Angst vor einer neuen Ölkrise – schon in den 70ern wurde der Rohstoff zur Waffe gegen den Westen
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Zum ersten Mal seit Beginn des Iran-Krieges sind die Spritpreise in Deutschland im Tagesvergleich wieder leicht gefallen. Trotzdem liegen die Preise weiterhin deutlich über dem Niveau vor Kriegsbeginn. Die kleine Entspannung scheint ohnehin fragil: Fast zeitgleich wird die Straße von Hormus im Iran-Krieg zum militärischen Brennpunkt – und der Ölpreis knackt die 100-Dollar-Marke.
Wie schnell sich die Lage weiter zuspitzen kann, zeigt ein aktueller Vorfall vor der irakischen Küste. Nahe der Hafenstadt Basra gerieten in der Nacht auf Donnerstag die Öltanker „Zefyros“ (unter maltesischer Flagge) und „Safesea Vishnu“ (Marshall-Inseln) in Flammen.
400.000 Liter Rohöl auf Öltankern verbrannt
Mindestens ein Mensch kam ums Leben, 38 Besatzungsmitglieder wurden laut irakischer Regierung gerettet. Die Schiffe sollen von kleinen iranischen Sprengstoffbooten getroffen worden sein. Laut der Schiff-Tracking-Website Tankertrackers könnten die Tanker zusammen bis zu 400.000 Barrel Rohöl geladen gehabt haben.

Ein Schiff der Marine der Vereinigten Arabischen Emirate patrouilliert am Donnerstag neben Frachtschiffen und Öltankern in der Straße von Hormus.
Und die Angriffe auf die Schifffahrt im Golf weiten sich aus. Die Straße von Hormus gilt inzwischen als nahezu blockiert – und damit entfällt eine der wichtigsten Energierouten der Welt. Durch die schmale Meerenge zwischen Iran und Oman werden rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und Gasaufkommens transportiert.
Straße von Hormus wird militärischer Brennpunkt
Am Mittwoch meldeten die USA, sie hätten mehr als ein Dutzend iranische Minenleger zerstört, um eine Blockade der Passage zu verhindern. Die Straße von Hormus wird damit zunehmend zum militärischen Brennpunkt.
Auch zivile Handelsschiffe geraten inzwischen in Gefahr. Ein Containerschiff der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd, das laut „Stern“ an den dänischen Konkurrenten Maersk verchartert ist, wurde am Donnerstag nahe der Straße von Hormus von Splittern einer Artilleriegranate getroffen, berichtet Bild. Das Schiff „Source Blessing“ sei nicht direkt getroffen worden, habe aber Feuer gefangen, teilte Hapag Lloyd mit. Teile des Maschinenraums standen demnach in Flammen – die Crew konnte das Feuer jedoch löschen und blieb unverletzt.

In der Nacht auf Donnerstag gerieten die Öltanker „Zefyros“ (unter maltesischer Flagge) und „Safesea Vishnu“ (Marshall-Inseln) in Brand. Sie sollen von kleinen iranischen Sprengstoffbooten getroffen worden sein.
Bereits am Mittwoch gab es brennende Frachter in der Straße von Hormus: Durch die schmale Meerenge zwischen Iran und Oman laufen rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels. Wird diese Route unsicher – und das ist aktuell definitiv der Fall –, reagiert der Markt sofort.
Börse fixiert auf Energiepreise
Der Preis für die Nordsee-Ölsorte Brent – die wichtigste internationale Referenz – schwankte zuletzt um 100 Dollar pro Barrel. Auch die Börsen reagieren nervös. Der deutsche Leitindex Dax startete laut dpa am Donnerstag schwächer in den Handel, weil Investoren vor allem auf die Entwicklung der Energiepreise schauen.
Politisch versuchen westliche Regierungen, die Märkte zu beruhigen. US-Präsident Donald Trump erklärte bei einer Rallye am Mittwoch mit Blick auf steigende Energiepreise, der Ölpreis werde sich bald regulieren: „Oil will be coming down.“

Der Ölpreis ging in den vergangenen Tagen duch die Decke – Tendenz weiter aufwärts.
Größte koordinierte Freigabe seit Ölkrise der 1970er-Jahre
Gleichzeitig gab Washington zusätzlich 172 Millionen Barrel aus der amerikanischen strategischen Ölreserve frei. Auch die Internationale Energieagentur (IEA) empfiehlt eine koordinierte Freigabe von insgesamt 400 Millionen Barrel aus Notfallreserven – die größte Aktion dieser Art seit den Ölkrisen der 1970er-Jahre. Auch Deutschland beteiligt sich, NIUS berichtete.
Damals drosselten arabische Förderländer nach dem Jom-Kippur-Krieg ihre Lieferungen an westliche Staaten, weil diese Israel unterstützten. Öl wurde erstmals gezielt als politisches Druckmittel eingesetzt – mit explodierenden Preisen und schweren wirtschaftlichen Folgen für den Westen. Es kam zu explodierenden Energiepreisen, Wirtschaftskrisen, in Deutschland wurden autofreie Sonntage eingeführt. Ein Schock, der die Energiepolitik des Westens bis heute prägt.

Verwaiste Autobahn bei Hamburg Anfang der 70er-Jahre: Am 25. November 1973 fand der erste „autofreie Sonntag“ in Deutschland statt. Eine Maßnahme, mit der man der Ölkrise begegnen wollte.
Teheran provoziert: „Bald 200 Dollar pro Barrel“
Auch deshalb ist die Angst vor weiteren massiven Preisschocks groß – und Teheran weiß genau, wie empfindlich der Westen auf steigende Energiepreise reagiert. Ein Sprecher des iranischen Militärkommandos nutzte diese Nervosität zu Beginn der Woche demonstrativ aus und warnte: „Get ready for oil to be $200 a barrel.“
Neben Öl könnte auch Gas knapp werden. Besonders betroffen ist der Markt für LNG, also verflüssigtes Erdgas, das mit Spezialtankern über die Weltmeere transportiert wird. Große LNG-Lieferungen aus Katar passieren ebenfalls die Straße von Hormus. Der katarische Energieminister Saad al‑Kaabi warnte zu Beginn der Woche 2026: „This will bring down economies of the world.“ Auf Deutsch: „Das wird die Volkswirtschaften zusammenbrechen lassen.“
Merz reist nach Norwegen – auch dort wird es um die Krise gehen

Der Airbus A321 für die Reise von Bundeskanzler Merz nach Norwegen am Donnerstag auf dem Militärischen Teil des Flughafens Berlin Brandenburg in Abflugposition. Merz legt in Wiesbaden einen Zwischenstopp ein und nimmt am Festakt zum 75. Bestehen des Bundeskriminalamtes (BKA) teil.
Die Angst vor einer neuen Ölkrise hat Europas Regierungen in Alarmbereitschaft versetzt. In vielen Hauptstädten laufen Beratungen über mögliche Engpässe bei Öl und Gas. Bundeskanzler Friedrich Merz reist am heutigen Donnerstag nach Norwegen, um dort unter anderem über die Energieversorgung und mögliche Folgen der Krise zu sprechen.
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