E-Auto-Kaufprämie: Eine Mogelpackung, die kein Problem löst – in China lacht man sich ins Fäustchen
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Teuer, sozial untauglich, wirkungslos: Die E-Auto-Prämie hilft weder einkommensschwachen Haushalten noch der Elektromobilität – profitieren wird vor allem die Industrie, zunehmend auch aus China. Dabei gäbe es durchaus Alternativen.
Nun ist es also amtlich: Eine neue Kaufprämie für reine E-Autos (BEV) und Hybride soll den Absatz dieser nach wie vor von der Mehrheit der Kunden verschmähten Fahrzeuge nachhaltig fördern. Dafür ist ein Gesamtbudget von 3 Milliarden Euro bis 2029 vorgesehen, also rund 750 Millionen Euro pro Jahr.
Besonders stolz ist die Koalition auf die „soziale Komponente“, denn die Förderhöhe ist nach Jahreseinkommen und Kinderzahl gestaffelt. Wenn das Familieneinkommen unter 45.000 Euro im Jahr liegt und dazu zwei Kinder im Haushalt leben, beträgt sie 6.000 Euro, bei unter 80.000 und keinem Kind immerhin noch 3.000 Euro. Das klingt sozial verantwortungsvoll, hat nur einen entscheidenden Haken, denn einkommensschwache Familien mit Kindern wohnen im Regelfall zur Miete. Folglich besitzen sie weder ein Haus noch eine Wallbox, geschweige denn eine Solaranlage. Vor allem aber haben sie kein Geld, sich ein nagelneues Auto zu kaufen, selbst wenn es statt 35.000 Euro nun nur noch 29.000 Euro kostet.

Ein Plug-in-Hybridfahrzeug lädt an einer Ladestation.
Wer profitiert von der Prämie?
Würden sie es dennoch irgendwie schaffen, ein Neufahrzeug zu finanzieren, müssten sie alsbald feststellen, dass der Strom an öffentlichen Ladesäulen mit durchschnittlich 60 Cent/kWh alles andere als preiswert ist. Selbst bei einem minimalen Verbrauch von 15 kWh/100 km bei einem Kompaktwagen, sind das knapp 10 Euro pro 100 gefahrene Kilometer, das schafft ein Mittelklasse-Diesel locker und mit erheblich größerer Reichweite.
Folglich ist das angeblich günstige Angebot in Wirklichkeit keines, denn E-Mobilität ist de facto ein Oberklassen-Phänomen. Nur 1,3 Prozent der Haushalte mit weniger als 2.600 Euro Monatseinkommen besitzen ein E-Auto oder einen Plug-in-Hybrid; bei Einkommen über 5.000 Euro sind es dagegen 13,4 Prozent. Wenn also die einkommensschwachen Familien aus den genannten Gründen kaum als Käufer in Frage kommen, stellt sich zwangsläufig die Frage: Wer profitiert dann von der Prämie?

In den sächsischen VW-Werken Zwickau und Dresden standen im Oktober die Bänder still. Grund ist die schwache Nachfrage nach E-Autos aus dem Hause Volkswagen.
Natürlich die Autoindustrie, die in vorauseilendem Gehorsam vor Staat und Zeitgeist zahlreiche Produktionslinien auf E-Mobilität umgestellt hat. Nach dem Auslaufen der alten marktfernen Förderung brachen dann die Absatzzahlen zunächst ein und auch aktuell produziert zum Beispiel VW mehr Elektroautos, als der Konzern verkaufen kann. Nicht nur VW, sondern auch andere deutsche Hersteller verschieben inzwischen ihre Abkehr vom Verbrenner und entwickeln wie BMW sogar teilweise neue. Nur ungefähr ein Fünftel der 2025 neu zugelassenen Autos in Deutschland waren E‑Autos, und von diesen wiederum knapp zwei Drittel Firmen- bzw. Flottenfahrzeuge.
Dazu kommen massive Schwierigkeiten auf den außereuropäischen Märkten. Wie Kritiker vorhergesagt haben, produziert China E-Autos deutlich billiger und effektiver als deutsche Hersteller, sodass der Absatz von Branchenprimus VW dort 2025 um 44 Prozent sank. Ähnliches geschah auch in den USA. Da absehbar ist, dass das einstige Flaggschiff der bundesdeutschen Wirtschaft, die Automobilindustrie, international an Boden verliert, soll nun wenigstens national gegengesteuert werden. Nur werden sich diese Hoffnungen kaum erfüllen, denn auch auf dem einheimischen Markt steigt der Absatz chinesischer Hersteller deutlich. So konnte BYD seinen Absatz 2025 vervierfachen, und das trotz enormer Zusatzzölle von 35 Prozent, die bei der Einfuhr in die EU erhoben werden. So verdankt VW seine (noch) führende Position in Europa einzig diesen protektionistischen Maßnahmen. Laut einer Studie sind chinesische Autos in Europa aktuell mehr als 100 Prozent teurer als in China.

BYD konnte seinen Absatz 2025 vervierfachen, und das trotz enormer Zusatzzölle von 35 Prozent, die bei der Einfuhr in die EU erhoben werden.
Was also wird passieren? Der chinesische Marktanteil an BEV in Deutschland dürfte weiter deutlich steigen, zumal sich der hohe Einfuhrzoll nicht auf Dauer aufrechterhalten lässt (dass China wirtschaftlich am längeren Hebel sitzt, steht außer Zweifel). Gemäß einem Positionspapier der EU sollen die derzeit fälligen Zusatzzölle von 35 Prozent durch zu vereinbarende Mindestpreise für chinesische Autos ersetzt werden. Das ist aus bundesdeutscher Sicht genial. Zuerst zwingt die EU die chinesischen Hersteller, ihre Autos in Europa teurer anzubieten als anderswo und damit mehr an jedem Auto zu verdienen, und dann wird in der Bundesrepublik Steuergeld eingesetzt, um per E-Auto-Kaufprämie diese Autos wieder billiger zu machen! Dagegen ist „Hans im Glück“ ein fähiger Geschäftsmann ...
„Sozial ausgewogene“ E-Auto-Prämie ist eine Mogelpackung
Letztlich ist die neue, „sozial ausgewogene“ E-Auto-Prämie eine Mogelpackung, da die angeblich bevorzugte Zielgruppe kaum erreicht wird und die grundsätzlichen Probleme der einheimischen Automobilindustrie (u. a. fünfmal höhere Arbeitskosten je Fahrzeug im Vergleich zu China) bestehen bleiben. Dabei gäbe es eine durchaus praktikable Möglichkeit, sowohl den Absatz von E-Autos zu fördern als auch die Kilometerkosten zu senken und die Nutzer finanziell zu entlasten. Würde man den Mehrwertsteuersatz für Ladestrom von 19 auf 7 Prozent senken, wären E-Autos schlagartig wirtschaftlich konkurrenzfähiger. Der Einnahmeverlust läge dabei überschlägig bei rund 480 Millionen Euro pro Jahr und damit deutlich unter den für die Kaufprämie vorgesehenen 750 Millionen Euro.
Das wird natürlich nicht passieren, denn von dieser Maßnahme würde ausnahmsweise der Bürger profitieren und nicht die Stromindustrie und der Staat (über die horrenden Abgaben für jede zusätzliche Kilowattstunde). Deshalb schröpft man lieber den Steuerzahler und lügt sich selbst in die Tasche ...
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