Woke-Wende in der Filmschmiede?! Wie Disney das eigene Publikum vergrault hat
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Disney hatte 2023 ein ganz besonders schlechtes Kinojahr zu verkraften. Verantwortlich waren teure und sehr „woke“ Produktionen. Jetzt soll das Ruder bei Disney herumgerissen werden. Auf die Resultate müssen wir allerdings noch etwas warten ...
Am 3. April 2024, vor wenigen Tagen also, fand die jährliche Aktionärsversammlung der Walt Disney Company statt – im virtuellen Raum, aber mit einem Programm, das es in sich hatte. Grund dafür war eine Kampagne von Aktionär Nelson Peltz, der zwei Sitze im Vorstand für sich und einen ehemaligen Disney-Manager beanspruchen wollte.
„Warum brauche ich einen Marvel Film, der nur mit Frauen besetzt ist?“
Die in einem 130-seitigen Arbeitspapier aufgeführten Gründe waren größtenteils finanzieller Natur und zu kompliziert, um sie innerhalb weniger Sätze korrekt wiederzugeben – aber ein Interview, das Nelson Peltz im Vorfeld der Financial Times gab, deutete auf ein übergeordnetes Problem hin, das dem Kinopublikum nur zu bekannt ist: „Warum brauche ich einen Marvel [Film], der nur mit Frauen besetzt ist? Ich habe nichts gegen Frauen, aber warum muss das sein?“, empörte sich der 81-Jährige. „Warum nicht beides? Und warum eine komplett schwarze Besetzung?“

Aktionär Nelson Peltz zeigt sich wenig begeistert von der „woken“ Kinopolitik Disneys.
„Wokes“ Kino ist nicht notwendigerweise profitables Kino
Peltz bezog sich mit seiner Aussage auf „The Marvels“ aus dem Jahr 2023 und den zweiten Teil der „Black Panther“-Serie „Wakanda Forever“ von 2022, der weltweit zumindest noch knappe 800 Millionen Dollar einspielen konnte, legte aber den Finger in eine tiefe Wunde, für die man durchaus noch einige weitere Titel finden könnte: das Verzicht predigende Animationsepos „Strange World“ von 2022 (weltweit: 73,6 Millionen), den pro-feministischen „Indiana Jones und das Rad des Schicksals“ (384 Millionen) und „Ant-Man and the Wasp: Quantumania“ (476,1 Millionen). Alles Zahlen, die deutschen Produzenten die Freudentränen ins Gesicht treiben würden, allerdings die exorbitanten Produktions- und Vermarktungskosten der Filme bei weitem nicht einholen konnten.

Frauen im Mittelpunkt: „The Marvels“ (2023)
Vor allem langjährige Fans gaben sich enttäuscht, da die Titel und Disney selbst ja durchaus einmal für eine Qualität standen, die man dann schmerzlich vermisste – dafür aber Lippenbekenntnisse zu Umweltschutz, Männer-belächelnden Feminismus und nicht-binäre Charaktere vorgestellt bekam. Man musste das Gefühl haben, dass wirkliche Erzählfreude und originelle Ideen nach und nach durch das Abklappern politisch korrekter Kategorien ersetzt wurden.

In der Neuauflage des Zeichentrick-Klassikers „Arielle, die Meerjungfrau“ fiel Arielles Hautfarbe dem Zeitgeist zum Opfer. Der daraus resultierende Shitstorm war vorhersehbar.
Um es gleich vorweg zu sagen: Der jetzige Vorstand von Disney kam mit einem blauen Auge davon und Peltz bekam keinen seiner zwei Sitze, aber auch nur, weil der ehemalige Disney CEO Bob Iger im November 2022 zurückgekehrt war, einige weitreichende Änderungen auf den Weg gebracht hatte und Investoren im vergangenen September versicherte, den herrschenden Kulturkrieg leise und effektiv abzustellen. Dass er nebenbei die Preise an den Disneyland-Standorten in den USA kräftig erhöhte und einige Milliarden an Einsparungen vornahm, mag auch nicht geschadet haben.

Disney-CEO Bob Iger brachte einige weitreichende Änderungen auf den Weg.
Trotz Imageverlust: ein Fünkchen Hoffnung bleibt bestehen ...
Und was bedeutet das alles nun für die Zuschauer? Erst einmal leidlich wenig – schließlich waren die Weichen für die meisten großen Filme schon unwiederbringlich gestellt, bevor Iger ins „Haus der Maus“ zurückkehrte – und die bereits getätigten Investitionen so hoch, dass wir noch eine Weile mit dem leben müssen, was seine Vorgänger angerichtet haben – einschließlich einer komplett zwergenlosen „Schneewittchen“-Verfilmung, die uns aber erst im nächsten März bevorsteht.
Auch dürfte es nach dem entstandenen Imageverlust nicht leicht werden, Top-Filmemacher in eine Firma zu locken, die schon in den 90ern aufgrund ihrer rigiden Hierarchien von der Belegschaft als „Mauschwitz“ verspottet wurde – erst recht, nachdem sich Animations-Shows wie „South Park“ unverhohlen und auf köstliche Art und Weise über das Studio lustig machten.
Dass dennoch ein Fünkchen Hoffnung besteht, liegt am guten, alten Kapitalismus – niemand will im Filmgeschäft vorsätzlich Geld verlieren – und ein paar vergnügliche und dezidiert nicht „woke“ Produktionen wie „Deadpool“ und „Guardians of the Galaxy“ haben es bislang ja immer noch an den selbsternannten Sittenwächtern vorbeigeschafft. Sogenannte Diversitätsbeauftragte sind inzwischen gefeuert oder suchen insgeheim schon nach dem nächsten Job.
Jetzt gilt es nur noch, die Kreativen wieder zurückzubringen. Disney stand mal für gute Unterhaltung für alle Altersgruppen. Und wird es auch wieder. Man wünschte sich nur, sie würden ein wenig aufs Gas drücken – wir werden ja alle nicht jünger.
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Karsten Kastelan
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