Lufthansa-Chef Carsten Spohr: „Die Welt hat sich leider zurückentwickelt“
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Zum 100. Geburtstag der Lufthansa hat ihr Chef Carsten Spohr der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein Interview gegeben. Hauptthemen: Die Folgen des Irankrieges, Klimaideologie und was Lufthansa zukünftig vorhat.
NIUS dokumentiert wichtige Aussagen:
Die Welt, wie sie Piloten sehen
„Als ich vor 20 Jahren als Pilot auf Langstrecken geflogen bin, waren die Lufträume nahezu auf der ganzen Welt offen. Heute müssen unsere Piloten mühsam Wege nach Südostasien finden. Es gibt nur noch zwei offene Korridore. Und wenn man die Flüge zwischen China und den USA zählt, sind es dort auch ohne Luftraumschließungen weniger als vor einigen Jahren. All das zeigt: Die Welt hat sich in Bezug auf die Vernetzung leider zurückentwickelt. Das bereitet mir Sorgen – weniger für die weiterwachsende Luftfahrt als vielmehr mit Blick auf den internationalen Austausch, der wichtiger denn je für eine friedliche Weise ist.“
Zukunftspläne der Lufthansa
„Mittelfristig wird die Kapazität der Fluggesellschaften vom Golf zurückkehren. Die dortigen Airlines werden mithilfe ihrer staatlichen Eigentümer alles versuchen, um verlorene Marktanteile zurückzugewinnen. Wir müssen daher insbesondere vor dem Hintergrund des jüngst veränderten Blicks auf die Region weiter darüber sprechen, wie wir die souveräne Anbindung unserer Länder aus eigener europäischer Hand stärken. Indien hat in unserem Netz China als zweitgrößten Langstreckenmarkt hinter den USA abgelöst. Südostasien bleibt herausfordernd. Dort mussten viele europäische und asiatische Carrier – auch wir – aufgrund von großzügigen Verkehrsrechten für die staatlichen Golf-Airlines viele Routen aufgeben. Vor 25 Jahren hatte Lufthansa mehr als ein Dutzend Ziele in Südostasien im Flugplan. Heute sind wir schon froh, dass wir aktuell von zwei – Bangkok und Singapur – auf drei aufstocken und Kuala Lumpur wieder ergänzen können.“
Über Klimaideologie
„Das Klima ist noch nie durch Ideologie geschützt worden, sondern stets durch Innovation und Technologie. Jede Milliarde, die wir in neue Flugzeuge investieren können, reduziert Emissionen deutlich stärker, als dieselbe Milliarde für staatliche Auflagen zu verwenden. Der in Summe effizienteste Weg zum Klimaschutz sind aktuell noch Verpflichtungen für synthetische Kraftstoffe, also E-Fuels. Unsere Flugzeuge tanken 1000 Tonnen Kerosin je Stunde. Relevante Mengen davon mit E-Fuels zu ersetzen, ist kurzfristig technisch nicht machbar, denn es gibt einfach noch nicht genug sauberen Strom.“
Fliegen als Erlebnis
„Das Klientel, das in den Fünfzigerjahren im Flugzeug saß, sitzt heute in der First- oder der Business-Class, einem weiterwachsenden Segment. Mit den bevorstehenden A350-Auslieferungen an Lufthansa und Swiss steigt der First-Class-Anteil in unserer Langstreckenflotte wieder. Parallel verbessern wir das Angebot in allen Klassen. Über die Jahrzehnte hat sich eine Demokratisierung des Fliegens vollzogen, die mehr Menschen denn je Zugang zu Flugreisen ermöglicht. Das darf aus gesellschaftlichen Gründen auf keinen Fall revidiert werden.“
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