Harald Schmidt: „Für 80.000 bin ich nicht zu haben“
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Fast auf den Tag genau vor 30 Jahren ging die erste Harald-Schmidt-Show auf Sendung. Aus diesem Anlass gab der Entertainer der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein Interview. NIUS dokumentiert typische Schmidt-Weisheiten – etwas zum Schmunzeln in ernsten Zeiten.
Über die Rentendebatte
„Ich komme auf ungefähr 1100 Euro brutto. Mir liegt das Gemeinwohl wahnsinnig am Herzen, aber ich kann am meisten für die Gemeinschaft tun, wenn ich durch zahlreiche Auftritte genügend Steuern zahle, um unser Sozialsystem zu finanzieren. Ich möchte mal darauf hinweisen: Wir Bürger über 60 sind 21 Millionen. Wer sich mit uns anlegt, braucht gar keine Wahlplakate mehr aufzuhängen.“
Über Wolfram Weimer
„Er hat mich mal zum Essen eingeladen, als er noch Focus-Chefredakteur war. Er hat mit mir sozusagen ein Mitarbeitergespräch geführt, weil ich ja dort Kolumnist war. Ich lebe ja von so einzelnen Weisheiten, wie die vom früheren ARD-Programmdirektor, der zu mir sagte, selbstverständlich erwarte ich, dass Sie korrupt sind, aber bitte nie unter zehn Millionen. Weimer sagte zu mir: Es ist sehr wichtig, was man schreibt, aber oft ist es noch wichtiger, was man nicht schreibt. Das habe zumindest ich beherzigt.“
Warum er den Philosophen Sloterdijk verehrt
„Über den habe ich gelesen, dass seine offenbar reizende Gattin Beatrice im gemeinsamen Landhaus in der Provence sechs Gästezimmer vermietet und dort im Bikini auf dem Sitzrasenmäher ihre Runden dreht. Auch selbst gemachte Marmelade bietet sie an. Das ist sowieso das neueste Kriterium für intellektuelle Topqualität: selbst gemachte Marmelade. Davor waren mein Bruder und ich ein Leben lang auf der Flucht. Hunderterweise sind die Gläser unserer armen Mutter im Keller verschimmelt. Wir wollten Schwartau. Wir wollten Nutella.“
Wurde er mal als Speaker für den Ludwig-Erhard-Gipfel gebucht?
„Nein. Wenn Sie so ein Langzeitüberlebender im Job sind wie ich, dann brauchen Sie diesen siebten Sinn, dass Sie schon riechen, wo man sich ruiniert für 300 Euro. Es tut mir leid, aber für 80.000 bin ich nicht zu haben. Die absolute Untergrenze für mich wäre Wirecard. Das ist die Summe, bei der ich überhaupt anfangen würde nachzudenken. Der Rest ist wie Automatensprengen in der Bank, aber den Geldautomaten nicht erkennen und stattdessen den Kontoauszugautomaten in die Luft jagen. Meine Angst ist, dass wir auch in Sachen Wirtschaftskriminalität in Deutschland den Anschluss an die Weltelite verlieren.“
Hat es ihn gewundert, dass Kontakte zu unseren Ministern offenbar käuflich sind?
„Überhaupt nicht. Schon gar nicht, seit ich jüngst im F.A.Z.-Magazin lesen durfte, wie eine Redakteurin versucht hat, im Escort-Gewerbe Fuß zu fassen. Ich bedauere sehr, dass sie es nicht durchgezogen hat. Escort mit so einem intellektuellen Touch – mich hätte das interessiert. Ich stelle übrigens fest, es gibt jetzt auch in der F.A.Z. immer mehr Journalistinnen, die sich mit Themen wie Fremdgehen, Orgasmus, Sich-Streicheln befassen. Die Texte inhaliere ich!“
Über sein Publikum
„Wenn Sergej Lawrow mit dem alten CCCP-T-Shirt in Alaska anreist, das sind so die Sachen, bei denen ich gefragt bin. Mein Publikum erwartet geostrategische Orientierung. Oder ästhetische. Zum Beispiel, wenn Nicole Deitelhoff, die Friedensforscherin, ihre neue Brille präsentiert. Sie hat überhaupt aufgerüstet. Zuletzt bei Maybrit ‚Ich bitte das Privatleben zu respektieren‘ Illner trug sie Boots, die ich zuletzt gesehen habe im zweiten Irakkrieg, als der amerikanische Verteidigungsminister damit seine Jungs besucht hat.“
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