Kurz vor dem KI-Skandal lud das ZDF den radikal linken „Volksverpetzer“ ein, um sich zu Desinformation beraten zu lassen
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Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) hat Mitarbeiter des Blogs Volksverpetzer zu einem Austausch über Desinformation und den Umgang mit extremistischen Parteien eingeladen – und das nur knapp einen Monat vor dem Skandal um nicht gekennzeichnete KI-generierte Bilder in der Sendung „heute journal“. Ein Instagram-Beitrag des Volksverpetzer-Gründers und -Chefs Thomas Laschyk vom 22. Januar dokumentiert den Besuch in Mainz-Lerchenberg, der auch angesichts des jüngsten Skandals zumindest befremdlich wirkt.
Der „Volksverpetzer“ ist ein 2014 von Thomas Laschyk gegründeter Blog, der sich angeblich dem Kampf gegen Falschmeldungen, rechte Hetze und Verschwörungstheorien verschrieben hat. Der Blog, der auf „Volksverhetzer“ anspielt und sich zum Ziel setzt, jene zu „verpetzen“, die Lügen verbreiten und die demokratische Grundordnung gefährden, positioniert sich gleichzeitig eindeutig und mitunter radikal links. Der Großteil der Beiträge dreht sich um die AfD. Ein entsprechendes Parteiverbot begrüßen Laschyk und Co. nicht nur, sondern trommeln im Rahmen einer Kampagne sogar dafür, ein solches schnellstmöglich zu prüfen. Laschyk bezeichnet dabei auch Politiker aus der „Mitte“ wie Friedrich Merz oder Markus Söder als „Populisten“ und beschuldigt sie, „die Gaga-Narrative der Nazis und Aluhüte“ zu bedienen, um Stimmen zu gewinnen. Er wettert gegen Medien wie Welt und Bild, die „Faschisten loben“ und „Pro-Putin-Kampagnen“ verbreiten, was er als Komplizenschaft mit Rechtsextremen sieht. Gleichzeitig besetzen der Blog und Laschyk, die inzwischen vorwiegend auf der Plattform BlueSky aktiv sind, Themen wie Klimaschutz oder Minderheitenschutz immer wieder positiv.

Thomas Laschyk vor der Übergabe der Petition „AfD-Verbot prüfen!“ an Bundesratspräsidentin Schwesig.
Erst jüngst unterzeichnete Laschyk ironischerweise einen Appell, der sich gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk positioniert und selbigen – vor dem Hintergrund der Einladung von Tino Chrupalla bei Caren Miosga – noch linker machen will. Auf dem Blog und den Sozialen Medien finden sich immer wieder einseitige linke Narrative zu Donald Trump, der wahlweise als „Faschist“ bezeichnet wird und einen „Staatsstreich“ umsetze. Zur Tötung des 37-jährigen Krankenpflegers Alex Pretti heißt es auf dem Blog: „Und wer sich nicht unterwirft, kann folgenlos getötet werden, so die faschistische Logik. Und genau deshalb ist der Pretti-Fall in Minneapolis politisch so brisant. Er ist ein Beispiel dafür, was passiert, wenn eine Regierung bewaffnete Truppen losschickt, die die eigene Bevölkerung terrorisieren können und Rückendeckung von der Regierung erhalten. ICE wird so zu einer Terror-Miliz außerhalb des Rechts, maskiert, militarisiert und politisch gedeckt. Doch in Deutschland sehen das nicht alle so.“
Der DJV lädt ein – und die Türen stehen in Mainz offen
Vor dieser hoch fragwürdigen, in jedem Fall aber definitiv sehr einseitigen Wertung der Vorgänge rund um ICE in den USA erscheint es umso fragwürdiger, dass man gerade im ZDF die Redaktionsstuben für den Volksverpetzer öffnet, signierte Bücher entgegennimmt – und bei einem Live-Faktencheck mitmacht. Wörtlich heißt es in Thomas Laschyks Beitrag auf Instagram: „Von wegen ‚Lügenpresse‘ – @volksverpetzer hat den Faktencheck live vor Ort gemacht!“ Man sei „auf Einladung“ des DJV im ZDF in Mainz und durfte „dort wunderbar konstruktiv über den Umgang mit extremistischen Parteien und deren Desinformation diskutieren!“ Weiter heißt es: „Wir haben was über deren Arbeit gelernt und sie haben einige Ideen für ihren Umgang mitgenommen. Besonders Danke an Anne Gellinek die uns interessiert zugehört hat – und viel Spaß beim Lesen von meinem Buch ‚Werbung für die Wahrheit‘.“ Der Beitrag zeigt Laschyk und seine Kollegen in bester Laune. Ein Foto fängt den Moment ein, in dem Laschyk Gellinek sein Buch überreicht und sie gemeinsam lächeln.
Rund drei Wochen später, kam es rund um die Berichterstattung des Gastgebers, also der heute-Redaktion in Mainz, zu einem handfesten Medienskandal: Am 15. Februar 2026 manipulierte das ZDF in böswilliger Weise innerhalb eines „heute-journal“-Beitrags über Abschiebungen durch die US-Migrationsbehörde ICE unter Präsident Donald Trump mit gefälschten Bildern. Moderatorin Dunja Hayali warnte noch in ihrer Anmoderation vor manipulierten Videos in sozialen Netzwerken, doch der Sender blendete in dem Beitrag selbst KI-generierte Bilder ein, die eine Mutter mit Kindern bei einer Abschiebung zeigten, ohne sie als solche zu kennzeichnen. Eine weitere Sequenz stellte sich als alter Clip aus dem Jahr 2022 heraus, der keinen ICE-Einsatz darstellte. Das ZDF führte in einer ersten Antwort auf eine Anfrage fadenscheinige Gründe an, weshalb man den Fehler zuließ, sprach aber schließlich von einem „Doppelfehler“ und entfernte die Inhalte nachträglich aus der Mediathek. Anne Gellinek, Leiterin der ZDF-Hauptredaktion Aktuelles und verantwortlich für „heute“ und „heute journal“, entschuldigte sich am Dienstagabend öffentlich: „Wir entschuldigen uns in aller Form für diese Fehler.“
Die Einladung des Volksverpetzer-Teams wirkt vor diesem Hintergrund brisant, da sie auf eine Zusammenarbeit mit Akteuren hinweist, die sich explizit gegen rechte Politik positionieren – eigentlich ein No-Go für das ZDF. Besonders das Foto mit Gellinek unterstreicht die (zumindest ideelle) Nähe: Als Verantwortliche für die betroffene Redaktion posiert sie mit Laschyk, was Fragen nach der Objektivität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks laut werden lassen dürfte.
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