Bill Kaulitz ist der Patenonkel: Drag-Queen Candy Crash ist plötzlich Papa
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Diese Familie sorgt für Aufregung: Dragstar Candy Crash und sein Partner sind Papas geworden.
In den USA brachte Mitte Februar eine Leihmutter eine Tochter für das Paar zur Welt. Für die einen ist diese Familiengründung pure Provokation, für Candy Crash selbst wurde der gut dokumentierte Weg zum Wunschkind zum Glücksfall – und zur lukrativen Tätigkeit.
Erfolg durch Selbstdarstellung
Er stammt aus Bruchsal, seinen bürgerlichen Namen hält er geheim. Candy Crash gelangte in den letzten Jahren nicht zuletzt durch Heidi Klum zu Berühmtheit: Seit der Teilnahme in ihrer Show „Queen of Drags“ im Jahr 2019 (in der Jury saßen außerdem Bill Kaulitz und Conchita Wurst) ist er prominent, machte beim ProSieben-Format „Wer schläft, verliert“ mit und tauchte beim „Heidifest“ in München auf. Der gelernte Grafiker betreibt einen YouTube-Channel, schreibt Zeitschriftenkolumnen und brachte sogar eine Single raus.
Jetzt kann eine wachsende Fangemeinde an seinem ungewöhnlichen Leben teilhaben: Sein Podcast Hollywood-„Mom“ (Das „Mom“ in Anführungsstrichen) startete überaus erfolgreich, und auf Instagram verfolgen 236.000 Follower, wie der Umzug nach Los Angeles lief, wo er und sein Freund seit zwei Jahren leben. Seit 13 Jahren sind die beiden zusammen, der Partner will anonym bleiben.

Durch eine Drag-TV-Show wurde er berühmt: Candy Crash
Umso lauter wirbt Candy Crash für sein Privatleben: Die Viewzahlen explodieren, seit er verkündet hat, dass er und sein Freund Väter werden. Wer von beiden der biologische Erzeuger des Kindes ist, will er nicht beantworten. Die Frage, so sagt er auf Instagram, empfinde er als übergriffig. Eine Adoption sei aufgrund des Alters, beide sind Ende 30, nicht möglich gewesen.
Jetzt wird’s kompliziert: Die Leihmutter ist nicht die genetische Mutter, die Eizellen wiederum stammen von einer anonymen Spenderin. Was klingt wie Science-Fiction-Medizin, ist in Deutschland verboten, in den USA aber gesetzlich erlaubt. Die Leihmutter hat mit ihrem Mann vier eigene Kinder. Sie und das schwule Paar hätten sich über eine Agentur kennengelernt, so Candy Crash. Beide Väter seien bei der rund achtstündigen Geburt dabei gewesen. Candy Crash habe nach kurzen Komplikationen die Nabelschnur durchtrennt, es habe Freudentränen gegeben.
„Tante Bill“ als Ticket zum Erfolg
Jetzt also eine Regenbogenfamilie in Los Angeles. Candy Crash sagt offen, warum er seine Wahlheimat Berlin verlassen hat: Die Leute seien „ruppig und forsch“, er sei für seine Homosexualität mehrmals angefeindet worden. Sein Kind heißt jetzt ausgerechnet: Berlin.
Zum wachsenden Ruhm des Realitystars trägt auch der prominente Freund und Patenonkel bei: Bill Kaulitz feiert kurz vor Ankunft des Babys noch mit Candy Crash eine Champagner-Pool-Party. Es ist auch viel der Strahlkraft des deutschen Superstars und dem Umfeld von Heidi Klum zu verdanken, dass die Drag-Queen plötzlich in aller Munde ist. Man besucht gemeinsam Freizeitparks, und „Tante Bill“ kommt mit teuren Tiffany-Geschenken an.

