Collien Fernandes meldet sich mit neuem Instagrambeitrag: „Der Täter möchte NICHTS unter Eid aussagen! GAR NICHTS!”
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Es fing an mit dem Vorwurf der „digitalen Vergewaltigung“: Christian Ulmen habe unter ihrem Namen gefälschte intime Inhalte verschickt. Jetzt legt Collien Fernandes auf Instagram nach – und stellt die Öffentlichkeit vor eine zugespitzte Wahl. Wenn Männer ihr sagten, sie hätten ein Gangbang-Video „von mir (!)“ gesehen, gebe es aus ihrer Sicht nur zwei Möglichkeiten: „Möglichkeit a) bei meinem letzten Gangbang lief eine Kamera mit oder Möglichkeit b) es ist ein Deepfake, eine Montage, ein was auch immer.“ Dann setzt sie nach: „So und jetzt ratet mal, was wahrscheinlicher ist.“
In mehreren Instagram-Slides beschreibt Fernandes, ihr Ex-Mann habe über Jahre hinweg unter ihrem Namen Fake-Profile auf Social Media erstellt. Er habe dabei Männer kontaktiert, darunter „fremde Männer und Männer aus meinem beruflichen Umfeld“. Zudem habe er ihnen „pornografische Videos und erotische Fotos“ geschickt. Laut Fernandes sollte das Material bewusst so wirken, „als habe ich mich heimlich beim Sex gefilmt, selbst nackt aufgenommen“.
Ulmen habe so „unter meinem Namen mit in etwa 30 Männern eine intensive Online-Affäre gehabt, inklusive Telefonsex“, außerdem sexuelle Treffen in Aussicht gestellt und diese kurzfristig wieder abgesagt. Weit mehr als diese 30 Männer habe er angeschrieben, schreibt Fernandes. Nicht jeder habe sich darauf eingelassen. Fernandes schildert das Verhalten als gezielte Erniedrigung. Ulmen habe ihr gegenüber eingeräumt, einen „sexuellen Fetisch“ entwickelt zu haben, „mit dem er nicht mehr aufhören konnte“. Es handle sich um „einen Degradierungsfetisch“. Wörtlich schreibt sie: „Es macht ihn geil, mich zu erniedrigen und mich auf eine Art in meinem beruflichen Umfeld zu präsentieren, von der er wusste, dass ich sie schrecklich finden würde.“ Das gebe ihm „ein Gefühl von Macht! Macht über mich!“
Fernandes „verflucht“ die Presse
Zugleich beklagt Fernandes den Umgang der Medien mit dem Fall. Sie schreibt, sie verfluche „die Presse dafür, dass ich im 5-Minuten-Takt 30-seitige-Fragebögen bekomme, die ich bitte schnellstmöglich beantworten möge“. Weiter heißt es: „ICH KOMME NICHT MEHR HINTERHER! ICH KANN NICHT MEHR! ICH HABE AUCH NOCH ANDERE DINGE ZU TUN!“ Wenn sie nicht jede Frage beantworte, werde daraus „eine Verschwörungstheorie gestrickt“.
Besonders scharf greift Fernandes die Berichterstattung an, die sie als „einseitig“ empfindet. Sie fordert, Fragen nicht nur an sie, sondern auch an „den Täter“ zu richten. Dazu formuliert sie zwei konkrete Punkte: „Waren Sie Ihrer Frau gegenüber gewalttätig?“ und „Haben Sie im Namen Ihrer Frau Fake-Profile erstellt und unter ihrem Namen pornografisches Material verschickt?“
Am Ende ihres Beitrags behauptet Fernandes zudem, Ulmen wolle zu all dem „NICHTS unter Eid aussagen! GAR NICHTS!“ Sie selbst hingegen schon. „Ich schon. Überlegt doch mal, warum...“, schreibt sie.
Deutsche Presse-Agentur hält sich bei Ulmen-Vorwürfen bewusst zurück
Während Collien Fernandes ihre Vorwürfe auf Instagram nun erneut und in drastischer Form öffentlich macht, zeigt sich an anderer Stelle, wie vorsichtig etablierte Medienhäuser mit dem Fall umgehen. Die Deutsche Presse-Agentur hat sich bei der Berichterstattung über die gegen Christian Ulmen erhobenen Vorwürfe nach eigenen Angaben bewusst zurückgehalten. dpa-Nachrichtenchef Froben Homburger begründete das laut Apollo News mit presserechtlichen Risiken.
In seiner Stellungnahme verweist Homburger auf die besondere Verantwortung der Agentur. „Andere Medien müssen sich darauf verlassen können, dass Informationen seriöser Nachrichtenagenturen inhaltlich korrekt sind“, erklärte er. Gerade weil dpa-Meldungen von vielen Redaktionen regelmäßig übernommen würden, sei die Schwelle für eine rechtssichere Verdachtsberichterstattung hoch.
Homburger erläutert dazu die juristischen Maßstäbe sehr deutlich: „Rechtliche Voraussetzung für eine zulässige Verdachtsberichterstattung ist – neben der Gelegenheit zur Stellungnahme für den Beschuldigten – ein sogenannter ‚Mindestbestand an Beweistatsachen‘“. Weiter schreibt er: „Das heißt: Medien, die über schwere Vorwürfe berichten, müssen konkrete Tatsachen benennen können, die die Vorwürfe stützen. Das können beispielsweise objektive Beweise sein, Erkenntnisse aus Ermittlungen, eine Anklageerhebung, Geständnisse, ein bestimmtes Verhalten in der Öffentlichkeit.“

dpa-Nachrichtenchef Froben Homburger
Nach Darstellung der dpa sah die Agentur diese Voraussetzungen im Fall Fernandes/Ulmen bislang nicht als erfüllt an. „Durch eigene Recherche konnte dpa diese Bedingungen für eine detaillierte Verdachtsberichterstattung im Fall Fernandes/Ulmen bislang nicht erfüllen – auch nicht nach Rücksprache beispielsweise mit den spanischen Justizbehörden“, heißt es in der Stellungnahme. Deshalb hätte man „die konkreten Vorwürfe daher lediglich auf Basis des Spiegel-Berichts und ohne eigene Kenntnis eines ‚Mindestbestands an Beweistatsachen‘ wiedergeben können“. Das wiederum, so Homburger, „wäre mit einem erheblichen rechtlichen Risiko für dpa-Kunden verbunden gewesen.“
Dass die Agentur inzwischen dennoch über den Fall berichtet, ohne die Vorwürfe im Einzelnen auszuführen, begründet Homburger mit der inzwischen entstandenen öffentlichen Debatte. „Die Spiegel-Recherche und ihre Folgen haben eine Diskussion in einer Dimension entfacht, die längst eine eigenständige gesellschaftspolitische Realität erreicht hat. Und diese Realität haben wir als größte deutschsprachige Nachrichtenagentur auch abzubilden – aber eben weiterhin in einer für dpa-Kunden rechtssicheren Weise.“
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