CIA, FBI, NSA – was im Epstein-Komplex unter Verschluss bleibt
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Teil I dieser Serie zeigte, wie Jeffrey Epstein im Jahr 2008 einer ernsthaften strafrechtlichen Verfolgung entging. Der ranghöchste Bundesstaatsanwalt in Südflorida erklärte damals, Epstein habe „zu einem Geheimdienst gehört“. Die Serie legte bereits exklusiv dar, mit welchen Diensten Epstein mutmaßlich verbunden war – insbesondere mit israelischen und russischen Nachrichtendiensten.
Der letzte Teil dieser Serie geht der Frage nach, welche anderen Nachrichtendienste in Epsteins Netzwerk involviert waren. Harte Belege sind schwer zu liefern, wegen der geheimen Natur solcher Aktivitäten. Trotzdem überrascht es nicht, dass Washington spätestens 2008 wusste, dass Epstein im Spionagegeschäft tätig war, und zwar für mehrere Länder. Epsteins miserabler Umgang mit Informationssicherheit, darunter seine unablässige Nutzung unverschlüsselter E Mails, bedeutet, dass zahlreiche Nachrichtendienste seine Nachrichten vermutlich mitlasen und sein Geschäft kannten.
Frühe Hinweise auf verdeckte Aktivitäten
Epsteins Kontakte in die Welt der Geheimdienste reichen offenbar bis in die 1980er Jahre zurück. Damals bewegte er sich im Umfeld des internationalen Waffenhandels und anderer rechtlich fragwürdiger Geschäfte. Es existieren Hinweise, wenn auch keine klaren Beweise, dass Epstein gemeinsam mit seinem wichtigsten Förderer Les Wexner in entsprechende Machenschaften im Nahen Osten involviert gewesen sein könnte. Einige dieser Aktivitäten weisen mögliche Verbindungen zur Iran-Contra-Affäre auf, die mit israelischer Nachrichtendiensttätigkeit verflochten war. Gerüchte über Kontakte zu weiteren Nachrichtendiensten im Nahen Osten und in Europa sind plausibel, aber lassen sich anhand öffentlich zugänglicher Informationen nicht bestätigen.
Ein angesehener europäischer Nachrichtendienst kam zu einer bemerkenswert klaren Einschätzung: Die Spionage-Operation sei im Kern von Israel geführt worden, häufig indirekt über Strohmänner. Gleichzeitig hätten die Dienste mehrerer anderer Staaten zumindest lose Beziehungen zu Epstein unterhalten.

Epstein mit Ex-US-Präsident Bill Clinton
Was wussten US-Geheimdienste – und wann?
Vor diesem Hintergrund erscheint es kaum glaubhaft, dass amerikanische Nachrichtendienste bis 2008 nichts von Epsteins geschäftlichen Aktivitäten sowie seinem abstoßenden Privatleben gewusst haben sollen – zumal der Großteil seiner Aktivitäten auf US-amerikanischem Boden stattfand. Donald Trump sagte bereits 2006 gegenüber Ermittlern in Florida, „jeder habe gewusst“, dass Epstein Minderjährige missbrauchte. Es wäre schwer zu erklären, warum ausgerechnet die US-Nachrichtendienste – mitunter die mächtigsten der Welt – schlechter informiert gewesen sein sollen.
Epstein kommunizierte regelmäßig mit ausländischen VIPs, darunter auch solche, die den Vereinigten Staaten nicht freundlich gesinnt waren. Dabei ging er auffällig nachlässig mit sensiblen Informationen um, nutzte routinemäßig unverschlüsselte Kommunikationswege. Unter solchen Umständen ist es äußerst wahrscheinlich, dass die National Security Agency (NSA) einige dieser Kommunikationsvorgänge abfing. Ehemalige Insider berichten zudem, dass das Federal Bureau of Investigation (FBI) Epstein schon lange vor 2008 beobachtet habe. Im Jahr 2008 ging Epstein im Rahmen seines umstrittenen „Sweetheart“-Deals mit dem Justizministerium offenbar eine Form der Zusammenarbeit mit dem FBI ein. Was genau vereinbart wurde, bleibt bis heute geheim. Klar ist jedoch, dass diese Vereinbarung ihn nicht daran hinderte, in den folgenden elf Jahren weiter junge Frauen zu vergewaltigen und zu verschleppen – bis zu seiner erneuten Festnahme im Jahr 2019.
Epsteins Anwälte forderten Akten von CIA und NSA an
Auch ob Epstein direkte Kontakte zur Central Intelligence Agency (CIA) unterhielt, ist bis heute ungeklärt. Wenn er jedoch eine Beziehung zur CIA hatte, dann verschlechterte sie sich bis 2011, als Epsteins Anwälte alle Unterlagen verlangten, die die CIA über ihren Mandanten besaß. Drei Jahre später stellten Epsteins Anwälte eine ähnliche Anfrage an die NSA – ohne Erfolg. Angesichts dessen, kann man davon ausgehen, dass mehrere amerikanische Geheimdienste, allen voran CIA, FBI und NSA, ihre eigenen „Epstein-Akten“ besitzen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Epstein auch tatsächlich für einen von ihnen arbeitete. Da die Öffentlichkeit keinen Zugang zu solchen Geheimakten hat, bleibt all das Spekulation.
