Epsteins enge Kontakte nach Israel: Welche Rolle spielte der Mossad?
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Teil II dieser Serie stellte Jeffrey Epstein als eine Art nachrichtendienstlichen Akteur dar, dessen Rolle dem verstorbenen Medienmogul Robert Maxwell ähnelte – einem Unternehmer mit nachgewiesenen Geheimdienstverbindungen, der zugleich der Vater von Ghislaine Maxwell war. Ghislaine Maxwell spielte in diesem Geflecht eine zentrale, wenn auch bis heute undurchsichtige Rolle.
Die Frage nach möglichen Verbindungen Epsteins zu Israel lässt sich nicht ausklammern. Seit der Veröffentlichung neuer „Epstein-Akten“ durch das US-Justizministerium haben israelische Regierungsvertreter – bis hin zu Premierminister Benjamin Netanjahu – entschieden bestritten, dass israelische Geheimdienste Beziehungen zu dem verstorbenen Sexualstraftäter unterhielten. In der Welt der Nachrichtendienste gilt ein solches Dementi als Standard: Kein führender Geheimdienst würde öffentlich einräumen, dass ein verurteilter Sexualstraftäter für ihn tätig war.
Spekulationen über mögliche Kontakte Epsteins zum israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad sind nicht neu. Allerdings stammen viele dieser Behauptungen aus zweifelhaften Quellen und sind nicht überprüfbar. In den veröffentlichten Akten finden sich zwar Hinweise und auch FBI-Berichte, in denen entsprechende Vorwürfe erwähnt werden. Besonders brisante Anschuldigungen gehen jedoch auf einen als äußerst unglaubwürdig geltenden Informanten zurück.
Zudem könnte es zutreffen, dass Epstein formal nie ein „Mossad-Agent“ war – zumindest nicht im klassischen Sinne. Er war offenbar kein gewöhnlicher Informant, sondern bewegte sich in exklusiven Kreisen und unterhielt Kontakte auf höchster Ebene. Wie schon Robert Maxwell zuvor scheint er in besonderer Weise behandelt worden zu sein. Der Autor der Serie kündigt an, in einem weiteren Teil darzulegen, inwiefern Epstein möglicherweise auf unkonventionelle Weise israelische Interessen gefördert habe.

Ehud Barak, Israels Premierminister von 1999 bis 2001, gilt als eine der am engsten mit der israelischen Sicherheitsarchitektur verbundenen Persönlichkeiten.
Fest steht: Epstein verfügte über weitreichende internationale Kontakte, darunter auch zahlreiche in Israel. Er galt als jemand, der politische und wirtschaftliche Probleme „regeln“ konnte – gegen entsprechende Bezahlung. Seine Verbindungen reichten bis in höchste israelische Regierungskreise, zudem soll er Zugang zu hochentwickelten israelischen Cybertechnologien gehabt haben.
Barak und Epstein verfolgten gemeinsam internationale Geschäftsprojekte
Besonders aufschlussreich erscheint sein Verhältnis zu Ehud Barak, Israels Premierminister von 1999 bis 2001 sowie früherer Verteidigungsminister und Generalstabschef. Barak gilt als eine der am engsten mit der israelischen Sicherheitsarchitektur verbundenen Persönlichkeiten. Über 15 Jahre hinweg pflegten Barak und Epstein engen Kontakt, tauschten Tausende E-Mails aus und trafen sich regelmäßig. Barak räumte später ein, diese Nähe zu bereuen. Bei mehreren Besuchen wurde er von seinem langjährigen Mitarbeiter Yoni Koren begleitet, einem ehemaligen israelischen Geheimdienstoffizier.
Gemeinsam verfolgten Barak und Epstein internationale Geschäftsprojekte, von denen einige offenbar sicherheitspolitische Bezüge hatten. In E-Mail-Korrespondenzen zwischen 2013 und 2016 finden sich Hinweise auf diplomatische Initiativen, unter anderem im Zusammenhang mit dem Syrien-Konflikt, in denen auch der Mossad erwähnt wurde.

Epstein traf sich über Jahre hinweg mit dem damaligen russischen UN-Botschafter Vitali Tschurkin. (Aufnahme aus 2016)
Neben Israel wird auch eine mögliche russische Dimension diskutiert. Robert Maxwell hatte nachweislich Kontakte zum sowjetischen Geheimdienst KGB, weshalb vereinzelt spekuliert wird, Epstein könnte ebenfalls für Moskau gearbeitet haben. Allerdings ist hier Vorsicht geboten: In politischen Debatten werden häufig Versuche unternommen, Verantwortung zwischen Staaten zu verschieben.
Enger Kontakt zum ehemaligen russischen UN-Botschafter
Unbestritten ist, dass Epstein Kontakte nach Russland pflegte. Er traf sich über Jahre hinweg mit dem damaligen russischen UN-Botschafter Vitali Tschurkin und suchte Zugang zu politischen Kreisen in Moskau. Mehrfach reiste er nach Russland, wobei einige dieser Reisen eher mit seinen kriminellen Aktivitäten als mit Spionage in Verbindung gebracht werden.
Auch einzelne russische Kontakte Epsteins hatten Verbindungen zu Sicherheitsbehörden, etwa Sergej Beljakow, ein ehemaliger stellvertretender Wirtschaftsminister mit Ausbildung an der Akademie des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB. Allerdings gibt es keine belastbaren Belege dafür, dass Epstein als russischer Top-Spion agierte.
Der frühere MI6-Mitarbeiter Christopher Steele äußerte zwar die These, Epstein könne ein Kreml-Asset gewesen sein. Aufgrund Steeles umstrittener Rolle im sogenannten Trump-Dossier werden solche Einschätzungen jedoch kritisch betrachtet.
Festzuhalten bleibt: Epstein bewegte sich global in politischen und wirtschaftlichen Machtzirkeln. Dabei dürfte er zwangsläufig auch Kontakt zu Vertretern russischer Nachrichtendienste gehabt haben. Konkrete Hinweise darauf, dass er eine zentrale Rolle für Moskau spielte, gibt es jedoch bislang nicht.

Der frühere MI6-Mitarbeiter Christopher Steele.
Unverschlüsselte E-Mails an ein weit verzweigtes Netzwerk
Auffällig war vielmehr, dass Epstein über Jahre hinweg nahezu unangreifbar schien. Er agierte mit einer Selbstverständlichkeit, als genieße er umfassenden Schutz. Trotz seiner kriminellen Aktivitäten – darunter systematischer sexueller Missbrauch und Menschenhandel – zeigte er kaum erkennbare Sorge um sogenannte „Operational Security“ (OPSEC), also grundlegende Sicherheitsvorkehrungen im Umgang mit sensiblen Informationen.
Epstein verschickte unverschlüsselte E-Mails an ein weit verzweigtes Netzwerk aus einflussreichen Persönlichkeiten weltweit – teils mit hochsensiblen Inhalten, darunter auch staatliche Dokumente. Warum jemand, der in mutmaßlich schwerwiegende Verbrechen und möglicherweise geopolitische Verflechtungen verwickelt war, derart sorglos kommunizierte, bleibt eine zentrale Frage.
2019 wurde Epstein von US-Bundesbehörden verhaftet. Weniger als einen Monat später starb er unter bis heute umstrittenen Umständen in Untersuchungshaft. Mit seinem Tod endete ein jahrzehntelanges Geflecht aus Geschäften, Verbrechen und Machtkontakten – viele Fragen jedoch blieben offen.
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John Schindler
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