„Wir haben Grund Buße zu tun“ – CSU ganz bedröppelt, weil sie AfD-Politiker ausgezeichnet hat
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Im bayerischen Bezirk Oberfranken ist aus Sicht der Anhänger der „Brandmauer“ der Katastrophenfall eingetreten. Ein Buchhändler ist aufgrund der Stimmen der CSU mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet worden, unter anderem für sein Engagement gegen Antisemitismus. Nach empörten Medienberichten setzt nun das große Bereuen ein.
Michael Genniges ist ein früherer Buchhändler aus Scheßlitz bei Bamberg. Sein Facebook-Profil ziert ein großes Titelfoto, entstanden auf einer Armenien-Reise; es zeigt sein Motorrad mit Deutschlandfahne am Heck.
Seine Sympathie gilt nicht nur seinem eigenen Land. Auch „Slava Ukraini“ und „Am Israel Chai“ („Das Volk Israel lebt“) sind auf seinem Profil zu sehen. Bis 2021 war er lange Zeit Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) Bamberg, die sich für gute Beziehungen zwischen dem jüdischen und dem deutschen Staat einsetzt. Zugleich bewegt sich die DIG politisch überwiegend im Parteienmilieu links der „Brandmauer“, was dazu führte, dass Genniges mit seinem Eintritt in die AfD seinen Vorsitz verlor.

Michael Genniges reist gern mit seinem Motorrad durch die Fremde. (Quelle: Facebook)
Es nimmt daher wenig Wunder, dass die DIG nicht begeistert darüber war, als Genniges mit der Silbermedaille ausgezeichnet wurde. Jährlich werden in Oberfranken verdiente Persönlichkeiten für ihre Leistungen zum Wohle der Allgemeinheit ausgezeichnet, darunter Politiker oder Ehrenamtler. Am 28. Mai erhielt der Buchhändler nun die Ehrenmedaille.
Laut dem Bezirk werden damit Menschen geehrt, die Oberfranken „seit Jahren mit Haltung, Leidenschaft und außergewöhnlichem Engagement prägen“. Genniges sei „als Buchhändler, Veranstalter und Mitinitiator des Bamberger Literaturfestivals zu einem wichtigen Impulsgeber für Literatur, Dialog und gesellschaftlichen Zusammenhalt“ geworden. Da platzt einigen nun die Hutschnur.
„Brandmauerfetischisten“ empört
Zwar seien Ehrungen für verdiente Persönlichkeiten zu unterstützen, so der grüne Bezirksrat Wolfgang Grader. „Wer aber seine Zeit und Energie nun in eine Partei steckt, die offen unseren Rechtsstaat untergräbt, der disqualifiziert sich für eine solche Ehrung“, motzt er weiter. Aus der Deutsch-Israelischen Gesellschaft tönt es ähnlich parteiförmig. Dort kämpft man nun mit einem scheinbaren Widerspruch: Dass der AfD-Politiker auch für sein Engagement gegen Antisemitismus geehrt wurde, sei aufgrund seiner heutigen Parteizugehörigkeit „nicht nur widersprüchlich – es ist irreführend“, so die DIG.

Wolfgang Grader (Grüne) will nicht, dass Michael Genniges (AfD) für sein Engagement gegen Judenhass geehrt wird.
Genniges nimmt das alles gelassen. Er werde sich weiterhin für deutsch-israelische Beziehungen einsetzen, so wie er es immer getan habe. „Ich jedenfalls finde es gut, dass in dieser Frage die Brandmauer letztlich nicht zum Tragen kam. Die Aufregung der Brandmauerfetischisten gehört ja vielleicht in die Zeit des letzten Aufbäumens, bevor diese Mauer einfällt“, sagte Michael Genniges der Süddeutschen Zeitung.
Auch der Preisverleiher lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. „Dem Bezirk Oberfranken waren und sind keine Tatsachen bekannt, die einer Verleihung der Ehrenmedaille an Herrn Genniges formal entgegenstanden oder entgegenstehen würden.“
CSU wirft sich Bußgewand um
Nur die ansässige CSU Oberfranken scheint inzwischen ins Bußgewand geschlüpft zu sein. „Wir haben Grund, Buße zu tun“, säuselt ganz bedröppelt ihr Vorsitzender Christian Meißner im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk. „Erst nach zahlreichen Presseberichten in den jüngsten Tagen hatten sich die Bezirksräte den geehrten Michael Genniges genauer angeschaut“, liest man dort weiter.
Doch diese Darstellung erscheint wenig glaubwürdig. Denn freilich war denjenigen CSUlern, die seinerzeit für den Buchhändler gestimmt hatten, bewusst, welcher Partei er angehörte. Die AfD hatte ihn ja selbst vorgeschlagen, wie NIUS sich bestätigen ließ. Zudem hat das nachträgliche „genauere Anschauen“ der Bezirksräte offenbar keine neuen Erkenntnisse erbracht. Was sollen sie auch finden? Seine Facebook-Seite ist vollkommen unauffällig.
Der Grund dafür, dass die CSU nun so bedröppelt wirkt, liegt offenbar darin, dass sie dem Druck der Medien nachgibt. Den „Brandmauerfetischisten“, wie Genniges sagen würde.
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