Deutsche Autobauer in Nöten: Die Krise vertieft sich
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Das erste Halbjahr war für die Autohersteller eine große Enttäuschung. Die Konjunkturumfrage des Ifo-Instituts offenbart, dass die Unternehmen für die kommenden Monate keine Besserung erwarten.
Über die gesamte Produktpalette und alle Marken hinweg hat Volkswagen, Deutschlands größter Automobilhersteller, in letzter Zeit weniger Fahrzeuge abgesetzt, berichtet die Neue Zürcher Zeitung. Der Gewinn fiel im vergangenen Quartal dementsprechend stark um 4,2 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro. Volkswagen greift deshalb nun zu drastischen Mitteln: Die Produktion vor allem in seinen deutschen Werken soll stark gedrosselt werden.
Enttäuschende Absatzzahlen für Elektroautos
„Wir haben Maßnahmen ergriffen, um die Kapazitäten in Deutschland um 25 Prozent zu reduzieren“, sagte der Konzernchef Oliver Blume im Gespräch mit der Zeitschrift Auto Motor und Sport. Vor allem die Standorte in Ingolstadt, Emden und Zwickau seien von diesem Schritt betroffen. Konkret plant der Automobilhersteller, die teuren Nachtschichten in den Werken zusammenzukürzen. Denn auf den Wolfsburgern lastet ein starker Kostendruck: Dem hohen Umsatz von 83 Milliarden Euro stand jüngst ein geringer Gewinn gegenüber, wie die Quartalszahlen zeigen.
Klar ist: Das Geschäftsmodell des deutschen Konzerns ist ins Wanken geraten. Jahrelang hat VW vor allem auf den Ausbau seiner Elektroauto-Sparte gesetzt. Die Absatzzahlen blieben hier aber weit hinter den hohen Erwartungen der Konzernführung zurück.
Das gilt für andere Automobilkonzerne auch. Besonders gravierend ist die Lage bei den Elektroautos, die sich grundsätzlich schlecht verkaufen. Insgesamt gingen die Neuzulassungen für E-Autos in Deutschland seit Januar um 20 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2023 zurück. Tesla verzeichnet sogar ein Minus von 41 Prozent. Insgesamt wurden in Deutschland seit Jahresbeginn 2,4 Millionen Pkw hergestellt, das ist ein Minus von vier Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2023. Und gegenüber 2019 ging die Autoproduktion sogar um 15 Prozent zurück. Überall wird die Produktion gedrosselt, sogar im Luxus-Segment. Mercedes-Benz kündigte an, die Fertigung der S-Klasse im Werk Sindelfingen im vierten Quartal 2024 vom Zweischicht-Betrieb auf einen Einschicht-Betrieb zu reduzieren.

Auch beim Firmensitz von BMW in München herrschen Sorgen.
Zu wenig Nachfrage aus China
Auch der erfolgsverwöhnte Autobauer BMW hat jüngst weniger verdient als erwartet. Der Konzernumsatz sank im zweiten Quartal zwar nur leicht um 0,7 Prozent auf 36,9 Milliarden Euro. Das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern fiel mit 3,8 Milliarden Euro aber fast um elf Prozent niedriger aus als im Vorjahreszeitraum. Ähnlich wie VW leiden die Premiumhersteller Mercedes-Benz und BMW dabei vor allem unter einer mangelnden Nachfrage auf dem chinesischen Markt.
Konjunkturforscherin Anita Wölfl aus München sagt, die Kapazitätsauslastung sei auf 72,7 Prozent gefallen und liege damit neun Prozent unter dem langfristigen Mittelwert. 43,1 Prozent der Unternehmen klagten über fehlende Aufträge. Auch aus dem Ausland werde nicht mit positiven Impulsen gerechnet. Die Exporterwartungen sind auf minus 16,8 Punkte gesunken, das sei mehr als 13 Punkte niedriger als im Vorjahr.
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