Tiere als „Spione“: Was die antiisraelische Propaganda dem Geheimdienst Mossad andichtet
Ein Beitrag von
Die Verschwörungstheorie, Israel habe riesige Ratten in den Gazastreifen eingeschleust, die Kinder und Kranke angreifen sollen, ist die jüngste in einer langen Reihe von absurden Storys von Tieren im Dienste des Mossad. Lesen Sie hier, wer zu Wasser, zu Lande und in der Luft schon die Region ausspioniert haben soll.
Im Nahen Osten kursiert wieder einmal eine abenteuerliche Verschwörungstheorie: Israel soll „spezielle“ Ratten gezüchtet haben, um Palästinenser im Gazastreifen anzugreifen. Der Direktor der Palestine Broadcasting Corporation in Gaza, Rafat Al-Qudra, sagte dem Fatah-Sender Awdah TV, dass Israel Ratten gentechnisch verändert oder trainiert habe, schwache und schutzbedürftige Palästinenser anzugreifen.
Sie seien von „einer besonderen Art, sie sind groß und greifen insbesondere Kinder und Kranke an“. Auch Jamal Obeid, ein Mitglied des Obersten Führungsgremiums der Fatah im Gazastreifen, beschuldigte Israel, Ratten in zuvor nicht befallene Gebiete des Gazastreifens eingeschleust zu haben. Dies sei „eine Tatsache und nicht nur Medienpropaganda“.
Nicht die erste Ratten-Story
Schon in der Vergangenheit hatte die offizielle palästinensische Nachrichtenagentur Wafa Israel vorgeworfen, übernatürliche Ratten freizulassen, die selbst die mutigsten Katzen in die Flucht schlagen könnten, um die arabischen Bewohner der Altstadt von Jerusalem zum Wegzug zu bewegen. 2018 erklärte ein jordanischer TV-Moderator: „Die zionistische Entität sammelte alle Ratten mit der Beulenpest in Norwegen und setzte sie in den ägyptischen Provinzen nahe Sinai aus.“ Er behauptete, die Tiere zerstörten Ernten und Getreidespeicher und würden sogar Kinder angreifen.

Allerlei Horror-Geschichten drehen sich um den Einsatz von Ratten.
Die Riesenratte, die vulnerable Personen im Gazastreifen attackieren soll, ist die jüngste Kreatur im Verschwörungskosmos der arabischen Welt. Obwohl der Hightech-Staat Israel dafür bekannt ist, mittels innovativer Technologie seine Feinde zu orten, zu überwachen und auszuschalten, machen seit etlichen Jahren Behauptungen die Runde, der Geheimdienst Mossad setze alle möglichen Tiere zur Spionage ein – oder um die Palästinenser zu drangsalieren.
Neuerdings behaupten auch palästinensische Terroristen, in israelischen Gefängnissen von speziell darauf abgerichteten Hunden „vergewaltigt“ worden zu sein, eine Horror-Story, die von vielen Israel-Hassern für bare Münze genommen wird, obwohl das unterstellte Verbrechen nach Aussagen von Experten schon anatomisch unmöglich ist.
Haie und Delfine als Unterwasser-Kämpfer
Im Dezember 2010 kam es in der Naama-Bucht des ägyptischen Badeorts Scharm el-Scheich im Sinai zu Hai-Angriffen auf Menschen, eine deutsche Touristin starb, mehrere Urlauber wurden verletzt. Der zuständige Gouverneur des Süd-Sinai hatte gleich eine Erklärung parat, die er im Fernsehen vortrug: Der israelische Geheimdienst Mossad steuere die Haie via GPS-Sender, um dem Tourismussektor in Ägypten, einem Land, mit dem Israel vor Jahrzehnten einen Friedensvertrag abgeschlossen hat, zu schaden.
Diese Idee sei „nicht ausgeschlossen“ und müsse überprüft werden. Obwohl die Erklärung Nonsens war – mit GPS-Geräten könnten Haie zwar verfolgt, nicht aber gesteuert werden –, fiel sie in der Region, in der man Israel alles zutraut, auf fruchtbaren Boden. Das israelische Außenministerium reagierte darauf mit der trockenen Bemerkung, der Gouverneur habe offenbar „Der weiße Hai“ einmal zu oft gesehen.
Im Jahr 2015 behauptete die palästinensische Terrororganisation Hamas, vor der Küste des Gazastreifens einen israelischen Spionage-Delfin gefangen zu haben, der mit technologischem Equipment ausgestattet gewesen sein soll. Die iranische Nachrichtenagentur Fars bezeichnete ihn als „israelischen Roboter-Delfin mit Spionageausrüstung einschließlich Videokameras“.

