Met Gala 2026: Die Nacht, in der die Mode ihre Seele verkaufte
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„Die schlechteste Met Gala aller Zeiten“, „Die Nacht, in der die Mode ihre Seele verkaufte“, „geschmacklos und plump“ – so ätzen britische und amerikanische Medien über die legendäre Gala im Metropolitan Museum of Art in New York. Es sei eine dystopische Parade von Z-Promis und Milliardären gewesen.
Dabei war die Gala der früheren US-Vogue-Chefin Anna Wintour jahrelang das Hochamt der Haute Couture: Was 1948 als Benefizabend für das Kostüminstitut mit 50-Dollar-Tickets startete, ist heute ein globales Mega-Ereignis, das live quer über den Planeten gestreamt wird. Zu verdanken ist das vor allem Anna Wintour, die mit ihrem Netzwerk und ihrem Stilgefühl seit 1995 dafür sorgt, dass die Liebe zur Mode im Mittelpunkt steht. Kein internationaler Promi mit Sinn für Mode konnte es sich leisten, NICHT in einer spektakulären Robe auf den berühmten Stufen fotografiert zu werden. Niemand wäre auf die Idee gekommen, eine Einladung dieses Schwergewichts auszuschlagen.

Kim Kardashian trug ein Kleid im 60er-Jahre-Stil.
Bling-Bling statt Stil
Doch dann kam das ganz große Geld: mit Amazon-Chef Jeff Bezos und seiner Frau Lauren Sánchez, die sich mit 10 Millionen Dollar als Co-Ehrenvorsitzende und Sponsoren eingekauft haben. Ein Milliardär, der mittlerweile als Trump-Unterstützer gilt, dessen Unternehmen immer wieder wegen mieser Arbeitsbedingungen in die Schlagzeilen gerät, ist jetzt plötzlich Mode-Mäzen? Seine zweite Ehefrau, die offenbar danach strebt, eine neue Marie-Antoinette zu werden, die dekadente Luxus-Königin – das war vielen Fans und Stars zu viel. Erst sagte Zendaya ab, dann Meryl Streep und Billie Eilish. Und New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani ließ ausrichten, New York solle bezahlbar bleiben, was es ja ohnehin nicht mehr ist.

Fechterin? KI-Kriegerin? Imkerin? Auf jeden Fall Katy Perry.
Übrig blieben noch genügend andere: Der Kardashian-Jenner-Clan, Sabrina Carpenter, Blake Lively (die Stunden vorher ihren Rechtsstreit mit Co-Star Justin Baldoni beigelegt hatte), Zoë Kravitz, Hailey Bieber, Beyoncé, Rihanna, Gigi Hadid (deren Schwester Bella aus Protest fernblieb), Heidi Klum, Katy Perry, Madonna. Soweit die großen Stars.

Madonna (67) kam als dunkle Zauberin.
Und dann waren da noch die Adabeis, wie man in Bayern sagt. Sie versuchten dem Motto „Mode ist Kunst“ mithilfe eines Stylisten-Teams gerecht zu werden. Geld bedeutet aber nicht immer Stil: Das bewies Cristiano Ronaldos Verlobte Georgina Rodríguez in einem Pastell-Fummel. Unter den rund 400 geladenen Gästen waren auch jede Menge Influencer und Nepo-Babys, also die Sprösslinge berühmter Eltern: die Töchter von Medienmogul Rupert Murdoch, die Tochter von Nicole Kidman, die 14-jährige Tochter von Beyoncé oder auch Romeo Beckham. Alle in einem Alter, in dem sich andere kein Fahrrad leisten können, geschweige denn ein Eintrittsticket: 100.000 Dollar kostet eine Einzelkarte, ein Zehnertisch beginnt bei 350.000 US-Dollar. Aus dem Modezirkus wurde ein reiner Superreichen-Stammtisch, und das sorgt für Unmut.
Wird die Gala gecancelt?
Ein riesiger Aufreger war die hohe Dichte an Schwerstreichen: Meta-Boss Mark Zuckerberg, indische Milliardäre oder die Söhne von Investor George Soros nutzten die Gala als Eigen-PR-Show. Wenn man schon Privatjets und Yachten besitzt, ist ein Ticket für die Met Gala der letzte Luxus. Vorbei die Zeiten, als Fashion-Ikonen wie Sarah Jessica Parker wirkliche Trends setzten. Heute ersetzt Bling-Bling Trés Chic.
Dementsprechend ging das Netz steil:
„Die Met Gala, das ist nur ein Haufen abgewrackter Berühmtheiten und abgehobener Millionäre, die sich hip verkleiden, während sie 50.000 Dollar-Kleider tragen, die von Menschen gefertigt werden, die sich keine Rente leisten können“, schrieb ein Follower auf X.
Ein anderer: „In der Zwischenzeit schauen echte Amerikaner den Preisen beim Explodieren zu und haben reelle Probleme. Ich würde lieber Farbe beim Trocknen zusehen, als so zu tun, als seien diese Clowns relevant.“
„Es ist Zeit, diese 100.000-Dollar-Kostümparty in Rente zu schicken!“, fand ein User.
Und ein weiterer: „Das ist keine Gala. Es ist eine Geiselnahme, bei der guter Geschmack von Egomanen in Folie und Federn gefangen gehalten wird.“
Aber auch analog regte sich Zorn. Stunden vor der Gala schmuggelte die Anti-Elon-Musk-Aktivistengruppe „Everyone hates Elon“ hunderte Flaschen mit einer urin-ähnlichen Flüssigkeit ins Gebäude – eine Anspielung darauf, dass manche Amazon-Lieferanten gestanden, aus Zeitnot in Flaschen zu urinieren. Und Sicherheitskräfte mussten einen Mann überwältigen, der versuchte, über die Absperrungen zu klettern. Am Vorabend der Gala projizierten die Aktivisten Videointerviews mit Amazon-Beschäftigten auf das Empire State Building und das Chrysler Building – und sogar auf das Penthouse von Jeff Bezos in Manhattan.

