Neuer Film „Kandahar“: Endlich mal wieder gutes, altes Action-Kino
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- „Kandahar“ ist altes, gutes Action-Kino.
- Neu ist der Drehort: Saudi Arabien.
- Und da muss sich Clive Owen nun durchkämpfen.
„Kandahar“ ist ein ungewöhnlicher, gewöhnlicher Action-Film. Ersteres, weil er nicht so ganz in unsere Zeit passt. Letzteres, weil er uns eine geradlinige Story bietet, bei der die Politik drumherum so nebensächlich ist, wie sie es nur sein kann. Denn verstehen kann man sie sowieso nicht.
Tom Harris (Gerard Butler) hat gerade in den Diensten des CIA erfolgreich eine iranische Nuklearanlage sabotiert und möchte nun gern zu seiner Familie nach England zurück. Aber, wie in Filmen so oft, gibt es einen letzten Auftrag, den der geheimdienstliche Söldner noch erfüllen soll. Was das genau ist, bleibt unklar – aber ist auch egal. Denn er ist aufgeflogen und muss nun mit seinem Übersetzer (der großartige iranische Schauspieler Navid Negahban) zum nächstmöglichen Flugzeug kommen. Und das landet nun mal in Kandahar.
Auf dem Weg zum Flieger
Dem unaufmerksamen Kinozuschauer wird es nicht immer klar sein, welche Grenzen die beiden übertreten müssen. Aber sie müssen – wie bei John Ford – durch das Feindesland. Nicht gejagt von Indianern, aber Iranern, Pakistanis, Afghanen.
Relativ egal von wem, aber genau da beginnt der Spaß. „Kandahar“ ist ein altmodischer Action Film, der eigentlich alles auf ein Prinzip reduziert. Zwei Menschen müssen ein Ziel erreichen, es geht durchs Feindesland – und eine Menge Menschen sind hinter ihnen her – und auch sie sind nicht so gezeichnet, dass wir sie leicht als „böse“ abtun können. Sie alle haben Jobs, Erwartungen und Familien. Dass wir uns hier mental auf die Seite der Nicht-Islamisten schlagen, ist fast ein Zufall.
Macht der Film Spaß? Definitiv.
Inszeniert von Ric Roman Waugh, einem Weggefährten von Gerald Butler und mit dem letztgenannten in der Hauptrolle, liefert „Kandahar“ durchgängig intelligente Action, vor wahnsinnigen Kulissen, auf die wir noch zurückkommen werden. Es geht um ein Rennen gegen die Zeit, aber auch die verschiedenen Fraktionen, die zwei Menschen davon abhalten wollen, ein unfreundliches Land zu verlassen. Schießereien, Dronen, aber durchaus auch etwas, das man nicht erwarten würde: eine weitaus dezidiertere Betrachtung des jüngsten Afghanistan-Krieges (und auch des Konflikts mit dem Iran), als wir sie in einem Actionfilm erwarten könnten.
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Nehmen wir mal „Rambo 2“ und „Rambo 3“. Bei Nummer zwei waren die Nordvietnamesen die Bösen, bei Teil drei die Russen. Nicht ganz unpassend, aber es gab neben Gut/Böse nicht eine Nuance. „Kandahar“ bietet diese in Schusspausen, beispielsweise, wenn Clive Owen über einen Übersetzer spricht, den er nicht mitnehmen konnte – oder sein aktueller Übersetzer mit dem Mann konfrontiert wird, der für den Tod seines Sohnes verantwortlich war.
Und jetzt kommen wir zu Saudi-Arabien
Der weitaus interessanteste Punkt dieses spannenden Films liegt nämlich in seiner Entstehung. Seit einigen Jahren versucht Saudi-Arabien nämlich, Filmprojekte ins eigene Land zu holen – ein Land, in dem das Kino selbst verboten war.

Gerald Butler und Navid Negahban in „Kandahar“. Der Film ist einfach mal wieder Unterhaltung pur, sagt NIUS-Filmkritiker Karsten Kastelan
Dies begann mit einem eigenen Filmfestival am roten Meer, alkoholischen Drinks in Cannes und teuren Partys auf internationalen Filmfestivals. Und finanziellen Angeboten an Produzenten, die jede deutsche Filmförderung wie Flaschensammeln aussehen lässt. Der Autor dieser Zeilen saß dabei. Und hat mitgetrunken.
Und was kam dabei raus?
„Kandahar“ ist ein verdammt guter Action-Film, der zwar alle Seiten beleuchtet, aber bei dem wohl wenig reingeredet wurde.
Ja, es gibt kaum Frauen in dem Film, was auch schwer zu filmen gewesen wäre, da sie ja nicht unverhüllt unter Männern an besagtem Drehort rumlaufen dürfen. Abseits davon ist es einfach schön, einen so geradlinigen Film zu sehen, der Politik und Glauben zwar wahrnimmt, aber nicht zum Thema macht.
Einfach mal wieder Unterhaltung pur.
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Karsten Kastelan
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