Filmkritik zu „The Creator“: Die Menschen und Waffen der Zukunft
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- „The Creator“ ist eine Mischung aus „Blade Runner“ und „Apocalypse Now“.
- Das ist eine mehr als ungewöhnliche Mischung.
- Funktioniert aber brillant.
Gareth Edwards‘ „The Creator“ beginnt mit einem Knall. Und zwar mit einem ziemlich großen: In Los Angeles wird eine Atombombe gezündet, das Land in ein neues Tschernobyl verwandelt.
Okay, das passiert erst im Jahr 2055, bis dahin sind es noch ein paar Jahre. Die Filmwelt allerdings hat sich radikal weiterentwickelt, künstliche Intelligenzen sind bestimmender Teil unseres Lebens geworden. Ein Bösewicht ist daher schnell gefunden: Irgendjemand – oder Irgendetwas – muss so schlau geworden sein, dass die Auslöschung der menschlichen Rasse als schiere logische Konsequenz erscheint. Und dieses Etwas hat nun gehandelt. Das mutet fast verständlich an – es sei denn man ist ein Mensch.

Die westliche Welt handelt daraufhin rigoros und verbietet jedwede künstliche Intelligenz. Andere Länder sehen das allerdings ganz anders und bleiben weiter dabei, intelligente Roboter einzusetzen, um das Leben ihrer Einwohner zu verbessern.
Ost gegen West, Chip gegen Gehirn
Schnell werden die klassischen Antipoden klar: Wir befinden uns in einer Filmwelt, in der Ost gegen West, der Mensch gegen die Maschine kämpft. In diesem Szenario entwickelt sich nun eine sehr persönliche Geschichte. Die USA haben einen Agenten namens Joshua (John David Washington, Sohn von Denzel) in das südliche Asien eingeschleust, um den Schöpfer der künstlichen Intelligenz (den „Creator“) zu finden und zu töten.

Joshua hat Grund genug dazu: Seine Familie wurde ausgelöscht, er selbst hat das eine oder andere Körperteil verloren, die aber allesamt mechanisch ersetzt wurden, wir befinden uns schließlich in der Zukunft. Aber Gefühle und ein Herz hat er noch – er hat sich verliebt und ein Kind gezeugt. Frau und Kind gehen unter im US-militärischen Feuerregen, nun will er nicht mehr kämpfen, seine Verzweiflung ist zu groß.
Aber: Er wird überzeugt. Und hier beginnt eine einzigartige Odyssee.
Totgeglaubt und doch noch eine Chance
Denn seine verstorbene Frau soll noch am Leben sein – und allein deswegen macht er sich (zum zweiten Mal) auf den Weg in das ferne fiktive „Neue Asien“. Und das wiederum führt mitten in eine Geschichte, die eigentlich Unkombinierbares miteinander kombiniert: zu einem filmischen Mix aus „Blade Runner“ und „Apocalypse Now“.
Denn hier erleben wir Menschen auf dem Land, in Reisfeldern arbeitend; gleichermaßen auch den gesellschaftlichen Molloch der Industriegesellschaft, ein paar Meilen weiter. Roboter und Menschen arbeiten Seite bei Seite… es ist eine irre Zukunftsvision, die Edwards gekonnt in Szene zu setzen weiß.

Das Phänomen Gareth Edwards
Ein paar Worte zum Regisseur: Gareth Edwards drehte 2010 einen Film namens „Monsters“. Bereits hier war die Idee verrückt. Monster fallen in Mexiko ein und die US-Grenze wird mit einer Mauer geschlossen, die diejenige von Trump wie einen Kieselstein aussehen lässt. Ein Journalist ist beauftragt, eine Verlegertochter da durchzubringen. Der Film hatte kein großes Budget, sah aber ganz und gar nicht so aus. Große Stars waren auch nicht dabei, aber das störte nicht.
Das beindruckte Hollywood so sehr, dass Edwards den neuen „Godzilla“ und danach „Rogue One“ machen dürfte. Beide Filmwerke fielen mehr oder weniger dürftig aus, mit „The Creator“ kehrt Edwards nun aber zu seinen ursprünglichen, visionären Ideen zurück.
Er baut eine Idee nach der anderen ein, die wirklich groß und gewagt sind; auch seine Action-Szenen bewegen sich immer einen Tacken über dem, was man gewohnt ist. Die Dramaturgie ist großartig und die Schauspieler ziehen mit.

Gareth Edwards
Komplexer Filmgenuss
„The Creator“ ist großes und ganz sicher nicht billiges Kino. Ein monumentales Science-Fiction-Epos, das allerdings ordentlich gegen den Strich gebürstet ist, im Vergleich zu dem, was wir sonst so zu sehen bekommen. Es ist ein spannender und perfekt gemachter Film – er ist komplex und lebt durch große, intelligente Ideen.
Mal schauen, wer ihn verstehen möchte, kann und wird. Ich persönlich halte ihn für ein modernes Meisterwerk.
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Karsten Kastelan
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