US-Serien-Klassiker kommt ins Kino: Ryan Gosling als Colt (manche meinen auch Weichei ...) für alle Fälle
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„Ein Colt für alle Fälle“ war eine Kultserie der 80er. Jetzt wurden Teilaspekte von ihr fürs Kino adaptiert. Das Resultat ist ein cineastischer Bauchklatscher ins leere Schwimmbecken.
Wer sich noch an die alte TV-Serie „Ein Colt für alle Fälle“ erinnert, ist vor allem eines: sehr, sehr alt. Meistens weiß. Und ein Mann.
Genau, ein alter weißer Mann. Und dies wird einem umso mehr bewusst, wenn man sich den Titelsong der Serie anhört, in dem der Held damit angibt, mit den schönsten Frauen der 70er Jahre geschlafen zu haben. Farrah Fawcett, Bo Derek, Sally Fields. Inzwischen alles Urgroßmütter, aber damals Postergirls in den Zimmern von pubertierenden Teenagern, die sie mit großem Interesse beäugten. Dass er auch noch behauptet, er sei nie mit einer Frau unter „9“ (von „10“ auf der Macho-Skala) zusammen gewesen zu sein, kann als erschwerender Tatumstand gewertet werden.

Millionen Menschen liebten in den 80ern die Serie „Ein Colt für alle Fälle“, im US-Original „Fall Guy“ mit Douglas Barr, Lee Majors und Heather Thomas.,
Endlich was für alte weiße Männer?
Und nun wurde daraus ein Film. Teuer, hochbeworben und mit Ryan Gosling und Emily Blunt nicht gerade schlecht besetzt. Die „Story“: Colt Seavers, unerschütterlicher Stuntman und superharter Crash-Test-Dummy fällt einmal ein wenig härter als geplant. Jetzt parkt er Autos, wird aber wieder in den Job zurückgeholt, weil er einen potentiellen Kriminalfall lösen soll.
Hier haben wir auch schon die drei Überschneidungen zur Serie: Name des Protagonisten, sein Beruf als Stuntman und eine neue Aufgabe im Bereich des Detektivwesens – in der Serie war er Kopfgeldjäger.
Aber das war es auch schon. Der neue Colt ist nämlich ein Weichei, der mit Herz und Schmerz seiner großen Liebe hinterherhängt, die nun seine Regisseurin und Arbeitgeberin ist. Ja, er macht immer noch die gefährlichsten Stunts, aber sie sind so unbedeutend und von schlechter CGI umgeben, dass „unser Held“ uns mehr vorkommt, wie Wile E. Coyote in den Roadrunner-Cartoons. Ein niedliches und harmloses Stehaufmännchen.

Ryan Gosling und Emily Blunt bei der Europapremiere von Fall Guy im April in Berlin
Es soll angeblich lustig sein…
Aber seien wir nicht unfair, denn der Film soll ja eine Komödie sein. Und es gibt jede Menge an Pointen – bloß keine wahrnehmbaren Lacher. Statt sich über die 70er-, 80er- und 90er-Programmatik von Serien lustig zu machen und dies in eine Satire zu verwandeln – passierte bei „Jump Street“ und „Starsky & Hutch“, will sich „The Fall Guy“ unbedingt ernst nehmen. Oder lustig sein, aber ohne Selbstironie.
Die Darsteller Gosling und Blunt, nun wirklich nicht die unhübschesten Vertreter der menschlichen Spezies, haben keine Chemie miteinander und es wird noch nicht einmal klar, ob sie jemals mehr als gekuschelt haben. Der Krimiplot ist hochidiotisch. Und die im Abspann so sehr herausgestellten Stuntszenen sind mit Pixeln so alimentiert, wie jeder schlechte (oder sogar gute) Disneyfilm.

Simpel, aber spannend! Das Erfolgsgeheimnis der US-Erfolgsserie von damals knackt der Film nicht.
Geringe Fallhöhe, trotzdem enttäuschend
Und jetzt kommen wir zu einem Punkt, der ja durchaus spannend sein könnte. Es geht ja um Filme, das Hollywood-System und die Grabenkriege zwischen Produzenten, Regisseuren und Darstellen. Eine Fundgrube für Witze, die auch tatsächlich herausgeholt und probiert wurden, aber weder fruchten, noch einen hohlen Lacher hervorbringen können.
Es gibt im Leben eines Kritikers immer wieder Filme, bei denen man sagt, „Schlimmer geht’s nimmer“. Dummerweise wiederholt sich das jährlich – und mehrfach.
Aber „The Fall Guy“ ist hier ein Ausnahmefall, weil die Fallhöhe (Film basiert auf einer Serie; Erwartungshaltung dementsprechend gering), ja nicht gerade hoch war.
Dreimal „Fall“ in einem Satz. Der Aufschlag ist erwartbar und enttäuschend!
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Karsten Kastelan
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