Selbstlob, Patriotismus und jede Menge Emotionen: Donald Trump liefert Spektakel zur Lage der Nation ab
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Claudio CasulaDonald Trump hat in seiner Rede zur Lage der Nation Erfolge hervorgehoben, aber darauf verzichtet, den politischen Gegner zu harsch zu attackieren. Was machte der Präsident zum Thema, was nicht? Lesen Sie hier, warum Trump mit seiner Rede so manchen überrascht haben dürfte.
Diese Rede zur Lage der Nation war lang. Sehr lang. Die längste seit Bill Clintons 90-Minuten-Rede im Jahr 2000. Sie dauerte 107 Minuten (Rekord). Und sie dürfte manche Trump-Gegner überrascht haben: Der Präsident schweifte nicht – wie sonst üblich – ab, wirkte aufgeräumt und war selbst bei Attacken auf den politischen Gegner keineswegs aggressiv.

US-Präsident Donald Trump versprach eine glänzende Zukunft.
Donald Trump trat für seine Verhältnisse präsidial auf – aber auch als der große Kommunikator und Motivator, der weiß, wie man sein Publikum einfängt. Dass ihm aus dem Ruder gelaufene ICE-Einsätze eine schlechte Presse bescherten, der Oberste Gerichtshof ihm in die Zollpolitik funkte und die Umfragen ziemlich schlecht sind, war ihm nicht anzumerken. Trump wirkte aufgeräumt, fand die richtigen Worte für vom Schicksal gebeutelte Menschen und ehrte andere für besondere Verdienste.

Das Eishockey-Team der USA, das bei den Olympischen Spielen Gold holte.
Geschichten, die alle Anwesenden berührten
Natürlich, wie in Amerika üblich, mit reichlich Patriotismus und Pathos. Menschen, einige davon auf der Besuchertribüne, werden von ihm direkt angesprochen, und seine warmen Worte wirkten nicht gekünstelt. Trump lobte Opferbereitschaft und Patriotismus – von der Eishockey-Nationalmannschaft, die in einem großen Finale gegen Kanada Olympiagold erkämpfte und mit „U-S-A! U-S-A!“ Rufen gefeiert wurde, über einen Nationalgardisten, der wie durch ein Wunder einen Kopfschuss durch einen Attentäter überlebte, bis zu einem hundertjährigen Kriegsveteranen, den er unter tosendem Applaus würdigte.

First Lady Melania Trump überreicht dem Marinepiloten Royce Williams aus dem Zweiten Weltkrieg die Ehrenmedaille des Kongresses.
Der Präsident erinnerte auch an Opfer wie eine getötete Beamtin und die von einem irren, vorbestraften Migranten im Zug spontan ermordete junge Ukrainerin Iryna Zarutska. Ihre Mutter Anya war eingeladen, und Trump versprach ihr, dass der Gerechtigkeit Genüge getan werde und künftig solche Leute wie der Täter nicht mehr frei herumlaufen dürften.
Auffällig war, dass Trump es vermied, die Außenpolitik in den Vordergrund zu stellen – Wahlen werden im Inland gewonnen, und die Midterms, bei denen der Kongress neu gewählt wird, finden im November statt. Donald Trump widmete also den Großteil seiner Rede der Innenpolitik, achtete darauf, den Supreme Court nicht direkt zu attackieren, und nannte das Zoll-Urteil nur „unglücklich“ und „bedauerlich“.

