ARD und ZDF über Belfast: Wie eine öffentliche Hinrichtung zur Randnotiz wird
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Ein Sudanese attackiert mitten auf der Straße einen Engländer mit einem langen Küchenmesser. Das extrem verstörende Video, aufgenommen von einer Anwohnerin, zeigt Hadi Alodid, wie er sein Opfer Kinnaird Avenue am Boden fixiert und mit dem Messer wiederholt auf den Kopf- und Halsbereich einsticht. Die Angriffe wirken gezielt und massiv. Der Täter möchte das Opfer köpfen und schwer verstümmeln. Die Szene erinnert in ihrer Grausamkeit an Hinrichtungsmethoden, wie sie von islamistischen Terroristen angewendet werden. Kinnaird Avenue, der schon vor dem Angriff unter einer Ertaubung litt und dem nun zusätzliche Erblindung droht, liegt wehrlos am Boden, während der Angreifer über ihm kniet und mit voller Wucht zusticht. Man sieht die Brutalität, das Blut, die Hilflosigkeit des Opfers und die krankhafte Entschlossenheit des Täters. Nur durch das schnelle Eingreifen von Passanten konnte Avenue gerettet werden. Seitdem liegt er mit tiefen Schnittwunden in Kopf, Gesicht und Hals im Koma und kämpft um sein Leben. Über nichts davon erfahren wir bei ARD und ZDF. Stattdessen erfährt man viel über rechtsextreme Agitatoren, üble Verleumdungen in den sozialen Netzwerken und ihren Lieblingsfeind Elon Musk.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk widmete sich den Vorgängen in Belfast erst, als es zu Protesten und Ausschreitungen kam. Anlass der Berichterstattung war nicht der Angriff selbst, sondern die Reaktionen darauf. Es ist auffällig, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk solche Vorfälle erst dann thematisiert, wenn es zu „rechtsextremen“ Ausschreitungen kommt. Nicht die Tat an sich steht im Zentrum, sondern die Warnung, dass „Rechtsextreme“ die Tat instrumentalisieren könnten. Zumindest dann, wenn Täter und Opfer in ein bestimmtes Muster passen. Ursache und Wirkung werden damit umgekehrt: Nicht der brutale Angriff selbst, sondern die Reaktion darauf wird zum eigentlichen Problem erklärt. Diese Täter-Opfer-Umkehr prägt alle Sendungen von ARD und ZDF.

Tatort Belfast: Der Sudanese will sein Opfer köpfen.
Die Auswertung der Beiträge vom 10. Juni 2026 zeigt ein Muster: Die Tat wird nicht an den Anfang gestellt. Sie erscheint meist in der Mitte oder am Ende des Beitrags als kurze Randnotiz. Warum wird der extrem verstörende Anschlag selbst nicht zum zentralen Thema? Warum werden stattdessen soziale Medien und „rechtsextreme Aktivisten“ als Auslöser der Unruhen benannt?
Tagesschau warnt vor „Instrumentalisierung“
In der Tagesschau um 20 Uhr dauert der Beitrag über Belfast zwei Minuten und 59 Sekunden. Der Messerangriff selbst wird in genau elf Sekunden abgehandelt. Eine genauere Beschreibung der brutalen Attacke, bei der das Opfer am Boden liegt und der Täter mit dem Messer auf ihn einsticht, fehlt. Bilder oder Details zur Schwere der Verletzungen werden nicht gezeigt. Der Beitrag thematisiert stattdessen fast ausschließlich die anschließenden Proteste und ordnet diese als rechtsextrem ein. Die eigentliche Ursache, der Angriff, bleibt eine kurze Erwähnung am Rande.

Für die Tagesschau ist klar: Nicht die Gewalt der Migranten schürt Hass, sondern die angebliche Instrumentalisierung von Rechtsextremen.

