Metallindustrie-Präsident Dinglreiter: „Die Lage ist dramatisch“
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Der studierte Maschinenbauer Udo Dinglreiter ist seit Anfang des Jahres Chef des Industrieverbands Gesamtmetall. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er über mangelnde Reformen und den Zorn vieler Unternehmer über die Bundesregierung.
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Über den Unmut vieler Unternehmer
„Auch ich wünsche mir deutlich mehr Geschwindigkeit. Die Probleme im Land sind bekannt, aber die notwendigen, tiefgreifenden Reformen wurden immer noch nicht umgesetzt. Das beunruhigt Unternehmer und Arbeitnehmer. Die Menschen sehen die Notwendigkeit von Reformen. Sonst werden weiterhin Arbeitsplätze abgebaut, mehr Prozesse verlagert, weniger Steuern und Sozialabgaben bezahlt. Das ist eine Spirale nach unten. Ich kann das Unverständnis nachvollziehen.“
Was zu tun ist
„Einzelne Punkte könnte man leicht lösen, etwa beim Lieferkettengesetz. Hier könnte man schnell die europäische Grenze übernehmen, wonach es nur für Unternehmen ab 5000 Mitarbeitern gilt. Das wäre immerhin ein Signal für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Aber die Regierung tut es nicht.“
Gibt es wenigstens in der Metallbranche Hoffnung?
„Nein, im Gegenteil. Wir haben eine tiefe Strukturkrise, die zudem deutlich anders geartet ist als die Krisen der letzten Jahrzehnte. Die Nettoinvestitionen sind negativ. Die Ausrüstungsinvestitionen liegen unter den Abschreibungen. Wegen der hohen Energiekosten, Unternehmenssteuern, Sozialabgaben und der großen Bürokratie wird deutlich zu wenig in Deutschland investiert. Aber wenn ein Maschinenpark veraltet ist und Unternehmen nicht mehr genug investieren, verlieren sie moderne Technologien und werden immer weniger wettbewerbsfähig. Dann verlieren wir auch weiter Arbeitsplätze. Seit 2019 haben wir rund 300.000 Jobs abgebaut und liegen jetzt unter 3,8 Millionen, wir laufen Gefahr, weitere 300.000 zu verlieren. Das wären dann noch weniger Arbeitsplätze in der M&E-Industrie als zum tiefsten Stand nach der Wiedervereinigung. Ich empfinde das schon als dramatisch.“
Über Verlagerungen ins Ausland
„Davon muss man derzeit leider ausgehen. Besonders bedenklich, dass es zunehmend auch Forschung und Entwicklung betrifft. Wenn diese Abteilungen in einem anderen Land sind, entstehen dort auch die Investitionen und vermutlich auch die Folgeinvestitionen. Das ist eine zusätzliche Abwärtsspirale. Viele Mittelständler können und wollen gar nicht ins Ausland. Für sie ist entscheidend, dass die Wettbewerbsbedingungen hier zumindest erträglich sind.“
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