Harald Schmidt über Deutschlands Krise: „Die Zeche zahlt die Zivilbevölkerung“
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Harald Schmidt hat keine Angst, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. In der Sendung „Studio 9 – Ein Tag mit …“ des Deutschlandfunks zündete der 68-Jährige vor Live-Publikum in Kaiserslautern ein Gag-Feuerwerk mit ernsten Anklängen.
Die Dauerkrise in der Tagespolitik versuche er, gelassen zu sehen, so der Entertainer:
„Hat es etwas mit mir zu tun – ja oder nein? (…) Wer entscheidet, welcher Krieg angeblich für mich wichtig ist? Ist es die Ukraine, ist es der Gazastreifen, ist es der Libanon, ist es der Iran, ist es der Konflikt zwischen der Friedensnation Pakistan und den Taliban und Indien? Ist es etwa der Sudan, der es gerade mal zwei Minuten in die Nachrichten schafft? Und wenn Sie das einmal durchdeklinieren, müssen wir einfach sagen: Danke, wir gehen in die Werbung.“
Was macht eigentlich Nancy Faeser?
Zur Weltmeisterschaft im Sommer sagt Fußballfan Schmidt:
„Ich finde, wir sollten für alle Fälle Nancy Faeser rüberschicken. Die wird man ja noch irgendwo finden, ich nehme an, sie hat die Armbinde noch in der Schublade, mit der sie damals in Katar die Weltpolitik verändert hat. Die soll sich da in Mexiko irgendwo hinsetzen, Sonnenschutz, großen Sombrero auf. Damit ist der Fall raus, und wir spielen Fußball.“
Die frühere Bundesinnenministerin Faeser hatte bei der Fußballweltmeisterschaft in Katar 2022 eine One-Love-Armbinde getragen und war dafür heftig kritisiert worden.

Harald Schmidt schafft es, die deutsche Dauerkrise mit ein paar Pointen aufzulockern.
Zur allgemeinen Stimmung in Deutschland hat Schmidt Überraschendes zu sagen. Auf seinen Bahnfahrten erlebe er positiv gestimmte Menschen.
„Das ist eine Sache für die Talkshow-Industrie, die natürlich jeden Tag fünf neue Gäste braucht. Und wenn ich immer den Satz höre in den Talkshows, ‚Deutschland spricht darüber‘, sage ich: Welches Deutschland meint ihr? Deutschland weiß gar nicht, was ihr für ein Thema habt.“
Über Bundeskanzler Friedrich Merz sagt Schmidt:
„Selbst wenn er wollte, er muss Rücksicht auf Drei-Blazer-Bärbel und Fashion-Lars nehmen. So ist Politik – es tut mir leid, dass ich hier mit dieser Plattitüde aufwarten muss (…) Man könnte die Reformen vermutlich durchziehen, wenn man ohne Rücksicht auf Verluste sagt: Wir machen das jetzt. Das heißt dann auch natürlich, man verliert die nächste Wahl.“
Die Politik muss mit Wahlergebnissen umgehen
Immer wieder bekommt Harald Schmidt Fragen zu den Wahlerfolgen der AfD gestellt. Für seine Antwort gab’s vom Publikum einen Extra-Applaus:
„Wir haben in Deutschland zum Glück freie, gleiche und geheime Wahlen, und da wird gewählt, wie man will. Und dann ist es die Aufgabe der Politik, damit umzugehen.“
Doch Schmidt holte noch weiter aus:
„Was mir einfach gut gefällt, ist, dass von den Rändern gesprochen wird bei einer Partei, die mittlerweile in Umfragen bei 26 Prozent liegt. Also, ob man da den Begriff ‚Ränder‘ nicht neu definieren müsste?“
Bei all den Krisenherden der Welt gibt es für Schmidt nur eins: bewusst wegschauen! Wer etwas ändern wolle, müsse sich vor Ort einsetzen, indem er etwa als Arzt im Sudan arbeite. Alles andere sei „Folklore fürs eigene Gemüt.“

Harald Schmidt nennt die Dinge beim Namen. Dafür wird der Wahl-Kölner von seinen Fans gefeiert.
Für die gegenwärtige Krise in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft findet Schmidt dennoch harte Worte:
„Meine subtile Analyse des historischen Weltgeschehens ist: Die Zeche zahlt die Zivilbevölkerung und die oberen ein Prozent sind weg – aber nicht weg im Sinne von weggebombt, sondern irgendwohin abgehauen.“
Nur im Bezug auf die Causa Christian Ulmen vs. Collien Fernandes hielt sich Schmidt bedeckt. Er drehte bis vor kurzem mit Fernandes neue „Traumschiff“-Folgen in Fernost.
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Melanie Grün
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