Der Chief Warrant Officer der US-Armee Eric Slover, der bei der Militäroperation zur Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro verwundet wurde, erhält die Ehrenmedaille.
Der Präsident preist seine Erfolge
Mit Lob für die eigene Politik sparte Trump, wie erwartet, nicht. Tatsächlich waren etwa die Eindämmung der illegalen Migration und die Unterbindung des Fentanyl-Schmuggels erfolgreich. Auch die Rekordbeschäftigung ist real. Trump trug selbstredend gewohnt dick auf, er feierte die „One Big Beautiful Bill“, die seiner Aussage nach die größten Steuersenkungen in der Geschichte der USA enthalte, darunter niedrigere Steuern auf Trinkgelder, Überstunden und Sozialversicherungsleistungen. Das Selbstlob war mitunter durchaus berechtigt, wenn auch zuweilen übertrieben.
Die Wirtschaft brumme, die Inflation sinke. Trump pries den Aktienmarkt als „Allzeithoch“. Alles in allem: „Wir haben eine Transformation erreicht, wie man sie noch nie zuvor gesehen hat. Eine Wende für die Ewigkeit.“
Punkten könnte Trump mit der Forderung nach der Schaffung eines staatlich unterstützten 401(k)-ähnlichen Plans für US-Arbeitnehmer, die von ihrem Arbeitgeber keine Altersvorsorge erhalten: „Meine Regierung wird diesen oft vergessenen amerikanischen Arbeitnehmern, großartigen Menschen, den Menschen, die unser Land aufgebaut haben, Zugang zu derselben Art von Altersvorsorgeplan verschaffen, der allen Bundesangestellten angeboten wird“, sagte Trump. „Wir werden ihre Beiträge mit bis zu 1.000 Dollar pro Jahr aufstocken.“ Der Plan werde „sicherstellen, dass alle Amerikaner von einem steigenden Aktienmarkt profitieren können“.
Außerdem sollen Technologieunternehmen, die Rechenzentren betreiben, für den enormen Stromverbrauch dieser Projekte selbst zahlen respektive eigene Kraftwerke unterhalten. Das dürfte ein mehrheitsfähiger Plan sein. Ebenso das Vorhaben, den großangelegten Sozialbetrug zu bekämpfen, um das Haushaltsdefizit zu senken. Vizepräsident JD Vance wird damit beauftragt, die Betrugsermittlungen zu leiten. Trump meinte, die Demokraten sollten sich schämen, zugelassen zu haben, dass Somalier in Minnesota den Steuerzahler um 19 Milliarden Dollar prellen konnten, was die berüchtigten Demokratinnen Ilhan Omar, selbst somalischer Abstammung, und Rashida Tlaib in Rage brachte.

Ilhan Omar (mit Kopftuch) rastet aus.
Die Demokraten-Schelte fiel verhältnismäßig milde aus
Trump kündigte auch an, gegen Manipulation bei Wahlen durch Briefwahlstimmen vorzugehen. Briefwahl soll nur noch bei Krankheit, Behinderung, Militärdienst oder Reisen möglich sein. Die Zustimmung dafür liege bei 89 Prozent, dürfte also auch Wähler der Demokraten einschließen, die ansonsten von Trump zwar mehrmals angegriffen, aber nicht unflätig beschimpft wurden.
So macht Trump die Demokraten unter anderem für die hohen Lebenshaltungskosten verantwortlich sowie für die von ihnen nicht gestoppte illegale Einwanderung. Er kritisierte sie dafür, populäre Maßnahmen wie Steuersenkungen und Wählerausweispflichten abzulehnen und unpopuläre Maßnahmen wie geschlechtsangleichende Eingriffe bei Minderjährigen ohne Zustimmung der Eltern zu unterstützen. Für Letzteres nannte er sie wörtlich „verrückt“, aber das war schon das härteste Wort, das der Präsident gestern Abend wählte.
Ansonsten gab es für einige Statements, die 99 Prozent der Amerikaner unterschreiben würden, Applaus von Demokraten, die ansonsten vor allem in Person von Rashida Tlaib und Ilhan Omar mehrmals dazwischenpöbelten, ihm unter anderem vorwarfen, er habe „Amerikaner getötet“, womit die bekannten zwei Vorfälle bei ICE-Einsätzen gemeint waren.
Die Weltpolitik kam diesmal kurz
Die Außenpolitik kam in Trumps Ausführungen überraschend kurz. Das aktuell wichtigste Thema sprach er aber an: den Iran. Er bevorzuge eine diplomatische Lösung, werde aber nicht zulassen, dass das Mullah-Regime, weltweit größter Förderer des Terrors, Atomwaffen in die Hände bekommt („Das können wir nicht riskieren“) und das eigene Volk zu Zehntausenden abschlachtet.
Ansonsten wiederholte Trump seine schon öfter gehörte Behauptung, er habe acht Kriege beendet und arbeite an der Beendigung des neunten (Ukraine-Russland), der, wäre er 2022 Präsident gewesen, nicht ausgebrochen wäre. Allerdings ist noch nicht jeder der Konflikte definitiv beigelegt, siehe das Problem Iran und den Gazastreifen, wo sich die Hamas nicht entwaffnen lassen will. Bemerkenswert: Das von ihm ins Leben gerufene „Board of Peace“ (der Friedensrat), das sich vor allem den Wiederaufbau und die – auch politische – Neugestaltung Gazas vorgenommen hat, erwähnte Donald Trump gar nicht.

