Italienischer Bahnbetreiber will den Markt in der Bundesrepublik aufmischen
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Der ehemalige Ferrari-Chef Luca di Montezemolo erklärt in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, welche Pläne er mit der Marke Italo in Deutschland hat – und worauf sich deutsche Kunden freuen können.
NIUS dokumentiert wichtige Aussagen:
Über den deutschen Markt
„Wir glauben, dass der deutsche Hochgeschwindigkeitsverkehr auf der Schiene um bis zu 40 Prozent wachsen kann – entsprechend dem, was der Wettbewerb in Italien bewirkt hat. Seit Italo 2012 in den italienischen Markt eingetreten ist, hat sich die Taktfrequenz auf den Hauptstrecken verdreifacht, und die Passagiernachfrage ist um mehr als 100 Prozent gestiegen. Zwei Milliarden Euro an Netzzugangsgebühren wurden an den öffentlichen Infrastrukturbetreiber gezahlt. Was nun deutsche Bahnreisende erwarten können: mehr Auswahl und eine intelligentere Preisgestaltung. Wir betreiben ein System, das die Tarife präzise und flexibel an die Nachfrage anpasst – so erhalten Fahrgäste Zugang zu attraktiven Preisen, während wir gleichzeitig unsere Kapazitäten effizient steuern können.“
Werden Bahntickets billiger?
„Ja. Seit unserem Start in Italien hat der Wettbewerb die Durchschnittspreise um 40 Prozent gesenkt. Wir erwarten eine ähnliche Dynamik in Deutschland. Unser Preismodell ist darauf ausgelegt, jeden Fahrgasttyp anzusprechen: diejenigen, die früh buchen und den bestmöglichen Tarif wollen, und diejenigen, die Flexibilität benötigen. Wir werden drei Klassen anbieten, so wie in Italien. An der Spitze steht ‚Club Executive‘ – eine Stufe über der traditionellen ersten Klasse, konzipiert für Geschäftsreisende und Urlaubsreisende, die einen ganz besonderen und komfortablen Service schätzen. Wir werden auch eine erste und eine zweite Klasse anbieten. Unsere zweite Klasse namens ‚smart‘ sieht nicht aus wie eine herkömmliche zweite Klasse und fühlt sich auch nicht so an. Wir haben viel Wert auf Details gelegt – die Innenausstattung unserer Züge wird fantastisch sein. Das habe ich in meinen Ferrari-Jahren gelernt. Jedes Detail wurde bewusst ausgewählt – die Farben, die Qualität des Leders, die Anordnung des Getränkehalters, der Ladestationen, der Handyhalterungen. Nichts wird dem Zufall überlassen. Das Design wird den italienischen Stil spiegeln.“
Wann es losgehen könnte
„Unser Plan ist, im April 2028 zu starten. Ein Vertrag mit Siemens über den Erwerb einer ersten Flotte von 30 Zügen für 3,6 Milliarden Euro einschließlich eines über 30 Jahre laufenden Wartungsvertrags steht zur Unterzeichnung bereit. In Italien betreiben wir Züge des französischen Herstellers Alstom. In Deutschland wollen wir mit Siemens zusammenarbeiten.“
Fragen und Antworten
Was ist Italo?
Italo ist ein privates italienisches Eisenbahnunternehmen, das von der Italo S.p.A. (ehemals NTV) betrieben wird. Gegründet im Jahr 2006, nahm das Unternehmen 2012 den Betrieb auf und war damit der weltweit erste private Anbieter im Hochgeschwindigkeitsverkehr. Italo steht in Italien im direkten Wettbewerb zur staatlichen Trenitalia und verbindet mit modernen Zügen die wichtigsten italienischen Metropolen. Seit 2023 ist das Unternehmen mehrheitlich im Besitz der Reederei MSC, was die internationalen Wachstumspläne weiter beschleunigt hat.
Was ist das Besondere am Angebot von Italo?
Das Besondere an Italo ist das moderne Servicekonzept, das den Wettbewerb auf der Schiene durch attraktive Preise und hohen Komfort belebt hat. Die Flotte besteht aus Hochgeschwindigkeitszügen, die Geschwindigkeiten von bis zu 300 km/h erreichen. Fahrgäste können zwischen vier Komfortklassen wählen, die von preiswerten Abteilen bis hin zur luxuriösen Club-Klasse mit Mahlzeiten am Platz reichen. Zudem bietet Italo flächendeckendes WLAN und ein dynamisches Preissystem an, das sich an der Auslastung orientiert – ein Modell, das in Italien zu deutlich gesunkenen Ticketpreisen im gesamten Markt geführt hat.
Ist Italo schon auf dem deutschen Markt aktiv?
Aktuell betreibt Italo noch keine eigenen Linien in Deutschland, der Markteintritt steht jedoch kurz bevor. Das Unternehmen hat offiziell angekündigt, ab April 2028 mit blauen Hochgeschwindigkeitszügen auf deutschen Schienen zu fahren. Geplant ist der Einsatz von etwa 30 Zügen des Typs Velaro (ähnlich dem ICE 3), die im Stundentakt wichtige Achsen wie München–Köln–Dortmund sowie im Zweistundentakt die Verbindung München–Berlin–Hamburg bedienen sollen. Damit will Italo das Monopol der Deutschen Bahn im Fernverkehr direkt angreifen.
Welche anderen Anbieter gibt es schon in Deutschland?
Der deutsche Fernverkehr wird weiterhin von der Deutschen Bahn dominiert, doch der Wettbewerb nimmt zu. Der derzeit einzige größere private Konkurrent im Liniennetz ist Flixtrain, der vor allem durch günstige Preise auf ausgewählten Fernstrecken punktet. Zudem ist die italienische Staatsbahn Trenitalia bereits auf dem Sprung und plant ab 2026 grenzüberschreitende Verbindungen wie München–Mailand mit dem „Frecciarossa“. Weitere internationale Anbieter wie die französische SNCF oder die ÖBB (mit dem Railjet und Nightjet) sind meist in Kooperation mit der DB oder auf spezifischen grenzüberschreitenden Routen vertreten.
In einer Umfrage hatte zuletzt jeder Dritte angegeben, aufgrund von Verspätungen die Deutsche Bahn zu meiden.
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