US-Gesundheitschef: „Bedauerlich, dass Drosten lieber mit Beleidigungen um sich wirft, als sich mit der Realität auseinanderzusetzen“
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Der neue Direktor des US-Gesundheitsinstituts NIH, Stanford-Professor Jay Bhattacharya (57), hat im Interview mit Bild scharfe Kritik an der Pandemiepolitik westlicher Länder geübt – und dabei auch gegen den deutschen Virologen Christian Drosten schwere Vorwürfe erhoben.
„Ich finde es bedauerlich, dass jemand wie Christian Drosten lieber mit Beleidigungen um sich wirft, anstatt sich mit der Realität auseinanderzusetzen“, so Bhattacharya.
„Mein Fachgebiet ist die Epidemiologie und Gesundheitspolitik. Die Folgen von Maßnahmen wie Lockdowns für die globale arme Bevölkerung zu verstehen, gehört eindeutig zu meinem Kompetenzbereich. Bei einer so groß angelegten Antwort (auf den Covid-Ausbruch, d. Red.) zu behaupten, man müsse Virologe sein, um beurteilen zu können, was zu tun ist, halte ich für einen schweren Fehler.“
Hintergrund ist ein früherer Streit, bei dem Drosten Kritiker der Lockdowns als „Pseudo-Experten“ bezeichnet hatte.

Robert F. Kennedy Jr. (rechts hinter Trump) ist Gesundheitsminister in Trumps Kabinett.
Bhattacharya, der während der Pandemie Schulschließungen und Lockdowns entschieden ablehnte, leitet heute die zentrale US-Behörde für biomedizinische Forschung. Im Interview forderte er: „Abweichende Stimmen müssen gehört werden. Es darf niemals akzeptabel sein, dass die Regierung Meinungen unterdrückt.“
„Fast diktatorische Befugnisse“
Als eine der größten Fehlentscheidungen der Pandemie bezeichnete er die langandauernde Schließung von Schulen. Länder wie Schweden hätten gezeigt, dass es auch anders gehe.
„Man muss die besonders gefährdeten Menschen identifizieren und gezielt schützen. Eine gesamtgesellschaftliche Reaktion wie 2020 kann nicht funktionieren – weil Gesellschaften zutiefst ungleich sind. Gerade arme Menschen können die Maßnahmen von 2020 oft gar nicht einhalten. Die Ärmsten der Welt können sich keine Lockdowns leisten. Man muss sich auf das Machbare konzentrieren, nicht auf Fantasien aus Computermodellen.“
Bhattacharya kritisierte auch die WHO und andere Gesundheitsbehörden, denen er vorwirft, „fast diktatorische Befugnisse“ gefordert zu haben – inklusive Bewegungs- und Meinungsbeschränkungen. Eine Pandemie lasse sich nur mit einem breiten Spektrum wissenschaftlicher Perspektiven bewältigen – nicht allein mit virologischem Fachwissen.
Auf die Frage, ob er zu einer öffentlichen Debatte mit Drosten bereit wäre, antwortete Bhattacharya: „Ich habe während der gesamten Pandemie wissenschaftlich debattiert – auch mit Andersdenkenden, nicht nur über Lockdowns, sondern auch über Impfpflicht, Meinungsfreiheit und mehr. Ich wäre sehr gerne dazu bereit.“
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