Sehen freundlich aus, werden aber laut Hisbollah gegen deren Kampfschwimmer eingesetzt.
Zugvögel mit GPS-Sendern unter Verdacht
Es ging auch die Nachricht um, er sei mit tödlichen Pfeilen ausgerüstet gewesen. Die Hamas erklärte, der Delfin sei vom Feind eingesetzt worden, „um Mitglieder unserer Seestreitkräfte im Meer aufzuspüren“. Die palästinensische Zeitung al-Quds schrieb: „Israel hat nicht bei den blutigen Angriffen auf Gaza Halt gemacht. Nun hat es ein Wassertier, den für seine Freundschaft mit Menschen bekannten Delfin, rekrutiert, um Qassam-Kampfschwimmer zu töten.“
Zu Wasser, zu Lande und in der Luft sollen gefiederte, geschuppte und behaarte Kreaturen im Dienst der Israelis stehen. Zwar ist es eine Tatsache, dass die israelische Armee auch Tiere einsetzt: Spürhunde, aber auch Lasttiere wie Maultiere und Kamele, die Ausrüstung in schwierigem Gelände transportieren. Lamas werden für Spezialoperationen genutzt, da sie Soldaten vor Wärmesensoren verbergen können. Mit den fantastischen Geschichten aus Tausendundeiner Nacht haben sie allerdings nichts zu tun.
Etwa mit denen von spionierenden Vögeln. So berichteten saudi-arabische Medien Anfang 2011 von einem Gänsegeier, bei dem ein GPS-Sender entdeckt wurde, und behaupteten, er sei Teil einer zionistischen Verschwörung, der Mossad habe ihn zu Spionagezwecken über die Grenze geschickt. Das arme Tier war allerdings lediglich Teil eines wissenschaftlichen Projekts zur Erforschung von Wanderungsbewegungen. Es bedurfte eines Prinzen, der die Bevölkerung darüber aufklärte, dass solche Ortungsgeräte in vielen Ländern verwendet werden.
Was wollte der Turmfalke in der Türkei?
2013 entdeckten Dorfbewohner in der türkischen Provinz Elazığ einen Turmfalken mit einem israelischen Fußring. Mitarbeiter der Firat-Universität bezeichneten den Vogel zunächst in ihren Unterlagen als „israelischen Spion“. Röntgenaufnahmen und weitere Tests ergaben jedoch, dass keine elektronische Ausrüstung vorhanden war, und man ließ den Vogel wieder frei.
Ein Jahr zuvor war nahe Gaziantep ein toter Bienenfresser mit hebräisch beschriftetem Ring gefunden worden. Dorfbewohner vermuteten einen Mikrochip des israelischen Geheimdienstes und alarmierten die Behörden. Der Leiter der regionalen Landwirtschaftsbehörde erklärte sogar, die Nase des Vogels sei „anders und viel leichter“ als bei anderen Vögeln und könne „für Audio- und Videoaufnahmen verwendet werden“, was Israel tue.
Im Dezember 2012 berichtete eine sudanesische Zeitung, die Regierung habe in Kereinek einen Geier gefangen, der ein israelischer Spionagevogel sei. Wieder war es ein GPS-Sender, der Argwohn erregte. Der israelische Ornithologe Ohad Hazofe sagte ynet, der Geier sei mit hundert anderen Vögeln markiert worden: „Ich bin kein Geheimdienstexperte, aber was sollte man lernen, wenn man eine Kamera an einen Geier befestigt? Man kann ihn nicht steuern. Das ist keine Drohne, die man irgendwohin schicken kann. Welchen Nutzen hätte es, einem Geier dabei zuzusehen, wie er die Innereien eines toten Kamels frisst?“
Marodierende Wildschweine in der Westbank?
2013 fiel ein Adler aus einem wissenschaftlichen Forschungsprojekt der Universität Tel Aviv der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah in die Hände. Diese erklärte, der Greifvogel sei angeblich einer von vielen Vögeln, die Israel mit GPS-Sendern zur Informationsbeschaffung in die umliegenden Länder geschickt habe. Drei Jahre später wurde im libanesischen Dorf Bint Dschubail erneut ein markierter Gänsegeier wegen Spionageverdachts eingefangen. Der Vogel wurde mit einem Seil festgebunden und von Sicherheitskräften auf Abhörgeräte untersucht. Soldaten der UN-Friedenstruppe brachten ihn schließlich nach Israel zurück.

