Die Chaos-Strom-Woche: Das passiert, wenn die Sonne scheint, aber kein Wind weht …
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Das größte Problem der sogenannten Energiewende: Wind und Sonne machen, was sie wollen. Genau so war es in der vergangenen Woche, denn die Sonne schien dauerhaft, während beinahe Windstille herrschte.
NIUS erklärt anhand von vier Fakten, wie diese Situation den Strommarkt durcheinanderwirbelt.
1. Viel Sonne gleich Strom mit Straf-Kosten
Die Sonne strahlte in der vergangenen Woche freudig. So sehr, dass an Nachmittagen über Stunden so viel Strom im Netz war, dass Strom meist wertlos war und die Netzbetreiber den Strom dringend ins Ausland verschenken (oder gar gegen Gebühr abgeben) mussten, um das Stromnetz nicht zu überlasten.
Es gibt in Deutschland nämlich mehr als zwei Millionen kleine Solar-Anlagen – etwas auf Hausdächern – die sich nicht aus der Ferne steuern lassen. Wenn die Sonne scheint, wird Strom eingespeist – ob dieser nun gebraucht wird oder nicht.

Solar-Anlagen produzierten vergangene Woche so viel Strom, dass dieser über Stunden mit Negativ-Preisen gehandelt worden ist.
Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag war sogar so viel Solarstrom im Netz, dass die Preise für Strom deutlich ins Negative gefallen sind. Am Sonntagmittag auf bis zu -135 Euro pro Megawattstunde. Das heißt: Deutschland musste anderen Ländern bis zu 13,5 Cent pro Kilowattstunde bezahlen, dafür, dass sie unseren unbrauchbaren Strom abgenommen haben. Am vergangenen Samstag war der Strompreis für rund fünf Stunden im negativen Bereich.
2. Während die Sonne lachte, war es die Woche über ziemlich windstill in Deutschland
Im Durchschnitt waren die mehr als 30.000 Windmühlen auf See und an Land vergangene Woche zu gerade einmal 6 Prozent ausgelastet. Heißt: Statt der theoretisch möglichen 11,7 Terawattstunden (TWh) Strom leistete die Windkraft nur rund 0,83 TWh.

So viel (oder wenig) hat Wind vergangene Woche zum Strombedarf (schwarze Linie) beigetragen.
Trotz des Sonnen-Stroms im Überfluss mussten Kohle und Gas die Lücke auffüllen und lieferten im Wochen-Durchschnitt 30 Prozent der inländischen Stromproduktion. Gerade am Abend und bei Nacht, wenn die Sonne nicht mehr schien, stieg die Quote teilweise auf 45 Prozent an (8. Mai, zwischen 2 und 3 Uhr). Das sorgte dafür, dass Deutschland am 6., 7. und 8. Mai je mehr als 400 Gramm CO2 pro Kilowattstunde Strom ausstieß – gut 20 Mal so viel wie Frankreich zur selben Zeit.
3. Ohne Importe noch mehr Kohle und Gas
Apropos Frankreich: Ohne massig Stromimporte – auch aus Frankreich (39 Prozent) – hätten noch mehr Kohle- und Gas-Kraftwerke einspringen müssen und hätten den CO2-Fußabdruck des Stromverbrauchs in Deutschland noch schlechter aussehen lassen. Die vergangene Woche war mit 1,144 Terawattstunden netto importiertem Strom aus dem Ausland die stärkste Import-Woche des laufenden Jahres. So viel Strom kam zuletzt Ende August 2023 aus dem Ausland nach Deutschland.
Das bedeutet nicht, dass Deutschland mit Blick auf die Versorgungssicherheit abhängig von ausländischem Strom wäre. Die inländischen Kohle- und Gaskapazitäten würde ausreichen, Deutschland jederzeit mit genug Strom zu versorgen. Die Importe sind jedoch klimaschonender und deutlich günstiger als Strom aus Kohle oder Gas.
4. Wertlos-Strom reißt Loch in den Bundeshaushalt
Das große Problem an Punkt 1) ist, dass die Besitzer von Solar-Panels weiterhin ihre staatlich zugesicherte Einspeisevergütung erhalten, selbst wenn der produzierte Strom nicht benötigt wird und im Ausland gegen eine Gebühr entsorgt werden muss. Und je mehr Solar-Anlagen verbaut werden, desto häufiger werden Wochen wie die vergangene auftreten.

Die beiden müssen das Milliarden Problem ausbaden: Robert Habeck als zuständiger Minister und Christian Lindner als Schatzmeister der Regierung
Früher wurde diese Differenz zwischen Einspeisevergütung und erzielter Erlöse am Strommarkt über die sogenannte EEG-Umlage auf der Stromrechnung finanziert. Die Ampel machte dies zu einem Posten im Bundeshaushalt und erlebt dieser Tage nun ihr grünes Wunder:
Weil die Strompreise günstiger sind als gedacht und somit die Lücke zwischen der Einspeisevergütung und den Einnahmen immer größer wird, werden die eingeplanten 10,6 Milliarden Euro im Haushalt bei Weitem nicht reichen.
Konservative Schätzungen gehen von einem Zusatzaufwand von weiteren 10 Milliarden Euro aus, andere Experten rechnen mit Zusatzkosten in Richtung von 20 Milliarden Euro – eine Lücke im Haushalt, die zu den bereits fehlenden Milliarden, die für Streit in der Regierung sorgen, noch hinzukommen.
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