Aktivisten sind nicht gut auf den Amazon-Boss zu sprechen.
Der erschien daraufhin nicht auf dem Teppich, wohl aus Angst vor lautstarken Protesten oder Attacken. Seine Frau Lauren Sánchez aber suchte das Blitzlicht und die Nähe zu echten Stars. Sie hat ja ohnehin nur noch einen Gesichtsausdruck: versteinert. Und den trug sie dann auch zu ihrem blauen Schiaparelli-Kleid mit XXL-Ausschnitt.
Dressed by Ozempic
Ist die berühmteste Mode-Gala des Globus nur noch eine Verkaufsshow? Für die Abnehmspritze ganz sicher. Früher protzte Kim Kardashian noch damit, wie wenig Nahrung sie vor dem Event zu sich nahm, um in die Marilyn-Monroe-Robe zu passen. Jetzt sind gefühlt alle dünn. Essen wirkt im Jahr 2026 wie etwas aus der letzten Saison, so ausgemergelt traten einige Stars vor die Kameras.

Nicole Kidman war schon immer schlank. Jetzt ist sie mager.
Neben hautengen Korsagen, die wie Rüstungen aussahen, waren es vor allem transparente Kleider wie das am Mager-Körper von Model Kate Moss, die zeigten: Diversity ist ein Auslaufmodell fürs Museum.

Diese Modell-Figuren kann man jetzt im Metropolitan Museum bewundern.
Apropos: Das Metropolitan Museum fügte zur Riege der Models jetzt neun neue Körpertypen hinzu, darunter Kleinwüchsige und Schwergewichtige.

IM Museum sah man verschiedene Körperformen. VOR dem Museum eigentlich nur eine.
Das klingt inklusiv, wirkt angesichts der schmalen Silhouetten auf den Stufen aber wie Hohn: Die zierliche Madonna geht in ihrer Robe fast unter, und Nicole Kidman sieht mittlerweile so knochig aus wie ihr eigenes Röntgenbild. Motto: Divers ist immer das, was die anderen sind.
Für Deutschland im Rennen: wieder mal nur Heidi
Und die Deutschen? Haben nicht nur keine großen Designer oder Models zu bieten, auch die Stargäste lassen sich an exakt einem Finger abzählen: Heidi Klum. Unser Export, eben noch in „Der Teufel trägt Prada 2“ zu sehen, ist die einzige Showgröße, die sich über Jahrzehnte international bewährt hat.

Heidi Klum bewies wieder einmal, dass sie über sich selbst lachen kann und kam als Statue.
Nicht nur ist Heidis Halloween-Hype sogar in Amerika Thema, sie sorgt einfach immer für Schlagzeilen. Zur Met Gala erschien die 52-Jährige als Statue – nicht sexy, aber cool. Schon morgen soll sie bei der Digitalmesse OMR in Hamburg auftreten. Es ist das, was nicht nur uns Deutschen aktuell fehlt, sondern mittlerweile der ganzen Met Gala: Spaß und Spielfreude. Denn Mode ist ein Milliardenbusiness, das nur funktioniert, wenn wirklich kreative Ideen entstehen. Wer wirklich den Ton angibt, gilt als Ikone. Wer nur zahlt, bleibt Sponsor.
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Melanie Grün
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