1500 Jobs weg: Die Wahrheit hinter dem Michelin-Aus in Karlsruhe
Ein Beitrag von
- Michelin stellt bis Ende 2025 die Produktion in deutschen Werken ein, betroffen sind über 1500 Beschäftigte an den Standorten Karlsruhe, Trier und Homburg.
- Der Import von Lkw-Billigreifen sowie steigende Produktionskosten setzen nennt der Hersteller als Gründe für die Entscheidung.
- Das Kundenkontaktzentrum wird von Karlsruhe nach Polen verlegt.
Der französische Reifenhersteller Michelin reagiert mit einem weitreichenden Stellenabbau auf steigende Produktionskosten und Konkurrenz aus Niedriglohnländern. Das Unternehmen werde die Produktion an den Standorten Karlsruhe und Trier sowie die Lkw-Neureifen- und Halbfabrikat-Fertigung im saarländischen Homburg bis Ende 2025 schrittweise einstellen. Davon sind rund 1.500 Beschäftigte in Deutschland betroffen. Zudem wird Michelin sein Kundenzentrum von Karlsruhe nach Polen verlagern.

„Schwarze Reifen – grüne Herstellung“ schrieb Michelin 2021 über das Werk Karlsruhe. Die gestiegenen Energiekosten lassen die Perspektiven für Hunderte Mitarbeiter nun duster aussehen.
Diese Gründe nennt Michelin für den Job-Abbau
Als Grund für den Stellenabbau gab Michelin den Import von Lkw-Billigreifen aus Niedriglohnländern sowie steigende Produktionskosten an, die das Unternehmen unter Druck setzten, Marktanteile schwinden ließen und die Wettbewerbsfähigkeit mindere. Der größte europäische Produktionsstandort von Michelin für die Runderneuerung von Lkw-Reifen in Homburg und das Pkw-Reifenwerk in Bad Kreuznach seien nicht betroffen, betonte das Unternehmen. Die Produktion an diesen Standorten werde fortgeführt.
Zu hohe Strompreise und falsche Subventionen auch als Grund?
Der Standort Karlsruhe, der bereits 1931 gegründet wurde, galt in der Reifenindustrie als besonders moderner Standort. Bereits 2021 verkündete Michelin, dass man am Standort Karlsruhe 82 Prozent weniger CO2 ausstoßen würde als noch im Jahr 2010. Das habe man unter anderem mit der Umstellung auf elektrische Vulkanisationspressen erreicht.

Herkömmliche Vulkanisationspressen, die mit Dampf und heißem Wasser erhitzt werden, sind um das sechsfache energieintensiver.
Konventionelle Vulkanisationspressen wurden mit Energie aus Gas beheizt. In sozialen Medien kursieren die Gerüchte, dass Subventionen für diese Elektrifizierung des Werkes falsche Anreize gesetzt haben. Nun kämpfte Michelin mit einem Strompreis, der im Jahr 2022 etwa doppelt so hoch ausfiel wie im Jahr zuvor. Im Jahr 2021 verkündete Michelin noch stolz, dass auf einer Gesamtfläche von 53.600 Quadratmetern eine Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von rund 2,3 Megawatt-Peak die Zukunftsfähigkeit des Standorts Karlsruhe weiter unterstreichen würde.
Reifenindustrie unter Druck durch Standortvorteile der Konkurrenz
Erst kürzlich hatte der US-Konzern Goodyear angekündigt, die Reifenproduktion in Fürstenwalde einzustellen und sein Werk in Fulda zu schließen. Davon seien rund 1800 Arbeitsplätze betroffen. Die Reifenproduktion ist besonders energieintensiv.
Mehr NIUS:
10-Millionen-Euro-Windrad in Sachsen wird nach nicht einmal drei Jahren abgerissen
Zehn krasse Aussagen früherer Autoren und Gutachter des Weltklimarats
Schweden plant neue Atomkraftwerke
Neues Gutachten: Fracking könnte ein Viertel des deutschen Gasbedarfs decken
Speicherbetreiber warnen vor Unsicherheit bei Gas-Versorgung
Experte: „Schaltet eure PV-Anlage ab!“ Um 14 Uhr kostet eine Megawattstunde Strom MINUS 500 Euro
Iran blockiert „Straße von Hormus“ und greift Produktionen an: Preise für Öl und Gas gehen durch die Decke
Januar-Rekord trotz leerer Gas-Speicher! Seit AKW-Aus steigt Gas-Verbrauch bei Strom-Erzeugung rasant
Mehr NIUS:
Neues Gutachten: Fracking könnte ein Viertel des deutschen Gasbedarfs decken
Speicherbetreiber warnen vor Unsicherheit bei Gas-Versorgung
Experte: „Schaltet eure PV-Anlage ab!“ Um 14 Uhr kostet eine Megawattstunde Strom MINUS 500 Euro
Iran blockiert „Straße von Hormus“ und greift Produktionen an: Preise für Öl und Gas gehen durch die Decke
Januar-Rekord trotz leerer Gas-Speicher! Seit AKW-Aus steigt Gas-Verbrauch bei Strom-Erzeugung rasant
Speicher auf Rekord-Tiefstand! Experte: „Eine Gas-Mangellage ist nicht mehr abzuwenden“
Bundesregierung plant teure Grüngas-Quote: 178 Euro Mehrkosten fürs Gas
10 Gründe, um zum zehnten Jubiläum aus dem Pariser Klima-Abkommen auszusteigen
Redaktion
Artikel teilen
Kommentare