NZZ-Journalistin Gaschke über die RKI-Files: „Man hat mit Angst von Regierungsseite Politik gemacht“
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1000 Seiten umfassen die Protokolle, die interne Besprechungen des Corona-Krisenstabs offenlegen. Lange wurden diese unter Verschluss gehalten. Doch das Online-Magazin Multipolar klagte nun erfolgreich dagegen. Die Mitschriften beginnen Anfang des Jahres 2020 und enden im April 2021.
Entscheidende Textstellen sind geschwärzt und dennoch sind die Protokolle schon jetzt ein wichtiges Dokument für den Wahnsinn, der sich über die Pandemie-Jahre in Deutschland abspielte. Denn das dem Gesundheitsministerium unterstellte Robert Koch-Institut (RKI) hielt offenbar absichtlich wissenschaftliche Erkenntnisse geheim. So ist am 16. Dezember, zu Beginn des zweiten Lockdowns, Folgendes vermerkt: „Lockdowns haben zum Teil schwerere Konsequenzen als Covid selbst.“ Das RKI vertrat öffentlich jedoch die Ansicht, massenhafte Schließungen seien DER Weg, um das Virus zu stoppen.

Ein Screenshot aus den Protokollen.
RKI-Protokolle halten FFP2-Masken für ungeeignet
Auch über FFP2-Masken diskutiert der Corona-Krisenstab intern kritisch. „FFP2-Masken sind eine Maßnahme des Arbeitsschutzes. Wenn Personen nicht geschult/qualifiziertes Personal sind, haben FFP2-Masken bei nicht korrekter Anpassung und Benutzung keinen Mehrwert.“ Und: „Es gibt keine Evidenz für die Nutzung von FFP2-Masken außerhalb des Arbeitsschutzes, dies könnte auch für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.“ Kurz darauf, im Oktober 2020, wird die bundesweite Maskenpflicht verschärft, teils FFP2-Masken eingeführt.
NZZ-Autorin Susanne Gaschke dazu im Nachrichten-Talk „Stimmt!“: „Es ist interessant zu sehen, wie sehr das gesteuert worden ist und offensichtlich immer Richtung Panik“. Dass eine Regierung eine panische Bevölkerung beruhigt, sei normal. Dass eine Regierung und ihre Behörden stets vom Schlimmsten ausgehen, wiederum fragwürdig. „Es wurde immer gern die härteste Maßnahme ausgewählt“, so Gaschke. „Das finde ich rückblickend ein großes Problem“.

NZZ-Journalistin Susanne Gaschke bei „Stimmt!“
„Maßnahmen wurden immer weiter eskaliert“
Zu Anfang der Pandemie sei Vorsicht geboten gewesen. Als jedoch klar war, die Lage ist weniger dramatisch als gedacht, hätte umgesteuert werden müssen. „Die Maßnahmen wurden aber immer weiter eskaliert. Die Lockdowns wurden länger, die Rhetorik wurde härter, die Parlamente, sowohl der Bundestag als auch die Landtage, haben sich meiner Meinung nach einer vernünftigen Diskussion über die epidemische Lage nationaler Tragweise permanent verweigert“, stellt die NZZ-Journalistin fest.
Das habe das Vertrauen in die Demokratie massiv geschädigt. Jetzt gehe es nicht um Schuldzuweisungen, sondern um Aufarbeitung. „Ich finde man darf fragen, wer war da die treibende Kraft, wer war auch besonders hartleibig?“ Schließlich sei die Pandemie eine Negativ-Schablone für die Politik, um erneut Grundrechte zu übergehen. „Man hat mit Angst von Regierungsseite Politik gemacht“. Und das sei nicht in Ordnung, so Gaschke. „Und da muss man die Verantwortlichen auch mal benennen dürfen“.
Die ganze Folge „Stimmt!“ gibt es hier:
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