„Oppenheimer“: Ganz, ganz großes Kino
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- „Oppenheimer“ ist ganz großes (und mit 180 Minuten ziemlich langes) Kino.
- Der Film ist schon jetzt der große Oscar-Favorit.
- Wer nicht genau aufpasst, kann leicht den Faden verlieren.
„Jetzt bin ich der Tod geworden, der Zerstörer der Welten“, soll Robert Oppenheimer beim Test der ersten Atombombe gesagt haben – ein Zitat aus der „Bhagavad Gita“, das sich drei Wochen später für die Bewohner von Nagasaki und Hiroshima als bittere Realität entpuppen sollte.
Dabei war Oppenheimer, der Vater der Atombombe, alles andere als kriegslüstern und in späteren Jahren stets bestrebt, die Geister, die er einst gerufen hatte, möglichst unter Kontrolle zu halten. Aber es war gerade diese konträre Einstellung, die ihn auf einen Kollisionskurs mit einem Amerika schickte, das bereits einen neuen, wenn auch kalten Krieg führte, der noch mehrere Jahrzehnte andauern sollte.
Dass sich Oppenheimer im Laufe der Jahre so einige Feinde gemacht hatte, half genauso wenig, wie seine Arroganz, politische Naivität und sein durchaus verdienter Ruf als Frauenheld, so dass der Mann, der einst den Krieg gegen die Nazis aus der Ferne gewinnen wollte, sich plötzlich an der politischen Front und in der Defensive wiederfand.
Ein Star nach dem anderen
Regisseur Christopher Nolan („Tenet“, „Inception”) hat Oppenheimer mit dem gleichnamigen Film ein dreistündiges Denkmal gesetzt, das man schon jetzt als klaren Oscar-Favoriten auf die Tippzettel setzen kann – in so gut wie allen Kategorien. Angefangen mit Hauptdarsteller Cillian Murphy („Peaky Blinders“) bombardiert uns der Film mit einem ganzen Ensemble von hochkarätigen Schauspielern wie Robert Downey Jr., Emily Blunt, Florence Pugh und Kenneth Branagh – und garniert dies dann auch noch mit äußerst prominenten Nebenrollen wie Matt Damon, die manchmal so kurz sind, dass man die Stars in ihnen erst erkennt, wenn ihr Auftritt schon vorbei ist.

Auch Matt Damon hat eine Rolle in „Oppenheimer“.
Die Kamera führte der Niederländer Hoyte Van Hoytema und er führt uns in eine Welt, in der Champagnerglas, Zigaretten und Sympathien mit dem Kommunismus genauso zur Standardausstattung eines Wissenschaftlers gehören wie Kreide, Tafel und Zirkel. Und alle eigentlich nur ein Ziel haben: den Sieg gegen die Nazis, die sie ausnahmsweise nicht im eigenen Kollegium vermuten, sondern im fernen Deutschland.
Nach genau zwei Stunden knallt es
All dies füllte ungefähr zwei Drittel der 180-minütigen Spielzeit, wobei der Rest zwei verschiedenen Anhörungen nach dem Ende des zweiten Weltkriegs vorbehalten ist. Bei der einen geht es darum, ob man Oppenheimer seine Security Clearance entziehen soll, was faktisch auf ein Berufsverbot hinauslaufen würde, bei der zweiten Anhörung um die Bestätigung von Oppenheimers Kontrahenten Lewis Strauss (Robert Downey Jr.) als Handelsminister.
Beide sind durch den ganzen Film verteilt, übernehmen aber nach der Atombombenexplosion, also dem visuellen und emotionalen Höhepunkt des Films, die Erzählung komplett. Dies ist dahingehend etwas problematisch, weil man zu diesem Zeitpunkt schon ganze zwei Stunden im Kino gesessen hat, aber ein ebenso komplexer wie wichtiger Aspekt der Erzählung dann erst wirklich an Fahrt aufnimmt: ein politischer Thriller-Strang, dessen Wichtigkeit man nur zu schnell übersehen könnte.
Notfalls ein zweites Mal anschauen
Sollte dies passieren, muss man sich den Film halt ein zweites oder drittes Mal ansehen, was bei Nolans komplexen Werken wie „Tenet“ und „Inception“ ja sowieso notwendig war, um nachher behaupten zu können, man habe den Film schon beim ersten, einzigen Anschauen komplett verstanden.
Und das lohnt sich weitaus mehr als Zeit und Geld für Filme zu verschwenden, in denen irgendwelche Monster die Welt zerstören wollen. A propos Zerstörung: Das warf sich Oppenheimer in späteren Jahren auch vor, aber entschuldigte dies damit, dass er die Welt retten wollte. Und dies könnte ihm, Stand heute, sogar gelungen sein.
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Karsten Kastelan
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