Nach Rehaugen-Video-Skandal: Precht greift Banaszak an
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Nach der hitzigen Diskussion um ein altes Video von CDU-Politiker Manuel Hagel meldet sich jetzt Zoe Mayer zu Wort. Die Bundestagsabgeordnete hatte das Video verbreitet, das ihr angeblich zugespielt worden war. Gegenüber den Badischen Neuesten Nachrichten sagte Mayer: „Wenn ein einzelnes Video eine Wahl entscheiden könnte, dann hätten wir ein grundsätzliches Problem.“
Möglicherweise stimmt beides: Ein altes Video hat die Wahl vielleicht entschieden. Und, ja, wir haben ein grundsätzliches Problem. Zumindest sieht das Philosoph Richard David Precht so, der in der ntv-Talkshow von Pinar Atalay am Montag heftig gegen Grünen-Chef Felix Banaszak austeilte:
Atalay: „Wussten Sie davon?“
Banaszak: „Nein.“
„Wenn Sie’s gewusst hätten, hätten Sie das unterbunden, oder?“
Precht: „Eben, das wollte ich fragen: Also, wenn Sie’s gewusst hätten, hätten Sie das unterbunden, oder?“
Banaszak: „Das weiß ich nicht, ich will das ganz offen sagen, weil ich die Verschiebung der Debatte an der Stelle ehrlicherweise nicht verstehe, das ist ’ne Kollegin von mir, die hat selbst mit 14, 15 angefangen, Politik zu machen, und hat ganz häufig die Erfahrung gemacht, dass ältere Männer, vermutlich auch aus meiner Partei, sich unangemessen übergriffig ihr gegenüber verhalten haben. Sie hat das öffentlich gemacht, dass das so ist, und dann ist ihr dieser Clip zugeschickt worden.“
Atalay: „Aber Sie hätten es nicht verhindert, höre ich daraus?“
Banaszak: „Das ist alles ein hypothetisches Szenario, ich fand’s legitim, dass sie diesen Clip gepostet hat.“
Precht: „Echt?“
Banaszak: „Ja, natürlich fand ich das legitim.“
Precht: „Weil klar ist, dass die Medien daraus machen, dass er sich sexistisch verhalten hat, was definitiv eine maßlose Übertreibung ist.“
Banaszak: „Aber das ist doch nicht ihre Verantwortung.“
„Ich hätte jetzt erwartet, dass Sie sagen: Mist, das hätten wir nicht tun sollen“
Precht: „Das ist ihre Verantwortung, wenn sie das postet und das entsprechend kommentiert und sagt: Guck mal da, was der da gemacht hat. Das hat ihn mit Sicherheit mehr als den Abstand zwischen Grünen und CDU gekostet. Ist es nicht an der Zeit, mit dieser Art von Politikstil aufzuhören? Ich hätte jetzt erwartet, dass Sie sagen: Mist, das hätten wir nicht tun sollen.“
Zwei Wochen vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg war das Video mit dem acht Jahre alten Clip viral gegangen, in dem Hagel (damals 29 Jahre alt) von den „rehbraunen Augen“ einer Schülerin schwärmte. Den CDU-Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten kostete das vermutlich Stimmen. Eine Schmutzkampagne sei das, ließ CDU-Fraktionschef Jens Spahn verlauten.
Der Grünen-Chef hält gleich in mehreren Talkshows dagegen: Sowohl in der ARD-Sendung Hart aber fair als auch bei Pinar Atalay beklagt Banaszak die vermeintliche Verschiebung der Debatte, verteidigt die Veröffentlichung des Videos und schaltet sofort in die Opfer-Erzählung: „Aber, dass wieder einmal wir in einer solchen Situation sind, dass eine junge Frau sich rechtfertigen muss, etwas zu thematisieren, dass sie jetzt in Verantwortung genommen wird, sie solle doch bitte so etwas möglichst nicht thematisieren, wenn ihr sowas zugeschickt wird, ich find’ das ehrlicherweise, ich find’ das eine falsche Verschiebung der Debatte.“
„Sie haben das genutzt für Ihren Wahlkampf, und das hätten Sie nicht tun sollen“
Darauf lässt sich Philosoph Precht nicht ein: „Sie drehen das um. Herr Hagel musste sich in der Öffentlichkeit dafür rechtfertigen, dass er über dieses wahrscheinlich noch nicht 18-jährige Mädchen gesagt hat, dass er die hübsch fand. Und daraus wurde Sexismus gemacht. Da hätte man ganz deutlich als grüne Partei sagen müssen: Wir wollen ihn hier nicht im Entferntesten aus solchen marginalen Gründen in eine solche Ecke stellen, nein, Sie haben das genutzt für Ihren Wahlkampf, und das hätten Sie nicht tun sollen.“
Noch immer ist nicht klar, wer das Video überhaupt gefunden und der Bundestagsabgeordneten zugespielt hat. Klar ist: Kurz vor der Veröffentlichung zeigte sich der grüne Wahlsieger Cem Özdemir noch beim Wahlkampf mit Mayer. Und klar ist auch: Der Skandal hat jetzt ein mediales Nachspiel.
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Melanie Grün
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