US-Regierung schaltet modernste KI für Ausländer ab
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Das US-KI-Unternehmen Anthropic hat am Freitag den Zugriff auf seine neuesten KI-Modelle Fable 5 und Mythos 5 vollständig für Ausländer deaktiviert. Das Unternehmen folgte damit einer Exportkontroll-Anordnung des US-Handelsministeriums, die am selben Tag einging. Die Situation zeigt, dass neue KI-Modelle zwischenzeitlich so mächtig sind, dass sie ein Fall für die nationale Sicherheit sind.
Erst am 9. Juni hatte das Unternehmen Anthropic, dessen bekanntestes Produkt Claude ist, seine neuesten KI-Modelle Fable 5 und Mythos 5 veröffentlicht. Zuerst wurde das extrem leistungsfähige Modell über Wochen unter Verschluss gehalten, da es ungeahnte Möglichkeiten beim Auffinden aber auch Ausnutzen von IT-Sicherheitslücken hatte.
Nachdem die größten Bedenken ausgeräumt waren, veröffentlichte Anthropic nur eine Light-Version des neuen Modells (Fable 5) und die Vollversion nur für ausgewählte institutionelle Nutzer (Mythos 5). Kaum waren Vollversion und Lightversion veröffentlicht, grätschte nun die US-Regierung rein: Sie forderte am Freitag die Sperrung des Zugriffs für alle ausländischen Staatsangehörigen, unabhängig davon, ob sie sich in den USA oder im Ausland aufhalten, einschließlich ausländischer Anthropic-Mitarbeiter.
Anthropic kam dem unmittelbar nach und hat die Modelle für alle ausländischen Kunden gesperrt, um die Vorgaben der Regierung einzuhalten. Andere Modelle von Claude bleiben aktuell unverändert nutzbar. Anthropic kritisierte das Vorgehen der Regierung als nicht ausreichend transparent, erkannte aber grundsätzlich die Befugnis des Staates an, unsichere Einsätze zu blockieren.
Hintergrund zu Fable 5
Fable 5 ist ein sehr fortschrittliches agentenbasiertes KI-Modell. Es kann komplexe, langfristige Forschungs- und Entwicklungsprozesse autonom über längere Zeiträume hinweg durchführen, etwa in der Software-Entwicklung, Strategieplanung oder wissenschaftlichen Untersuchungen. Im Grunde kann man dem System ein Forschungsthema geben und dieses arbeitet daran so lange unter Einsatz seines gesammelten Wissens, bis es eine Lösung findet.

Fable 5 und Mythos 5 sind zwei KI-Modelle in der Modellfamilie Claude, die vom Unternehmen Anthropic herausgegeben wird.
Genau diese Fähigkeiten wecken nun Sicherheitsbedenken. Das Modell könnte in sensiblen Bereichen wie IT-Sicherheit, Biologie und Chemie, Waffenentwicklung, Cybersecurity und strategischen Planungen zu Ergebnissen führen, die als Bedrohung für die nationale Sicherheit gelten. Anthropic hatte bei der Veröffentlichung bereits ein Sicherheitsnetz implementiert, das Anfragen in kritischen Bereichen automatisch auf ein schwächeres Modell umleitet. Dennoch sah die US-Regierung nun am Freitag weiteren Handlungsbedarf.
Erste Bewährungsprobe für staatliche KI-Kontrolle
Das Eingreifen der US-Regierung stellt eine wichtige Wegmarke jenseits des konkreten Falls dar. Es könnte ein Wendepunkt im Verhältnis zwischen der Freiheit von KI-Entwicklern und staatlicher Aufsicht sein. Die bisherige Ära des ungebremsten, rein technikgetriebenen Fortschritts ohne Aufsicht könnte zum Ende kommen. Zumindest die weltweite Nutzung der US-Hochtechnologie in diesem Bereich.
Es scheint ein Punkt erreicht, an dem staatliche Kontrolle nun direkt in die Veröffentlichung und Nutzung leistungsstärkster Modelle eingreift. Wirtschaftliche Motive wie drohende Sanktionen oder entgehende Geschäfte spielen dabei sicher eine Rolle, doch das Entscheidende ist die grundsätzliche Signalwirkung. So wie sich die Entwicklung aktuell darstellt, kann sich KI nicht mehr allein nach technischen Möglichkeiten entwickeln.
Manche mögen dies als unzulässige Eingriffe des Staates in den Markt sehen, andere als ein notwendiges Sicherheitsnetz, um die Wirkmächtigkeit der KI-Modelle nicht unkontrolliert wachsen zu lassen.

Übersicht der aktuell führenden KI-Unternehmen in den USA
Bemerkenswert ist auch die schnelle und umfassende Reaktion von Anthropic. Innerhalb kürzester Zeit konnte das Unternehmen den Zugriff für alle Nicht-Amerikaner sperren. Das unterstreicht die fortgeschrittenen technischen Möglichkeiten moderner KI-Hersteller, ihre eigenen Systeme feingranular zu kontrollieren und zu begrenzen.
Reaktion der EU-Kommission
Die EU-Kommission reagiert auf den US-Entscheid mit der ihr eigenen Mischung aus Empörung und Realitätsverweigerung. Laut Medienberichten hat sie sich besorgt gezeigt, dass nun nicht-amerikanische Nutzer von den modernen Anthropic-Modellen ausgeschlossen werden. Man wolle den Vorgang prüfen.
Nahezu absurd ist diese Reaktion vor allem deshalb, weil es ausgerechnet die EU-Kommission ist, die sich seit Jahren für eine starke Regulierung der KI-Innovationen in Europa einsetzt. Mit der KI-Verordnung hat sie eine Regelung voller Grauzonen geschaffen, die zu erheblicher Rechtsunsicherheit bei KI-Entwicklern in der EU führt. Zusammen mit Brüsseler Lieblingsthemen wie DSGVO, Urheberrecht, Geschäftsgeheimnissen und Plattformregeln hat die Kommission ein KI-averses Habitat eingerichtet, in dem im Vergleich zu den USA und China deutlich weniger bahnbrechende Modelle und skalierbare Unternehmen entstehen.
Nun, da Europa durch nationale Interessen der USA sichtbar vom aktuellen Fortschritt ausgeschlossen wird, ist die Sorge der Bürokraten auf einmal groß. Die erste Antwort aus Brüssel ist nicht, die Partnerschaft mit den USA zu reparieren oder bessere Rahmenbedingungen für europäische KI-Unternehmen zu schaffen. Stattdessen will man die „technische Souveränität“ Europas stärken, wie Kommissionssprecher Thomas Regnier erklärte.
Was darunter zu verstehen ist, bleibt nebulös. Souveränität steigern kann hier kaum etwas anderes heißen, als das eigene KI-Süppchen zu kochen – gegen eine geballte Marktmacht von Unternehmen wie SpaceX, NVIDIA oder Google, deren Marktkapitalisierung höher ist als die Börsenwerte ganzer europäischer Staaten. Die einzigen nennenswerten europäischen Player wie Mistral sind im direkten Vergleich Zwergunternehmen.
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