Massengebet von Muslimen auf dem Trafalgar Square: In Großbritannien wird über Islamisierung und die Dominanz im öffentlichen Raum heftig gestritten
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Claudio CasulaWährend die Islamisierung in Deutschland als Hirngespinst islamophober Rechter abgetan wird, nimmt in UK die Debatte über muslimische Dominanzposen Fahrt auf. Das „Allahu akbar!“ im Herzen Londons stößt vielen Briten sauer auf. Auch die Konservativen kritisieren ein öffentliches Gebet zum Ramadan.
Der 24-Punkte-Antrag der Grünen zur Verankerung des Islam in Deutschland ist dem Bundestag noch nicht vorgelegt worden, dafür hat die Fraktion zum Fastenbrechen im Parlament eingeladen. Dass der Islam zu wenig sichtbar sei, wird hierzulande mehrheitlich bezweifelt, im Gegenteil würden die meisten Bürger lieber weniger Moscheen, Demonstrationen oder öffentliche Ramadan-Veranstaltungen sehen.
Darauf wird jedoch keine Rücksicht genommen. „Auch der Ramadan und das Fastenbrechen gehören zu Berlin“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner eben. Der CDU-Bürgermeister von Celle, Jörg Nigge, nahm am Mittwochabend in der Ditib-Moschee der Stadt Celle in Niedersachsen am Iftar, also dem muslimischen Fastenbrechen, teil.
In Kassel versammelten sich bis zu 3.000 Muslime zum öffentlichen Fastenbrechen, bei dem auch das muslimische Glaubensbekenntnis, die Schahada, rezitiert wurde: dass es keinen Gott außer Allah gebe. Die Grünen-Politikerin und Bürgermeisterin Nicole Maisch war ganz gerührt: „Ich bin heute so stolz, Bürgermeisterin dieser Stadt zu sein.“
Auch Bürgermeister Sadiq Khan war dabei
Während in Deutschland viele in der demonstrativen muslimischen Präsenz im öffentlichen Raum und, wie gesehen, sogar im Bundestag eher ein Problem erkennen, wiegelt die Politik weiter ab und kriminalisiert Kritik als „antimuslimischen Rassismus“ oder „Islamophobie“. Im Parlament sitzt mit der AfD die einzige Partei, die Masseneinwanderung aus islamischen Ländern ablehnt – und wird dafür als „rassistisch“ gescholten.
Das ist in Großbritannien, wo der Islam noch präsenter ist als bei uns, anders. Sowohl Reform UK als auch Restore Britain sprechen sich gegen muslimische Einwanderung in großem Stil aus, und nun hat auch ein Tory-Abgeordneter mit seiner Kritik an einem öffentlichen Gebet in London Aufsehen erregt.

Londons Bürgermeister Sadiq Khan nahm selbst an dem kritisierten Event teil.
Anlass ist ein Ereignis am vergangenen Montag auf dem bekannten Trafalgar Square im Herzen Londons. Anlässlich des Ramadans, in dem Muslime tagsüber fasten, gab es eine Versammlung, die Teil einer Reihe von „Open Iftar“-Veranstaltungen war, organisiert von der Wohltätigkeitsorganisation Ramadan Tent Project. Es gibt sie seit 2019, sie war genehmigt, und unter den einigen hundert Teilnehmern war auch Londons Labour-Bürgermeister Sadiq Khan.
„Allahu akbar!“ hört nicht jeder Brite gern
Die Bilder, vor allem vom Massengebet, veranlassten den konservativen Parlamentsabgeordneten Nick Timothy zu einem Beitrag auf X. „Massenhafte rituelle Gebete an öffentlichen Orten sind ein Akt der Dominanz“, schrieb Timothy, und fügte hinzu: „Führt diese Rituale in Moscheen durch, wenn ihr möchtet. Aber sie sind in unseren öffentlichen Räumen und gemeinsamen Institutionen nicht willkommen.“

