Rheinmetall-Chef Armin Papperger: „Fast niemand in Europa hat genügend Munition“
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RedaktionDer Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall eilt von Rekord zu Rekord – mehr Umsatz, mehr Gewinn. Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um 29 Prozent auf 9,9 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legte um 33 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro zu. Die Gewinnmarge erreichte mit 18,5 Prozent einen neuen Höchstwert. Besonders stark läuft das Munitionsgeschäft. In der Neuen Zürcher Zeitung spricht Rheinmetall-Chef Armin Papperger über die aktuelle Entwicklung im Iran-Krieg, über Drohnen und über Munitionsknappheit.
NIUS dokumentiert wichtige Aussagen.
Wie gefährlich sind Drohnen?
„Drohnen können – vor allem, weil sie wenig kosten – im Krieg ein Game-Changer sein. Früher musste ein Aggressor viel Geld investieren, um jemanden anzugreifen. Das hat sich mit den Drohnen geändert. Mit wenig Geld kann man nun erheblichen Schaden anrichten. Eine Drohne kostet beispielsweise 20.000 Dollar. Man bekämpft sie teilweise mit Raketen, die je nach Typ 1 bis 3 Millionen Dollar kosten. Das ist enorm teuer. Jetzt ändert sich das langsam mit unserem mobilen, kanonenbasierten Flugabwehrsystem Skyranger, das auch in der Schweiz gebaut wird. Mit fünf Schuss, die zusammen 4000 Dollar kosten, schießen wir eine 20.000-Dollar-Drohne ab. Damit dreht sich das wirtschaftliche Verhältnis wieder.“

Flugabwehrsystem Skyranger
Kann man Abwehrraketen schnell nachproduzieren?
„Man geht davon aus, dass die USA bei dieser Intensität des Krieges in zwei bis drei Wochen leergeschossen sind. Fehlende Raketen kann man nicht schnell produzieren. Das geht nicht in Monaten, die Produktion ist langwierig, und die Bedarfe sind groß. Deswegen investieren wir auch in diesem Bereich. Es gibt aber auch eine große Lücke bei den Motoren, die für die Raketen genauso wichtig sind wie das Pulver für die Munition. Eine Drohne kann man in vier Wochen bauen, bei einer Rakete mit Motor dauert das fast ein Jahr. Bei manchen Raketen liegt die Produktionskapazität in den USA bei 70 Stück im Jahr. Die Menge verschießen sie bei einem massiven Angriff in einer Stunde.“
Über die Lage in Europa
„Die größte Not herrscht bei der Munition. Die Vorräte würden im Ernstfall innerhalb weniger Tage verschossen sein. Wir haben bei Rheinmetall vor dem Jahr 2022 rund 70.000 Schuss Artilleriemunition im Jahr produziert, im Jahr 2030 werden es 1,5 Millionen Schuss sein. Das ist eine höhere Kapazität, als sie die USA haben. Große Nachfrage herrscht bei gepanzerten Fahrzeugen. Ein möglicher Konflikt der NATO mit Russland sähe ganz anders aus als der heutige Krieg zwischen der Ukraine und Russland. Die NATO würde immer versuchen, mit ihren Truppen eine dynamische Bewegung beizubehalten. Das ist zu Fuß nicht machbar, dazu braucht man gepanzerte Fahrzeuge – auch zum Schutz gegen Drohnen und Lenkwaffen.“
Die Zukunft der Drohnen
„Es wird künftig Überwasserdrohnen, Unterwasserdrohnen, Luftdrohnen und unbemannte Panzer geben, also Fahrzeugdrohnen. Letztgenannte werden noch etwas dauern. Doch in 25 Jahren wird jeder Kampfpanzer von unbemannten Fahrzeugen begleitet werden. Dieses kann man dann in die absolut heißen Zonen schicken.“
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