Trumps MAGA-Welt zum Kaufen: Zwischen ideologischem Größenwahn und genialem Merchandise
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Sara DouedariDer MAGA-Wahnsinn hat jetzt einen Online-Shop. Wer sich durch den sogenannten Trump Store klickt, betritt kein gewöhnliches Merchandising-Portal. Vielmehr wirkt das digitale Kaufhaus wie ein kuratiertes Paralleluniversum – eine visuelle und materielle Verlängerung dessen, was politisch unter dem Schlagwort „Make America Great Again“ firmiert.
US-Präsident Donald Trump war kürzlich so verärgert über das Schuhwerk von US-Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio, dass er ihnen neue kaufte. Jeweils vier Paar, wie die New York Times berichtete. Vance und Rubio präsentierten die Schuhe später stolz vor Reportern. Falls die beiden passende Schnürsenkel gebraucht hätten: Für 16 Dollar gibt es im Trump Store Schnürsenkel mit Trump-Aufdruck in den US-amerikanischen Nationalfarben.

Selbst die Schnürsenkel tragen den Namen.
Wie der Trump Store eine Ideologie als Lifestyle verkauft
In der ersten Szene des Dokumentarfilms „Melania“ fährt die Kamera langsam über das Meer. Ruhig, fast ehrfürchtig nähert sie sich schließlich Mar-a-Lago, dem Anwesen von Donald Trump in Palm Beach, Florida. Cremefarbener Putz, rote Ziegel, perfekt geschnittene Rasenflächen und Palmen, die eine fast schon romantische Kulisse bilden. Von außen wirkt alles leicht und erinnert an Dolce Vita.

Mar-a-Lago zeigt sich mediterran leicht, mit Palmen, roten Ziegeln und perfekt geschnittenen Rasenflächen.
Das Interieur hingegen wirkt schlossartig mit seinen Marmorböden, edlen Kronleuchtern und verzierten Decken. Mar-a-Lago steht nicht nur für Reichtum oder Rückzug. Es steht für eine gesamte Lifestyle-Welt. Für eine zeitlose, elegante Ästhetik mit hohem Wiedererkennungswert: Gold, Glamour, klare Linien und eine Form von Luxus, die nicht auffallen muss. In der Mode nennt man das „Quiet Luxury“.

Im Inneren wirkt Mar-a-Lago schlossartig, mit viel Gold, Marmorböden und opulenten Kronleuchtern.
Diese Ästhetik funktioniert weit über Florida hinaus und lässt sich gut verkaufen. Wer sich durch den Trump Store klickt, merkt schnell, dass es hier um mehr geht als um Fanartikel, die man aus Wahlkämpfen kennt. Man kann sich hier nicht nur einkleiden, sondern gleich ein ganzes Haus ausstatten. Ein lackiertes Schneidebrett aus Akazienholz, das glänzt wie karamellisierter Zucker. Zwei Weingläser von Riedel, in die der Name des 45. und 47. Präsidenten eingraviert ist. Eine überdimensionierte Tafel Schokolade, in Gold verpackt und so bepreist, als handle es sich um ein Sammlerstück (für 86 Dollar). Dazu Badelatschen, Handtücher, Decken, Handtaschen, Schmuck, Hundenäpfe und Halsbänder. Wer möchte, kann sich abends unter eine Trump-Decke schlafen legen und morgens aus einer Trump-Tasse trinken.

Goldverpackte Schokolade mit Trump-Emblem
Der Eintritt in die MAGA-Lifestylewelt scheint erstaunlich einfach. Die Preise sind nicht absurd hoch, viele Produkte haben Stil und Witz zugleich. In den USA gehört das längst zum Alltag. Politik zeigt sich nicht nur in Reden und Debatten, sondern auch in Objekten, mit denen sich politische Zugehörigkeit signalisieren lässt.
Ziemlich cool. Oder doch absurd?
Beim Durchstöbern fallen außerdem zahlreiche Kollektionen auf: Valentinstag, Winterkollektion, American Revival, Made in America, MAGA, Golden Age of America, Trump Social Club und Mar-a-Lago. Dazu kommen eigene Bereiche für Mode, Golf, Home & Spa. Es gibt Tausende Produkte. Vermutlich stammen viele davon nicht aus den USA, sondern aus China, auch wenn der Shop dazu keine klare Auskunft gibt.

Die rote Kappe war einmal der Höhepunkt der MAGA-Symbolik. Heute wirkt sie fast grob. Die neuen Kappen arbeiten mit gedeckteren Tönen und kleinem Emblem.

Spa-Set: Bademantel- und Pflegeset mit Trump-Branding

Glitzer-Clutch mit Pailletten und Branding
Die Farben stimmen, die Sachen sehen gut aus, manches hat sogar Witz. Ist das einfach nur cool? Oder irgendwie doch absurd? Eine perfekt organisierte Produktwelt, die so aussieht, als ginge es allein um Ästhetik. Dabei ist das Prinzip nicht neu. Mode funktioniert genau so. Marken erzählen Geschichten, man erkennt sich darin wieder, manchmal reicht schon ein kleines Detail. Wer es versteht, gehört dazu.
Und dann kommt unweigerlich Donald Trump ins Spiel. Unternehmer, lange bevor er Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wurde. Jemand, der vielleicht größenwahnsinnig ist, aber auch verstanden hat, dass sich Ideen besser durchsetzen, wenn sie gut aussehen und sich gut anfühlen.
Hier wird eine politische Ideologie nicht erklärt, sondern als Lifestyle gestaltet, sodass sie sich problemlos in den eigenen Alltag einfügt. So ganz nebenbei.
Lesen Sie auch: Trump, Politik und die Promis: Wer hält zu ihm – und wer hält dagegen?
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