Die Gene eines langen Lebens: Was uns wirklich alt werden lässt
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Was sind das für Menschen, die 100 Jahre alt und älter werden? Vor allem: Warum werden manche so alt, und warum andere bei weitem nicht? Diese Frage versucht ein Forschungsprojekt zu beantworten, das wohl umfassender und gründlicher ist als alles Vergleichbare zuvor: Forscher der Universität São Paulo stellen ihre Studie derzeit im Fachblatt Genomic Psychiatry vor. Ihr Ziel: Anhand von mehr als 100 Hundertjährigen – einige davon sogar älter als 110 Jahre – wollen sie herausfinden, was es diesen Menschen erlaubt, so viel älter zu werden als der Durchschnitt der Bevölkerung, berichtet die Neue Zürcher Zeitung.
Entscheidende Hinweise erhoffen sich die Wissenschaftler von Blutproben der oft noch rüstigen Greise. Entscheidende Funktionen für ein gesundes Altern sind Reparaturmechanismen der Zellen sowie die Schlagkraft des Immunsystems. Und über allem: Welche Rolle spielen die Gene für ein langes Lebens?
Noch laufen die Untersuchungen. Doch die Wissenschaftler sind guter Dinge, aussagekräftigere Ergebnisse zu erhalten als vergleichbare Studien etwa aus Japan. In dem asiatischen Land gibt es zwar besonders viele Hochbetagte. Doch Brasilien biete einen besonderen Standortvorteil für die Forschung: die genetische Vielfalt des Landes, die sich historisch aus Ureinwohnern, europäischen und asiatischen Einwanderern sowie aus Afrika verschleppten Sklaven speise.
In Brasilien gibt es mehr als acht Millionen Genvarianten
In diesem äußerst diversen Genpool fand ein anderes Forschungsteam kürzlich mehr als acht Millionen genetische Varianten, die bisher nicht in den einschlägigen Gen-Datenbanken zu finden waren. Die enorme Vielfalt Brasiliens könnte helfen, den Zusammenhang zwischen bestimmten Genvarianten und gesundheitlichen Merkmalen herauszufinden.
Die Studie ist zwar gerade erst angelaufen, doch in einem sind sich die Forscher schon jetzt sicher: Für die Frage, ob man seinen 100. Geburtstag erlebt – und das bei passabler Gesundheit – spielen Gene eine entscheidendere Rolle als Umweltfaktoren wie Ernährung oder Lebensstil. Dafür spreche, dass viele ihrer Probanden unter einfachen Bedingungen mit begrenzter medizinischer Versorgung leben. Auch in ihrer Ernährung scheinen sich demnach keine besonderen Muster zu zeigen.
Anti-Aging-Guru schluckt mehr als 100 Pillen am Tag
Eines ist jetzt schon klar: Die Anhänger des gegenwärtigen Trends zur Lifestyle-Optimierung – er heißt Longevity – mit dem Ziel eines maximal verlängerten Lebens werden enttäuscht sein. Eine zum Extrem neigende Symbolfigur dieser Longevity-Bewegung ist der amerikanische Multimillionär Bryan Johnson. Der 48-jährige Anti-Aging-Guru soll jährlich mehr als zwei Millionen Dollar ausgeben, unter anderem für ein Team von Beratern und Trainern, er schluckt mehr als 100 Pillen am Tag. So hofft er, dem Tod gänzlich von der Schippe springen zu können. Er sehe darin nichts als ein „technisches Problem, das sich lösen lässt“, sagte Johnson in einem Interview.

Millionen Menschen verfolgen auf Instagram das Experiment von Johnson
Man findet nicht viele Fachleute, die diesen fragwürdigen, aber sehr amerikanischen Traum für machbar halten. Denn auch wenn ein schädlicher Lebensstil, Krankheiten und Unfälle das Leben ohne Zweifel stark verkürzen können: Am Ende siegt die Biologie. Immer. Und die Biologie sind die Gene.
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