Bayerische Behörde genehmigt Sprengung von reaktivierbarem Atomkraftwerk
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- Die beiden Kühltürme des bayerischen Atomkraftwerks Gundremmingen werden noch in diesem Jahr gesprengt.
- Dabei teilte ein AKW-Dienstleister noch vor wenigen Wochen mit: „Wir sehen eine realistische Comeback-Möglichkeit.“
- Im CSU-geführten Freistaat gibt es trotzdem die Genehmigungen für den Rückbau.
Egal, ob von der Autobahn 7 oder von der Autobahn 8: Die beiden Kühltürme des AKW Gundremmingen sind bereits aus der Ferne erkennbar und weisen den Weg dorthin. „Sie waren nicht nur für die Gemeinde, sondern für die ganze Region ein Zeichen, nachdem sie in den 1980er Jahren erbaut wurden“, zitiert die Augsburger Allgemeine den Bürgermeister Tobias Bühler (CSU). Er kündigte in der vergangenen Woche bei einer Gemeinderatssitzung an: Es werde noch etwa ein halbes Jahr dauern, dann seien die Kühltürme verschwunden.

Bis zum Jahr 2030 will RWE Gundremmingen vollständig zurückgebaut haben.
Die Betreiber des AKW (PreussenElektra GmbH und RWE Nuclear GmbH) planen eine Sprengung der Kühltürme.
Ein genauer Zeitpunkt sei jedoch noch nicht bekannt. Bis zum 31. Dezember 2021 war das Kernkraftwerk Gundremmingen am Netz, lieferte mit zwei Blöcken (Block B wurde bereits 2017 abgeschaltet) etwa 2700 Megawatt Strom. Das reichte, um mehr als 5,5 Millionen Haushalte durchgehend mit Strom zu versorgen.
RWE erhielt Genehmigung für Abbau
RWE hatte bereits im Mai 2024 vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz die dritte und damit letzte atomrechtliche Genehmigung zur Stilllegung und zum Abbau des ehemaligen Kernkraftwerks Gundremmingen erhalten. Zuvor gab es bereits Teilgenehmigungen zum Abbau nicht mehr benötigter Anlagenteile. Damals freute sich Anlagenleiter Dr. Heiko Ringel: „Die Genehmigungserteilung ermöglicht uns die nahtlose Fortsetzung des unverzüglichen Abbaus gemäß geltendem Atomgesetz und ist ein wichtiger Meilenstein bei unserem Rückbauvorhaben.“

Feierlicher Moment im Dezember 2021. V.l.n.r.: Dr. Heiko Ringel, Leiter Kernkraftwerk Gundremmingen, Gerhard Hackel, Leiter Produktion, Nikolaus Valerius, Kernenergievorstand RWE Power, Ulrich Schuster, Reaktorfahrer, auf der Schaltwarte von Block C. Sie drückten den roten Knopf für das Sammeleinfahren aller Steuerstäbe, so dass die nukleare Reaktion vollständig zum Erliegen kam.
AKW-Dienstleister: „Wir sehen eine realistische Comeback-Möglichkeit“
Die nun bekanntgewordenen Pläne zur Sprengung kommen zu einem brisanten Zeitpunkt. Vor wenigen Tagen sagte Thomas Seipolt, Chef des AKW-Dienstleisters Nukem, der Bild-Zeitung: „Wir sehen eine realistische Comeback-Möglichkeit für die Atomkraft und machen der neuen Bundesregierung daher ein Angebot.“ Die sechs Atomkraftwerke, die 2021 und 2023 vom Netz genommen worden sind, könnten bis 2030 wieder in den Betrieb gehen. Bedingung: Man müsse den Rückbau sofort stoppen. Denn die Instandsetzung koste etwa eine bis drei Milliarden Euro pro Kraftwerk. Man hätte so wieder „wettbewerbsfähigen Strom für die Industrie und Unabhängigkeit von Importen“, sagt Seipolt.
Unions-Wahlkampf: Kernenergie kommt zurück
Die Worte des Experten sollten bei den Koalitionsverhandlungen mit der SPD eigentlich für Rückenwind für die beiden Union-Parteichefs Markus Söder und Friedrich Merz sorgen. Sie schrieben in ihrem Wahlprogramm fest:
„Wir halten an der Option Kernenergie fest. Dabei setzen wir auf die Forschung zu Kernenergie der vierten und fünften Generation, Small Modular Reactors und Fusionskraftwerken. Die Wiederaufnahme des Betriebs der zuletzt abgeschalteten Kernkraftwerke prüfen wir.“

Vor dem AKW Isar 2 posierte Markus Söder noch für einen kernenergiefreundlichen Kurs der Politik.
Ein reaktivierter Atom-Meiler wie in Gundremmingen könnte bei Reaktivierung bis mindestens zum Jahr 2050 Strom produzieren. Ohne Kühltürme wird eine „Wiederaufnahme des Betriebes“ – wie es im CSU-Wahlprogramm heißt – jedoch merklich unrealistischer.
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Philippe Fischer
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