Rechtsextreme Aufrufe und ein Messerangriff für den „ein sudanesischer Migrant verantwortlich gemacht wird“. Verharmlosung und Framing gehen Hand in Hand.
Tagesthemen
Die Tagesthemen widmen dem Thema sogar sechs Minuten und elf Sekunden. Ganze acht Sekunden entfallen auf den eigentlichen Vorfall. Das sind 2,16 Prozent des gesamten Beitrags. Über Details wie mögliche Enthauptungsversuche oder die Art der Verletzungen: kein Wort. Auch hier beginnt und endet die Berichterstattung mit den Protesten und Krawallen. Warum wird die hinrichtungsähnliche Attacke nicht ausführlich dargestellt und an den Anfang gestellt? Stattdessen rückt die Einordnung der Reaktionen in den Vordergrund der Berichterstattung. Es drängt sich der Verdacht auf: Dem Zuschauer soll klargemacht werden, wie er zu all dem zu denken hat.
Tagesschau24 verweist auf „weiße Bevölkerung“
Der längste ARD-Beitrag läuft im eigenen Nachrichtensender Tagesschau24 und dauert sieben Minuten und 46 Sekunden. Der Moderator spricht von „krassen Bildern“. Er meint damit jedoch nicht die Aufnahmen der Messerattacke mit versuchter Enthauptung, sondern die der folgenden Krawalle. Brutale Videoaufnahmen des Angriffs selbst werden erst gar nicht gezeigt.
Erst bei Minute 4:45 bis 5:08, also nach mehr als vier Minuten, geht der zugeschaltete Reporter Daniel Frevel auf den Auslöser ein. Er beschreibt ihn mit diesen Worten: „Nachbarn erzählten, dass es zu einem Vorfall kam, wo ein Mann aus dem Sudan wohl einen Weißen tatsächlich auf dem Boden mit einem Messer verletzt hat.“ Viel mehr Verharmlosung ist kaum möglich.
Anschließend fragt der Moderator allen Ernstes, ob „der Fall jetzt instrumentalisiert werde oder ob es in Belfast tatsächlich ein Problem mit Migration gebe?“. Frevel verweist auf fünf Jahre alte Zahlen von 2021 und betont eine „weiße Bevölkerung von 90 Prozent“ in Belfast. Versteckte Quintessenz: Nein, es gibt kein Problem mit Migration, sondern mit weißen Menschen.
Und immer wieder wird hervorgehoben, dass sich der sudanesische Täter legal im Vereinigten Königreich aufhält. Hier wird die Täter-Opfer-Umkehr besonders deutlich: Die Ursache, der brutale Angriff, wird sprachlich relativiert, während die Frage nach Instrumentalisierung und demografischen Verhältnissen in den Vordergrund rückt.
Tagesschau in einfacher Sprache: „Das nennt man Rassismus“
Besonders auffällig ist die Tagesschau in einfacher Sprache. Der gesamte Beitrag dauert nur 57 Sekunden. Die Tat selbst wird in vier Sekunden mit den Worten abgehandelt: „Ein Mann mit schwarzer Haut soll einen anderen Mann angegriffen haben.“ Zur Einordnung der Proteste heißt es: „Das Ziel waren Menschen aus anderen Ländern. Das nennt man Rassismus.“ Die direktere und naheliegendere Formulierung, dass der Täter aus dem Sudan einen Einheimischen in seinem Aufnahmeland attackiert hatte, bleibt ungenutzt. Hier werden Ursache und Wirkung besonders krass verdreht. Warum wird in einer Sendung für einfache Sprache ausgerechnet die Tat so extrem verkürzt und die Einordnung als „Rassismus“ gegen die Demonstranten in den Vordergrund gestellt?
ZDF heute: „Idioten“
Die ZDF-Sendung heute eröffnet den Beitrag mit den Worten: „Erneut kommt es zu rassistischer Gewalt“ und erklärt alsbald, dass die Unruhen von „rechtsextremen Aktivisten befeuert“ werden. Ein Polizeichef wird zitiert, der von „Idioten“ sprach, die Nordirland angreifen. Gemeint sind nicht etwa gewalttätige Migranten, sondern die Protestler. Der Beitrag stellt die Rolle sozialer Medien als Grund für die Emotionalisierung in den Vordergrund.
Die Tat selbst wird erst später behandelt. In 18 Sekunden bei einer Gesamtlänge des Beitrags von zwei Minuten und 14 Sekunden.
ZDF heute journal: „rechtsextreme Aktivisten“
Das heute journal sendet drei Minuten und 32 Sekunden zum Thema. Auch hier entfallen nur 18 Sekunden auf Täter und Tat. Der Beitrag beginnt mit dem Satz: „Die Einwohner von Belfast reiben sich die Augen, was da geschehen ist in ihrer Stadt.“ Gemeint ist damit nicht die brutale Attacke auf offener Straße, sondern die Ausschreitungen.
Soziale Medien, „rechtsextreme Aktivisten“ und Elon Musk werden als treibende Kräfte der Unruhen genannt. Es folgt die Warnung, wie gefährlich mediale Berichterstattung sein könne, weil auch Medien zu Zielen von Angriffen werden könnten. Wieder wird die Ursache, der Angriff selbst, in den Hintergrund gedrängt. Stattdessen wird die Wirkung (die Proteste) zum Skandal erklärt und externe Einflüsse wie soziale Medien werden in den Mittelpunkt gestellt.
Täter-Opfer-Umkehr und verdrehte Ursache-Wirkung
In keiner ausgewerteten Sendung wird die brutale Messerattacke an den Beginn gestellt. Sie wird allenfalls kurz erwähnt, entweder in der Mitte oder am Ende des Beitrags. Stattdessen werden soziale Medien und „rechtsextreme Aktivisten“ als Auslöser der Unruhen tituliert – und nicht der extrem verstörende Anschlag selbst.

Gerichtszeichnung von Elizabeth Cook: Der Sudanese Hadi Alodid (30) vor dem Belfast Magistrates Court nach seinem Mordanschlag.
Dieses Muster steht nicht isoliert da. Es fällt in eine Zeit, in der Großbritannien von einer Serie schwerer Gewalttaten erschüttert wurde: dem Mord an dem 18-jährigen Studenten Henry Nowak in Southampton im Dezember 2025, bei dem der Täter das Opfer erstach und die Polizei erst dem Mörder Gehör schenkte, da er von Rassismus sprach, und das Opfer in Handschellen legte; dem Mord an drei jungen Mädchen in Southport 2024 durch einen Messerangriff auf eine Tanzklasse; zahlreichen weiteren Messerattacken, Vergewaltigungen und Morden, die Kinder und Erwachsene trafen und die Gesellschaft zutiefst verunsichern. Zwei schulpflichtige Kinder sterben in England monatlich an Stichverletzungen. Doch sämtliche dieser tragischen Hintergründe werden in der hiesigen öffentlich-rechtlichen Berichterstattung geflissentlich ignoriert.
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Florian Morsch
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