Bildungsbericht 2026: Mehr Einwanderung, schwächere Mathe-Leistungen, weniger Sprachkurse
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Der Bildungsbericht 2026 zeichnet ein paradoxes Bild der deutschen Bildungslandschaft: Obwohl der jüngste Geburtenknick die Kitas allmählich leert, nimmt der Druck auf das System nicht ab. Im Gegenteil – die Herausforderungen durch wachsende soziale Ungleichheit, sinkende Grundkompetenzen und ungelöste Integrationsaufgaben verschärfen sich.
Eine treibende Kraft dieser Entwicklung ist der anhaltende demografische Wandel, der die Zusammensetzung in den Einrichtungen grundlegend verändert hat. Wie der Bericht zeigt, ist der Anteil der Bevölkerung mit Einwanderungsgeschichte von 17 Prozent im Jahr 2013 auf 26 Prozent im Jahr 2024 gestiegen. Besonders hoch ist dieser Anteil bei jungen Menschen: Unter den unter Sechsjährigen liegt er bei 26 Prozent, bei den Sechs- bis unter 25-Jährigen bei 30 Prozent.
Gleichzeitig zeigt der Bericht deutliche soziale Risiken. 2024 war in Deutschland jedes vierte Kind von mindestens einer Risikolage betroffen. Dazu zählen Armutsgefährdung, gering qualifizierte Eltern oder ein Haushalt ohne erwerbstätigen Elternteil. Besonders stark betroffen sind Kinder mit Einwanderungsgeschichte: 54 Prozent von ihnen wachsen mit mindestens einer solchen Risikolage auf. Bei Kindern ohne Einwanderungsgeschichte sind es 14 Prozent.

„Oftmals sind die Gründe Migrationshintergrund oder eben auch Armut“
Bundesbildungsministerin Karin Prien sieht die Ursachen für ungleichen Bildungserfolg vor allem im Elternhaus. „Oftmals sind die Gründe Migrationshintergrund oder eben auch Armut“, sagte die CDU-Politikerin im ARD-„Morgenmagazin“. Die Bildungsschere öffne sich sehr früh: „Was wir jetzt sehen ist, dass die Bildungsschere sich im Grunde auftut ab der Geburt, sich dann öffnet bis zum 6. Lebensjahr und dann auch nicht mehr kleiner wird.“
Prien will deshalb die frühe Bildung stärker in den Mittelpunkt rücken. Entscheidend sei, was Kinder zwischen null und drei Jahren im Elternhaus erfahren und anschließend in der Kita. „Kinder müssen die deutsche Sprache lernen in der Kita und müssen auch in ihren sonstigen Entwicklungsdefiziten besser unterstützt werden“, sagte die Ministerin.
Rückgang bei Sprachkursen
Doch ausgerechnet bei den Sprachkursen zeigt der Bericht eine problematische Entwicklung. Unter der Überschrift „Haushaltspolitische Entscheidungen schränken Gesamtprogramm Sprache und damit Integrationschancen Zugewanderter ein“ weist der Bildungsbericht sinkende Zahlen neuer Kursteilnehmer aus. Bei den Integrationskursen fiel die Zahl von 99.000 neuen Teilnehmern im ersten Quartal 2025 auf 66.000 im dritten Quartal. Bei den Berufssprachkursen sank sie zeitweise auf 22.000 neue Teilnehmer.

Auch an den Schulen verschärft sich die Lage. In Mathematik erreichen immer mehr Schüler nicht einmal den Mindeststandard. 2012 lag der Anteil der Neuntklässler, die mindestens den Mittleren Schulabschluss anstreben und den Mindeststandard in Mathematik verfehlen, bei 16 Prozent. 2018 waren es 15 Prozent, 2024 bereits 24 Prozent. Gleichzeitig sank der Anteil der Schüler, die den Optimalstandard erreichen, von fünf Prozent im Jahr 2012 auf drei Prozent im Jahr 2024.
Der Anteil der Schüler, die die Schule ohne Schulabschluss verlassen, sei gemessen an der gleichaltrigen Wohnbevölkerung im Bundesdurchschnitt auf 8 Prozent gestiegen, heißt es im Bericht.

Mitautor Kai Maaz vom Leibniz-Institut für Bildungsforschung warnt: „Zu viele junge Menschen erreichen grundlegende Kompetenzziele nicht.“ Das verweise auf „längerfristige strukturelle Probleme“ und damit auf eine zentrale Schwäche des Bildungssystems.
Der Bildungsbericht erscheint alle zwei Jahre und gilt als umfassende Bestandsaufnahme des deutschen Bildungssystems von der Kita bis zur Hochschule. Die aktuelle Ausgabe zeigt vor allem eines: Weniger Kinder bedeuten nicht automatisch weniger Probleme. Deutschland muss zugleich den Geburtenrückgang, steigende Integrationsanforderungen, schwächere Leistungen und soziale Ungleichheit bewältigen.
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