Epstein war vom Spionieren fasziniert. Mehrfach engagierte er private Ermittler, Sicherheitsfirmen und Hacker – einige mit israelischen Verbindungen –, um seine mutmaßlichen Gegner auszuspähen. Das ist heute selbst bei großen Nachrichtendiensten üblich. So wurden auch die Nachrichtendienste Chinas und Irans in den letzten Jahren dabei ertappt, private Ermittler anzuheuern, um Dissidenten in den Vereinigten Staaten auszuspionieren.

Hat das FBI schlicht weggesehen?
All dies führt zu einer unbequemen Schlussfolgerung: Epsteins Aktivitäten waren zu groß, zu sichtbar und zu sensibel, um unbemerkt zu bleiben. Wenn Behörden nicht handelten, stellt sich zwangsläufig die Frage nach dem Warum. Vielleicht war sein Verhalten zu verstörend. Zudem war Epsteins Netzwerk, zu dem viele reiche und mächtige Menschen gehörten, tief mit Israel verknüpft, einem engen Verbündeten der USA. Für die vernünftigen Spionage-Bürokraten in Washington könnte die schmutzige Epstein-Affäre einfach „zu heiß zum Anfassen“ gewesen sein.
Das Verhalten des FBI wirft zusätzliche Zweifel auf. Obwohl zahlreiche Frauen behaupteten, von Epstein und Maxwell auf der Zorro Ranch in New Mexico belästigt worden zu sein, erklären die Behörden in New Mexico, die Immobilie sei nie von Bundesermittlern besucht worden. Warum während der ersten Epstein-Ermittlungen zwischen 2006 und 2008 niemand die Zorro Ranch in den Fokus der Ermittlungen stellte, klärt sich schnell, wenn man betrachtet, wer der damalige Gouverneur von New Mexico war: Bill Richardson, ein enger Freund Epsteins, der selbst beschuldigt wurde, Sexualdelikte auf Epsteins Grundstück begangen zu haben.
Nach Epsteins Tod erklärte die Behörde schließlich, sie habe keine Beweise dafür gefunden, dass Epstein einen Sexhandelsring betrieben habe. Doch wenn das stimmt: Wofür sitzt Ghislaine Maxwell dann die nächsten zwei Jahrzehnte im Gefängnis?
Druck auf Regierungen weltweit
Der jüngste Auftritt von Justizministerin Pam Bondi vor dem Kongress machte erneut deutlich, dass das Weiße Haus den Skandal hinter sich lassen will. Doch das Nichtwissenwollen über Epstein ist ein Problem, das weit über Washington hinausreicht. Der britische Premierminister Keir Starmer, der wegen der Verbindungen zwischen führenden Mitgliedern seiner Labour Party und Epstein unter Druck steht, beteuert, er habe von der „Dunkelheit“ rund um Epstein nichts gewusst. Dabei wusste die britische Polizei spätestens vor sechs Jahren sehr detailliert über Epsteins Sexualverbrechen Bescheid, und der britische Geheimdienst wusste sicher viel mehr, schon deutlich früher. Hat Starmer nie von dem Labour-Politiker Robert Maxwell gehört?
Der Epstein Skandal wird nie verschwinden, angesichts seiner entsetzlichen Enthüllungen über die Verbrechen und Perversionen so vieler VIPs. Gleichzeitig kann er nicht wirklich aufgearbeitet werden, ohne Epsteins mutmaßliche Verbindungen zu Nachrichtendiensten offenzulegen. Ein Kongressabgeordneter hat bereits gefordert, dass die CIA ihre Epstein-Akten offenlegt. Doch der Widerstand innerhalb der Regierung ist offensichtlich. Wenn die Exekutive weiterhin blockiert, bleibt nur ein Ausweg: die Ernennung eines unabhängigen Sonderermittlers, der den Fall unabhängig von Bondi und ihrem Justizministerium untersucht. Andernfalls bleibt dieser furchtbare Skandal auf unabsehbare Zeit eine offene Wunde der westlichen Politik, und Epsteins Opfer erhalten keine Gerechtigkeit für die an ihnen begangenen Verbrechen.
*John R. Schindler diente bei der National Security Agency als leitender Nachrichtendienstanalyst und Gegenspionageoffizier.
Lesen Sie auch aus der Reihe „Epstein und die Geheimdienste“:
- Teil 1: VIPs, Macht, Angst – wie ein Netzwerk Schweigen kaufte und warum das nach Spionage riecht
- Teil 2: Die Spur von Ghislaine Maxwell: Führte ihr Weg zum Mossad und weiter bis zum KGB?
- Teil 3: Epsteins enge Kontakte nach Israel: Welche Rolle spielte der Mossad?
- Teil 4: Ein dubioses Unternehmen: Der undurchsichtige Einfluss der „Mega Group“ auf Epstein
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