Ehemaliger BND-Vize von Loringhoven fällt auf simplen Betrug herein – und schiebt es den Russen in die Schuhe
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RedaktionDer ehemalige Vizepräsident des Bundesnachrichtendienstes (BND) ist auf eine der primitivsten Internetfallen hereingefallen: Arndt Freiherr Freytag von Loringhoven hat seine Signal-PIN an einen angeblichen Support-Mitarbeiter weitergegeben. Dadurch verlor er den Zugriff auf sein Konto, und alle Kontakte sowie Nachrichten lagen für die Betrüger offen da. Über die Panne hatte der Spiegel zuerst berichtet.
Man könnte erwarten, dass jemand mit wie von Loringhoven, der jahrelang für nachrichtendienstliche Kooperation bei der Nato verantwortlich war, solche Tricks durchschaut. Seit 2022 ist von Loringhoven jedoch nicht mehr im aktiven Dienst; heute tritt er als Autor, Redner und Experte sowie in beratender Funktion auf, etwa wenn es um hybrider Kriegsführung oder Cyberangriffen durch Russland gehe.
Prominente und Politiker weltweit betroffen
Der Angriff auf von Loringhoven ist Teil einer Offensive an Phishing-Attacken bei Nutzern der Messenger-Apps Signal und WhatsApp weltweit. Wie der Spiegel schreibt seien zahlreiche Prominente, Politiker und Sicherheitsmitarbeiter betroffen, die sich bei den Behörden meldeten. Der niederländische Militärnachrichtendienst MIVD hat die Angriffe kürzlich öffentlich den „russischen Staatsakteuren“ zugeschrieben. Vizeadmiral Peter Reesink warnte: „Chat-Anwendungen wie Signal und WhatsApp sind trotz ihrer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung keine Kanäle für eingestufte, vertrauliche oder sensible Informationen.“

Der Betrug erfolgte im Messenger Signal.
Signal selbst bezeichnete die Vorfälle als „gezielte Phishingattacken“, die zu feindlichen Übernahmen von Konten geführt haben, insbesondere bei Regierungsvertretern und Journalisten. „Wir nehmen das sehr ernst“, betonte der Anbieter, und versicherte, dass weder die Verschlüsselung noch die Infrastruktur kompromittiert seien, diese blieben „robust“.
Bereits im Februar stuften das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die Angriffe als „sicherheitsrelevant“ ein und forderten Betroffene auf, sich zu melden. Die Warnung stieß auf „hohe Resonanz“, so das BfV, und habe möglicherweise Schlimmeres verhindert. Die Behörden rieten, in der App nach unbekannten gekoppelten Geräten zu suchen oder Aufforderungen zur Neuregistrierung kritisch zu prüfen.
Von Loringhoven sieht Beweis für „offensive hybride Kampagnen“ Russlands
Unter den Opfern ist der besagte ehemalige BND-Vizepräsident Arndt Freytag von Loringhoven. Der 69-Jährige, der bis 2019 bei der Nato für nachrichtendienstliche Zusammenarbeit verantwortlich und später als Botschafter in Warschau tätig war, fiel auf eine klassische Masche herein: Ein angeblicher „Support“ von Signal forderte seine PIN, die er eingab.

Von Loringhoven begrüßte als Botschafter in Warschau die einstige Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne).
Loringhoven warnte anschließend alle seine Kontakte vor einem Einladungslink zu einer externen Website, der über sein Konto versendet wurde, und löschte es. Er sieht in dem Vorfall einen Beweis dafür, dass „russische Staatsakteure ihre offensiven hybriden Kampagnen unvermindert fortsetzen“. Als Experte für russische hybride Kriegsführung – er veröffentlichte 2024 das Buch „Putins Angriff auf Deutschland“ – soll er den Angreifern als Hochwertziel dienen, da es darin um Desinformation und Cyberbedrohungen geht.
Ein solch prominentes Ziel, so viel steht fest, sollte jedoch nicht auf simple Betrugsmaschen hereinfallen.
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