Gänsegeier gerieten im Libanon unter Spionageverdacht.
Abenteuerlich sind auch die Geschichten, die sich um marodierende Wildschweine drehen. Siedler im Westjordanland schickten angeblich Wildschweine los, um Setzlinge und Obstbäume arabischer Bauern auszugraben und die Bewohner zu terrorisieren. Ende 2022 berichtete die offizielle palästinensische Zeitung Al-Hayat Al-Jadida, ein Dorfältester aus Khirbet Yanun bei Nablus habe behauptet, israelische Rinder seien „rekrutierte und ausgebildete Spione“: „An jedem Hals hängt ein Medaillon mit Abhör- und Aufzeichnungsgeräten und manchmal Kameras, um jedes Detail in Khirbet Yanun zu überwachen.“
Im Iran meint man, die geheimen Atomanlagen selbst vor Reptilien beschützen zu müssen. Im Februar 2018 beschuldigte Hassan Firouzabadi, damals Militärberater des inzwischen getöteten iranischen „Revolutionsführers“ Ali Khamenei, westliche Staaten einschließlich Israels, iranische Atomanlagen mithilfe von Echsen und Chamäleons (!) auszuspionieren: „Wir haben herausgefunden, dass ihre Haut Atomwellen anzieht und dass sie Nuklearspione waren.“

Auf Horchposten? 2007 wurden im Iran 14 Eichhörnchen in der Nähe von Atomanlagen festgenommen.
Iran: Eichhörnchen kundschafteten Atomanlagen aus
Laut iranischen Medienberichten wurden im Oktober 2008 in der Nähe der iranischen Atomanlage in Natanz zwei mutmaßliche „Spionage-Tauben“ aufgegriffen. Einem Bericht der Zeitung Etemad Melli zufolge fanden Sicherheitskräfte an den Vögeln Metallbänder und unsichtbare Schnüre. Was mit den Vögeln geschah, wurde nie geklärt.
Das wohl skurrilste Ereignis datiert von 2007. Damals verhaftete die iranische Armee ein Team von 14 „Spionage-Eichhörnchen“, das in der Nähe einer Anlage zur Urananreicherung aufgespürt wurde. Beamte erklärten, sie hätten die Verdächtigen festnehmen können, „bevor sie irgendeine Aktion durchführen konnten“. Angeblich trugen die Eichhörnchen mit der Lizenz zum Nagen kleine Aufnahme- oder Funkgeräte bei sich, die zum Abhören verwendet wurden.
Die lange Reihe der absurden Geschichten dürfte längst noch nicht abgeschlossen sein.
Lesen Sie dazu auch: Nicht vergessen, nicht verzeihen: Der Mossad ist der beste Geheimdienst der Welt
Mehr NIUS:
Autofahrer rast in Grundschulgruppe: Vier Tote (drei Kinder, ein Betreuer) – 19-Jähriger festgenommen!
Belfast: Wieder Ausschreitungen wegen Messer-Attacke, Schulen geschlossen, Polizei setzt Wasserwerfer ein
USA bombardieren Iran erneut – Iran meldet Sperrung der Straße von Hormus
Nach Messerattacke durch Sudanesen: Belfast in Flammen
Trotz Waffenruhe: USA und Iran liefern sich neue Angriffe in Golfregion
Trump kündigt „vollumfänglichen Sieg“ gegen Iran innerhalb von 14 Tagen an
Britische Times deckt auf: Polizei wollte Henry Nowak nach seinem Tod als Angreifer darstellen
Militär meldet Raketen aus Iran und dem Jemen: Israel schlägt gegen Iran zurück
Mehr NIUS:
Nach Messerattacke durch Sudanesen: Belfast in Flammen
Trotz Waffenruhe: USA und Iran liefern sich neue Angriffe in Golfregion
Trump kündigt „vollumfänglichen Sieg“ gegen Iran innerhalb von 14 Tagen an
Britische Times deckt auf: Polizei wollte Henry Nowak nach seinem Tod als Angreifer darstellen
Militär meldet Raketen aus Iran und dem Jemen: Israel schlägt gegen Iran zurück
Europas Institutionen räumen die Identität ab
USA: Libanon und Israel wollen Waffenruhe umsetzen
Deutschland fällt bei Wahl in UN-Sicherheitsrat durch
Claudio Casula
Artikel teilen
Kommentare