Fand erstaunlicherweise keine Erwähnung: der von Trump gegründete Friedensrat.
Positiv hob Trump den Erfolg der Intervention in Venezuela hervor. Man pflege nach dem Sturz Maduros nun gute Beziehungen. Als Gast im Publikum saß Alejandra González, die Trump während seiner Rede vorstellte und überraschte, indem er ihren Onkel Enrique Márquez (einen kürzlich freigelassenen venezolanischen Oppositionspolitiker und ehemaligen politischen Gefangenen unter dem Maduro-Regime) in den Saal bringen ließ. Die beiden umarmten sich vor dem versammelten Kongress, begleitet vom Applaus sowohl der Republikaner als auch der Demokraten. Von Letzteren fehlten allerdings viele, etwa 70 Stühle blieben leer.
Trump verspricht ein „goldenes Zeitalter“
Es sind solche emotionalen Momente, die Trump immer wieder erfolgreich schafft, um selbst den politischen Gegner „mitzunehmen“. Wie gegen Ende seiner Rede, als er Amerikas Errungenschaften pries, den Aufstieg zur stärksten, reichsten, mächtigsten und erfolgreichsten Nation der Geschichte. Trump erinnerte an die Besiedlung des Wilden Westens und an die „Befreiung von Millionen Menschen aus den Fesseln des Faschismus, Kommunismus, der Unterdrückung und des Terrors“.
Der Präsident hob die technologischen und kulturellen Erfolge der USA hervor – „und jetzt sind wir Vorreiter der nächsten großen amerikanischen Durchbrüche, die die ganze Welt verändern werden.“ Er versprach ein „goldenes Zeitalter“, das an die Errungenschaften der 250-jährigen Vergangenheit anknüpfen werde: „Und unsere Zukunft wird größer, besser, strahlender, mutiger und glorreicher sein als je zuvor.“
Mit seinen Worten dürfte Trump den meisten Amerikanern aus dem Herzen gesprochen haben. Ob das reicht, um bis zu den Zwischenwahlen im Herbst genügend Boden wieder gutzumachen, steht auf einem anderen Blatt.

Donald Trump kann auch staatsmännisch.
Im Faktencheck: Wahres, Übertriebenes und nicht Nachprüfbares
Trump nicht wohlgesinnte „Faktenchecker“, wie etwa bei CNN, machten sich sogleich daran, die Aussagen des US-Präsidenten auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Teilweise mussten sie ihm recht geben. „Heute arbeiten mehr Menschen als jemals zuvor in der Geschichte unseres Landes“, hatte Trump gesagt. Und tatsächlich waren im Januar 2026 mit 158,6 Millionen US-Beschäftigten mehr Menschen als je zuvor in Arbeit. Auch konzedierten die „Faktenchecker“, dass die Inflation sinke.
Andere Aussagen stuften sie als „übertrieben“ ein, siehe Trumps Behauptung, er habe acht Kriege „beendet“. Auch seien es nicht „die größten Steuersenkungen in der Geschichte der Vereinigten Staaten“, die die Trump-Regierung vorgenommen habe, sondern nur eine der größten. Und die illegale Migration in die USA sei zwar drastisch unterbunden, aber nicht „auf null“ gebracht worden.
Sei’s drum. Donald Trump hat eine bemerkenswerte Rede ohne Schnitzer, Ausfälle und Peinlichkeiten abgeliefert, den politischen Gegner maßvoll attackiert und insgesamt das Positive und Inspirierende in den Mittelpunkt gestellt, hat Menschen gewürdigt, zu denen man aufschauen kann und denen es nachzueifern gilt. Und während Deutschland einen Bundeskanzler hat, der selbst zu „Höchstleistungen“ antreiben will, es aber an jeder Motivationsfähigkeit missen lässt, wirkte Trumps Beschwörung einer strahlenden Zukunft geradezu authentisch. Geschadet hat sich Donald Trump mit dieser Rede zur Lage der Nation gewiss nicht.
Lesen Sie dazu auch: Diese Punkte machen deutlich, warum auch Trump Kritik verdient
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