Der konservative Abgeordnete Nick Timothy äußerte Kritik am öffentlichen Gebet.
Timothy stellte also klar, dass es nicht um Religionsfreiheit gehe, sondern um einen „Akt der Dominanz und damit der Spaltung“. Der Adhan – der verkündet, dass es keinen Gott außer Allah gebe und Mohammed sein Gesandter sei – ist, wenn er an einem öffentlichen Ort ausgerufen wird, eine Erklärung der Herrschaft, stellte der Tory-Abgeordnete fest. Er erhebe „den theologischen Anspruch, dass es keinen Gott außer Allah gibt und Mohammed sein Gesandter ist“, was eine „Zurückweisung anderer Glaubensüberzeugungen“ bedeute.
Nicht zuletzt löst der Ruf „Allahu akbar!“ bei vielen Briten eher Unbehagen aus, sind es doch dieselben Worte, die Terroristen rufen, während sie töten, wie es in UK schon bei zahlreichen islamistischen Anschlägen passiert ist. Und: Es existiert die Strategie eines „zivilisatorischen Dschihad“ durch Ansiedlung, Institutionenaufbau und schrittweisen Einfluss. Öffentliches Gebet fungiert in dieser Lesart als sichtbares Zeichen von Präsenz, was Einheimische unter diesen Umständen beunruhigt.
Labour tobt, die Tory-Chefin nimmt Timothy in Schutz
„Ich behaupte nicht, dass alle Anwesenden auf dem Trafalgar Square gestern Abend Islamisten waren. Aber die Besetzung öffentlicher Plätze entspricht genau der Strategie von Islamisten“, sagte Timothy deshalb. Das sehen offenbar die meisten Briten so. Eine YouGov-Umfrage ergab bereits 2012, dass 67 Prozent der Briten der Meinung waren, Religion solle Privatsache sein und keinen Platz im öffentlichen Leben haben. Viele fühlten sich ähnlich unwohl, als kürzlich Videos kursierten, die islamische Gebete in Windsor Castle und kürzlich in der Westminster Hall des Parlaments zeigten.
Timothy sprach also den meisten Briten aus dem Herzen. Bei der regierenden Labour Party lösten seine Statements allerdings Entrüstung aus. Die Chefin der Konservativen, Kemi Badenoch, wurde aufgefordert, Timothy aus seinem Schattenministeramt zu entlassen. Die Labour-Parteivorsitzende Anna Turley bezeichnete seine Aussagen als „völlig empörend“ und die Labour-Abgeordnete Naseem Shah, einst wegen Antisemitismus aus der Partei suspendiert, erklärte, Timothys Kommentare seien „total entsetzlich“.
Die Labour-Partei beschuldigte die Tories, „Ansichten zu übernehmen, die von Tommy Robinson unterstützt werden“, und warf Tory-Chefin Badenoch „Feigheit“ vor. Die aber stellte sich hinter ihren Parteikollegen und sagte, ihr habe „nicht gefallen“, was sie in Videoaufnahmen der Veranstaltung gesehen habe: „Diese Debatte, die Nick führt, handelt nicht von Religionsfreiheit. Es geht darum, wie Religion in einem gemeinsamen öffentlichen Raum zum Ausdruck kommt und ob diese Ausdrucksformen in die Normen einer britischen Kultur passen.“

Labour-Chefin Kemi Badenoch, deren Eltern aus Nigeria stammen, hat beim Thema Islam ein Störgefühl.
Sie sagte auch: „Als Frau – und besonders als Frau aus einer ethnischen Minderheit, die in einem Land aufgewachsen ist, in dem der Islam sehr präsent war [Nigeria, Anm. d. Red.] – fühle ich mich sehr unwohl dabei, Frauen bei einer Veranstaltung mitten auf dem Trafalgar Square nach hinten gedrängt zu sehen, die ausgrenzend ist.“ Es gehe nicht darum, irgendjemanden daran zu hindern, seine Religion auszuüben: „Wir wollen religiöse Feierlichkeiten auf dem Trafalgar Square sehen, aber sie müssen inklusiv sein und auch die britische Kultur respektieren.“
Respekt nicht gegenseitig
In einer Rede am Donnerstag stellte sich auch Nigel Farage (Reform UK) hinter Timothy. „Was wir am Montag in London auf dem historischen Trafalgar Square gesehen haben, in einem Land, das auf jüdisch-christlichen Werten basiert, war eine Gruppe von Menschen unter der Führung des schrecklichen Sadiq Khan, die versucht hat, Dominanz über unsere Hauptstadt und unsere Kultur auszuüben.“

Muslime beim Gebet im Park – in London kein ungewöhnlicher Anblick.
Der Respekt, den die (noch) Mehrheitsgesellschaften im Westen den Muslimen entgegenbringen, trifft nicht immer auf Gegenseitigkeit. Das erlebten gerade Australiens Premierminister Anthony Albanese und Innenminister Tony Burke. Sie besuchten Sydneys größte Moschee, um am Eid al-Fitr(Zuckerfest)-Gebet teilzunehmen und ein Zeichen gegen „Islamfeindlichkeit“ zu setzen.
Dort wurden die beiden Politiker von aufgebrachten Moscheebesuchern ausgebuht und als „Völkermordbefürworter“ beschimpft. „Raus hier!“-Rufe waren zu hören. Ob das eine heilsame Erfahrung für den Regierungschef und seinen Minister war, wird sich zeigen. Sydney ist eine Stadt, die eigentlich ihre Erfahrungen mit Islamisten gemacht hat, von Hasspredigern, die Juden „Ungeheuer“, „Terroristen“ und „blutrünstige Monster“ nennen, bis hin zum antisemitischen Terroranschlag am Bondi Beach im Dezember, dem 15 Menschen zum Opfer fielen.
Immerhin wird die Islamisierung wenigstens in Großbritannien debattiert und auch von großen Parteien angesprochen. So weit ist Deutschland noch lange nicht. Ein Blick über den Ärmelkanal könnte helfen.
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