß es, er habe sie als „Marxistin mit Perlenohrring, Talkshowbewohnerin und Politikvermeiderin“ bezeichnet. Diese Formulierung stammt jedoch nicht von Nikolaus Blome, sondern von der Autorin Anne Rabe, die sie in einem Gastbeitrag in der Zeit verwendet hat. Wir haben die entsprechende Passage korrigiert und bitten den Fehler zu entschuldigen. ***
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