EON-Chef Birnbaum kritisiert Energiewende als „extrem teuer“: „Wir haben eine saubere Planwirtschaft aufgesetzt“
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RedaktionDie sogenannte „Energiewende“ sollte Deutschland zu einem klimaneutralen Industriestaat umbauen – immer mehr Wirtschaftsbosse und Entscheider scheinen zu bemerken, dass dieser Plan scheitert. Auch Leonhard Birnbaum, der Chef des Energie-Konzerns EON, lässt kaum noch ein gutes Haar an dem grünen Projekt. Er spricht von „Planwirtschaft“, von Erneuerbaren, die wir gar nicht brauchen und von 15 Milliarden Euro, die man einsparen könnte.
Der EON-Chef räumt unter anderem mit dem Irrglauben auf, dass der Ausbau von viel Wind- und Solar-Kapazitäten per se gut sei:
„Wir bauen Erneuerbare, die ich nicht brauche in ein Netz, das es nicht verträgt. Und im Ergebnis bezahle ich dann im Netz Geld dafür, dass diese Kapazität, die ich gar nicht erst hätte bauen sollen, dann bitte nicht produziert, weil sie das Netz überlastet“, sagte Birnbaum im Podcast Table Today.
Birnbaum kritisiert die strikte Zielsetzung bei der Energiewende als „Planwirtschaft“, die der Realität nicht standhalte:
„Wir haben Ziele definiert für die Energiewende, darüber, was wir machen müssen, um 2045 klimaneutral zu sein. Die haben wir dann runtergebrochen in Unterziele. Wir haben eine saubere Planwirtschaft aufgesetzt. Jetzt stellen wir fest: Die Realität richtet sich nicht nach unseren Plänen – aber wir halten an diesen Plänen bisher fest und das ist einfach extrem teuer.“
Den Industrie-Strompreis, den sich die Bundesregierung zum Ziel gesetzt hat, um unter anderem die Stahl-Industrie zu stützen, hält Birnbaum für gefährlich, weil das Kern-Problem – zu hohe Kosten wegen der Energiewende – damit nur zeitweise kaschiert werde:
„Es ist ein sehr schwieriges Instrument, weil es ist erstens unglaublich teuer und zweitens deckt es die strukturellen Probleme temporär zu. Die Gefahr ist, dass man glaubt, das Problem dadurch zu lösen. Wenn wir die Energiewende so weiter betreiben, wie wir sie bisher betreiben, dann kommen jedes Jahr weitere Kosten hinzu. Dann muss ich entweder die Subventionen für den Industrie-Strompreis erhöhen, oder ich kann es irgendwann doch nicht mehr erhöhen.“
Für die neue Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat Birnbaum viel Lob – jedoch würden ihre Vorschläge, die 15 Milliarden Euro einsparen könnten, ständig kritisiert:
„Was mich schon maßlos irritiert: Wir haben jetzt ein Monitoring von Frau Reiche auf dem Tisch. Irgendwas um die 15 Milliarden Euro pro Jahr könnten wir sparen, wenn wir das alles so machen würden. Und jetzt muss ich mich in jedem Gespräch dafür rechtfertigen, warum es vielleicht eine gute Idee ist, 15 Milliarden Euro zu sparen. Da denke ich: Lese ich die falschen Zeitungen? Ich habe das Gefühl, uns fehlt das Geld hinten und vorne, aber an dieser Stelle, da ist es wohl richtig, 15 Milliarden zum Fenster herauszuschmeißen. Das kann nicht richtig sein – für unsere Kunden auf keinen Fall.“
Birnbaum sieht Gegenwehr aus anderen Ministerien gegen die Vorschläge der Wirtschaftsministerin, denn er sagt: „Das Wirtschaftsministerium ist aus unserer Sicht auf dem richtigen Pfad unterwegs.“ Die Kritik an Reiche deutet Birnbaum als „interessengeleitete Kritik, um zu verhindern, dass es zu strukturellen Reformen kommt“.
Mit Blick auf die Mega-Schulden, die die Bundesregierung für das Sondervermögen aufgenommen hat, sagt Birnbaum, dass keine Reformen passiert seien und man dieser und folgenden Regierungen – sollten tatsächlich keine Reformen kommen – nie mehr Geld in die Hand geben dürfe:
„Da habe ich im Moment ein echtes Störgefühl, bei allen Sondervermögen. Im Moment haben wir die 500 Milliarden Euro zweimal verplant und 0 strukturelle Reformen in Sicht. Und wenn das so bleibt, dann hätte die Politik bewiesen, dass man ihr niemals Geld geben darf, weil sie ja im Endeffekt nichts damit anrichtet. Sie muss diese einmalige Chance, dass sie 500 Milliarden bekommen hat, jetzt nutzen für strukturelle Reformen. Ansonsten sollte man dieser und auch künftigen Regierungen nie wieder Geld geben.“
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