Berühmter Patenonkel: Bill Kaulitz macht zumindest großzügige Geschenke.
Die Väter teilen sich die Fürsorge für das neun Wochen alte Mädchen. Candy Crash hat offenbar recherchiert und liefert viel Fachwissen über Säuglingspflege. Der neue Alltag als Influencer mit Baby: Fläschchen sterilisieren, wickeln und Videos drehen. Das kommt gut an, die Reichweite wächst und wächst. Da gibt’s Reels aus dem Flugzeug oder mit Perücke und High Heels beim Spaziergang mit Kinderwagen. Und wenn dann RTL mit einem Kamerateam anreist und keine einzige kritische Frage stellt, ist klar: Jetzt ist man Promi.
Beim Fernseh-Dreh schwärmt Candy Crash von seiner Tochter: „Egal, ob sie schreit, ob sie lacht, ob sie einfach nur schläft. Ich gucke sie an und ich bin einfach nur schockverliebt.“
Skepsis ist nicht gleich Hass
Zwei schwule Väter, eine Leihmutter und eine Eizellenspenderin – dieses Modell empfinden viele als Provokation. „Ein Baby braucht eine Mutter“, kommentieren User, oder auch: „Das Kind kann einem nur leidtun.“ Natürlich sind echte und vermeintliche Hasskommentare ein großes Thema. Aber Wut bringt Klicks, und Empörung als Erlösmodell scheint zu funktionieren: Bis zu 80 Millionen Mal wird der Content der Drag-Queen geklickt. Eine Fortsetzung? Denkbar. Die Leihmutter, die davor vier eigene Kinder von ihrem Mann zur Welt gebracht hat, sei zu einer Freundin geworden und habe sich sogar für ein weiteres Kind zur Verfügung gestellt, so Candy Crash im Podcast.
Es dürfte also bald noch mehr Drag-Daddy-Baby-Content geben. Die Leute haben Fragen, Candy antwortet: Dass die Nächte entspannt seien, dass ChatGPT statt einer Hebamme helfe, dass er schon zeitig mit Töpfchentraining starte, dass zwei Väter in der Geburtsurkunde in deutschen Behörden für Probleme sorgen, dass die Geburt insgesamt nur etwa 1.400 Dollar gekostet habe. Ob und wie viel Geld die Leihmutter bekommt? Geheim.
Wo ist der Lippenstift? Papa geht arbeiten.
Den Beruf als Drag-Queen will Candy Crash laut eigener Aussage auch als Erziehungsperson nicht aufgeben, das sei schließlich ein ganz normaler Job. In einem Instagram-Post schreibt er: „Die richtige Frage lautet nicht: Werde ich meinem Kind peinlich sein? Sondern: Wird mein Kind sich sicher fühlen, weil es so sein darf, wie es ist?“ Das klingt nobel. Aber was, wenn das Kind schon in eine Ideologie hineingeboren wird, die es möglicherweise später ablehnt? Falls das Kind sich für eine heterosexuelle Mutter-Vater-Kind-Familie und eine Bürokarriere entscheidet, wird sich zeigen, wie tolerant die bunten Väter wirklich sind.

Candy Crash will auch als Papa weiter als Drag-Queen auftreten.
Bis dahin werden aber sicher noch unzählige intime Fakten gepostet, geteilt und ausgeplaudert. Wer einmal so viele Menschen in sein Privatleben gelassen hat, kommt schwer wieder aus der Nummer raus: Candy Crash erzählt im Podcast durchaus eloquent von seiner schlimmen Kindheit, dem straffälligen Bruder, der Sehnsucht nach Weihnachten mit einer heilen Familie. Die aktuelle Folge heißt: „Meine Mutter im Krankenhaus und ich fühle nichts.“ Bleibt fraglich, ob man alte Wunden mit einer eigenen (Regenbogen-)Familie heilen kann. Eins ist klar: Die Tochter von Candy Crash wird sicher keine langweilige Kindheit haben.

Candy Crash im September 2025 beim „Heidifest“ im Münchner Hofbräuhaus
Bei vielen Müttern stellt sich – das sieht man anhand der Kommentare – leises Unbehagen ein. Denn die Frauen sind in diesem Modell nur die Helferinnen für die Eizellenspende und die Schwangerschaft, danach übernehmen die Männer. Und sollte denen die Zeit mit einem Neugeborenen dann doch zu viel abverlangen, kommt vielleicht eine Nanny ins Haus. Und das ist dann wieder eine Frau.
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