„Es gibt gar keine Ausländer im Osten“ – Diese Zahlen widerlegen den Mythos
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Über den Osten heißt es gerne: Die Menschen dort sind fremdenfeindlich, weil sie kaum Ausländer kennen. So begründen Medien häufig die hohen Wahlergebnisse in Ostdeutschland für migrationskritische Parteien wie die AfD und das BSW.
Die Annahme dahinter lautet: Weil die Ostdeutschen nicht in Kontakt mit Menschen aus fremden Kulturen kämen, würden sie die Segnungen der Multikulti-Gesellschaft nicht erkennen – und an ihren Vorurteilen festhalten. Die Kritik an der deutschen Migrationspolitik, die im Osten besonders laut geäußert wird, kann so auf vermeintliche Ressentiments reduziert werden.
Ein Paradebeispiel für diese – meist von Journalisten aus dem Westen geäußerte – These lieferte der Zeit-Autor Mark Schieritz am Tag der Brandenburg-Wahl, bei der die AfD rund 29 und das BSW immerhin 13,5 Prozent erlangte. Schieritz schrieb auf X: „In einigen Landkreisen Brandenburgs ist die Wahrscheinlichkeit, einen Wolf zu treffen, wahrscheinlich höher als die Wahrscheinlichkeit, einen Flüchtling zu treffen.“ Am Dienstag legte er nach: „Schon bizarr, dass die Leute auf dem Land eine Partei wählen, die sie vor echten und vermeintlichen Problemen in den Städten schützt, in die sie nie gehen.“
Doch ein genauer Blick auf die Daten zeigt, dass sich die Lage im Osten sehr viel komplexer darstellt, als die herablassenden Kommentare von Schieritz und vielen anderen Journalisten vermuten lassen.
Laut Angaben des Statistischen Bundesamts ist der Anteil der Ausländer (also Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit) an der Gesamtbevölkerung zwar im Osten deutlich geringer als im Westen, wie aus dieser Grafik hervorgeht:

Quelle: destatis
Während der Ausländeranteil in den meisten Regionen Ostdeutschlands (außer in Berlin) bei unter 8 Prozent liegt, kommen manche Gebiete im Westen, etwa die Ballungsräume um Frankfurt, Stuttgart und im Ruhrgebiet, auf bis zu 30 Prozent Ausländer.
Gleichzeitig aber verändert sich die Lage, wenn man nur die Ausländer betrachtet, die sich weniger als zwei Jahre in Deutschland aufhalten. Ihr Anteil an der gesamten ausländischen Bevölkerung ist im Osten um ein Vielfaches höher. So sind beispielsweise in den ostdeutschen Landkreisen Harz in Sachsen-Anhalt oder Oder-Spree in Brandenburg über 50 Prozent der dort lebenden Ausländer erst in den letzten zwei Jahren nach Deutschland gekommen, wie diese Karte zeigt:

Quelle: destatis
Das Statistische Bundesamt schreibt über diese hohen Werte im Osten: „Hier sind vor allem Schutzsuchende, die auf die einzelnen Kreise verteilt werden und sich somit erst seit kurzem in Deutschland aufhalten, verhältnismäßig stärker vertreten als in Gebieten, in denen zuvor schon viele Ausländerinnen und Ausländer gelebt haben.“
Das bedeutet: Auch wenn der Anteil an Ausländern geringer ist als im Westen, so ist die Migration im Osten geprägt von Migranten, die erst seit kurzem im Land sind.
Dass dies zu gesellschaftlichen Verwerfungen führt, liegt auf der Hand: Innerhalb von kurzer Zeit muss eine Region, die keine Tradition der Einwanderung hat, eine große Anzahl von Migranten aufnehmen, die neu ins Land kommen und weder mit der Sprache noch mit den kulturellen Gepflogenheiten vertraut sind.
Woher kommen die Ausländer?
Vor welche Schwierigkeiten Ostdeutschland dabei gestellt wird, das zeigen weitere Zahlen. So stammen die Ausländer im Osten in vielen Kreisen zu 70 bis 80 Prozent aus Nicht-EU-Staaten:

Quelle: destatis
Im Süden und Westen hingegen stammen die Ausländer prozentual gesehen häufiger aus EU-Staaten:

Quelle: destatis
Dies ist bei der Integration ein Vorteil, da sich Migranten leichter eingliedern lassen, wenn sie mit den Werten christlich geprägter und liberaler Demokratien vertraut sind. Auch hier steht der Osten also vor einer Herausforderung.
Mehr Ausreisepflichtige im Osten
Hinzu kommen die Schwierigkeiten, die durch das deutsche Asylsystem entstehen. Blickt man auf all jene Ausländer, die als Flüchtlinge, Asylbewerber oder Asylberechtigte in Deutschland leben, zeigt sich zunächst ein ähnliches Bild wie bei den Ausländern insgesamt: Der Anteil dieser sogenannten Schutzsuchenden an der gesamten Bevölkerung ist im Osten niedriger als im Westen.

Quelle: destatis
Betrachtet man jedoch den Status dieser Personen, so fällt auf: Im Osten leben prozentual gesehen viel mehr abgelehnte Asylbewerber.

Quelle: destatis
Teils 10 oder 15 Prozent der Schutzsuchenden in einem Landkreis sind eigentlich ausreisepflichtig oder dürfen sich nur noch dank einer Duldung im Land aufhalten. Es handelt sich also um Menschen, deren Zukunft offensichtlich nicht in Deutschland liegt, die zudem laut den Behörden keinen Anspruch auf Schutz haben. Dass dies Kritik bei der einheimischen Bevölkerung auslöst, ist nicht verwunderlich und hat wenig mit Vorurteilen und dafür viel mit dem Wunsch nach einem funktionierenden Rechtsstaat zu tun.
Hoch ist im Osten ebenfalls der Anteil derjenigen an der ausländischen Bevölkerung, die über eine „Aufenthaltsgestattung“ verfügen, die also darauf warten, dass über ihren Asylantrag entschieden wird. Auch in diesen Fällen ist die Integration aufgrund der unklaren Perspektive für die Flüchtlinge selbst, aber etwa auch für potenzielle Arbeitgeber schwieriger.

Quelle: destatis
Urteil statt Vorurteil
Ostdeutschland hat also zwar insgesamt einen deutlich geringeren Anteil an Migration als der Rest des Landes zu verzeichnen. Die Rahmenbedingungen der Migration sind im Osten jedoch teils komplizierter: Es gibt einen höheren Prozentsatz an Personen, die erst seit kurzem im Land sind, zudem prozentual gesehen mehr Geduldete und Ausreisepflichtige sowie Ausländer aus Nicht-EU-Staaten.
Was das konkret bedeutet, zeigt sich derzeit etwa im 600-Einwohner-Ort Petersdorf: Dort entsteht ein Containerdorf für 500 Flüchtlinge. Die Bevölkerung des Dorfes wird sich also auf einen Schlag nahezu verdoppeln. Die Infrastruktur vor Ort ist darauf nicht vorbereitet. Und auch das soziale und kulturelle Gleichgewicht werden durch solch eine Massenunterkunft gestört.
Was von Medien als fremdenfeindliches Vorurteil dargestellt wird, ist also eher ein Urteil: Die Wähler im Osten wissen oft besser als so manche Westdeutsche, was unkontrollierte Migration bedeutet – und machen gerade deshalb ihr Kreuzchen bei migrationskritischen Parteien.
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Pauline Voss
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