Der Irrsinn hinter der Energiewende: Erst werden Kraftwerke gesprengt, jetzt gefordert
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Deutschland fehlen Kraftwerke, sehr viele Kraftwerke.
Allein Baden-Württemberg benötigt bis zum Jahr 2030 etwa zehn bis 15 neue Anlagen, die bis zu 6,5 Gigawatt Strom liefern – sollten Wind und Sonne ausfallen. Das fordert der Chef des Netzbetreibers TransnetBW, Werner Götz. Andernfalls würde es für die Verbraucher teuer.

Werner Götz, Vorsitzender der Geschäftsführung der TransnetBW.
Demgegenüber steht eine wichtige, günstige und nahezu klimaneutrale Stromquelle, die ein Viertel des Problems lösen könnte, die allerdings vor erst drei Jahren medienwirksam in die Luft gesprengt wurde: das Kernkraftwerk Philippsburg.
Mit seinen knapp 1,5 Gigawatt Leistung hatte das Kraftwerk bis Ende 2019 noch 13 Prozent des Stroms in Baden-Württemberg geliefert – egal ob die Sonne schien oder der Wind wehte.
Energiewende braucht Backup-Kapazitäten
Die politischen Entscheidungen zum Ausstieg aus Kernenergie und Kohle würden zwar effizient umgesetzt, so Götz zum SWR, „parallel braucht es aber dann eine Kraftwerksstrategie, die Backup-Kapazität sicherstellt.“ Er zeigt sich optimistisch, dass das unter der Ampel-Regierung funktionieren könnte. Zunächst sollen diese mit Gas, bis 2035 mit grünem, also CO2-neutralem Wasserstoff betrieben werden.
Heißt: Um die „Energiewende“ zu schaffen, müssen die Kraftwerkskapazitäten als Backup neu aufgebaut werden, die zuvor abgeschaltet und in die Luft gesprengt wurden – und sogar noch viel mehr.
Wind und Sonne haben „große Ausfallzeiten“
Hintergrund: Es muss immer exakt so viel Strom produziert werden, wie aktuell verbraucht wird – regionale Unterschiede miteingeschlossen. Da Wind und Sonne aber nicht immer verlässlich verfügbar sind, mal zu viel, mal zu wenig Strom liefern, braucht es Ausgleich durch Strom-Importe oder Backup-Kraftwerke. Im Fachjargon nennt man das Redispatch.

Keine Sonne, kein Wind: inaktive Windräder nördlich von Bitterfeld-Wolfen.
„Bei den Energiequellen Wind und Sonne war immer klar, dass diese volatil sind und große Ausfallzeiten mit riesigen Energiespeichern auszugleichen sind“, erklärt André Thess, Professor für Energiespeicherung an der Universität Stuttgart, gegenüber NIUS.
„Als Speicherkapazität für Batterien, Wärmespeicher oder Wasserstoff wären Gigawattstunden-, wenn nicht gar Terrawattstunden-Größenordnungen notwendig – diese gibt es aber heute nicht einmal im Ansatz und es ist unklar, ob und zu welchen Kosten dies künftig möglich sein wird.“

Prof. Dr. André Thess ist ebenfalls als Direktor des Institutes für Technische Thermodynamik in Stuttgart tätig.
Lösung: vorhandene, sichere Atomkraftwerke
Neben der Speicher-Problematik wird aber auch die Steuerung des Stromnetzes immer komplexer: Denn zu den wechselnden Wetterverhältnissen kommen noch zahllose neue Stromproduzenten hinzu, die die Netzbetreiber nicht steuern können: „Mehrere Millionen Anlagen in Deutschland gehorchen nicht mehr unserem Befehl, sondern produzieren nur dann, wenn die Außenbedingungen – also Sonne und Wind – es ermöglichen“, so Götz.
Damit gemeint sind kleine Wind-Parks und Photovoltaik-Anlagen auf Dächern privater Häuser. Wenn die Sonne scheint und der Wind weht, liefern alle Strom – viel zu viel. Nachts und bei Windstille liefert niemand Strom, obwohl genauso viel wie sonst auch gebraucht wird. Gas-Kraftwerke als Backup für die teils wochenlangen Ausfallzeiten von Wind und Sonne hält auch Professor Thess für „technisch plausibel“.
Der Experte sieht jedoch große ökonomische Risiken: „Zum einen ist unklar, in welchem Zeitraum und zu welchen Kosten so viele neue Kraftwerke – und wir sprechen hier nur von Baden-Württemberg – gebaut werden können. Darüber hinaus ist unsicher, woher und zu welchem Preis Gas importiert werden kann. Dasselbe gilt im nächsten Schritt für den grünen Wasserstoff, der in Zukunft eingesetzt werden soll: Es ist unklar, wo und zu welchem Preis dieser klimaneutrale Wasserstoff in großen Mengen verfügbar sein wird. Auch die Umrüstung der Gas-Kraftwerke ist sehr kostspielig.“
Viel billiger wäre gewesen: die vorhandenen und sicheren Atomkraftwerke weiter laufen lassen.

Am 31. Dezember 2021, kurz vor Mitternacht und dem neuen Jahr, speiste das AKW Grohnde zum letzten Mal Energie ins Netz.
Thess sagt weiter: „Ökonomisch gesehen wäre es mit Abstand das preiswerteste gewesen, die zahlreichen, voll funktionsfähigen und sicheren Atomkraftwerke am Netz zu behalten, die in den vergangenen Jahren abgeschaltet worden sind.“
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