Experte zu Photovoltaik-Ausbau: Habecks Pläne könnten schon bald zum Zusammenbruch der Netze führen
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Immer mehr Photovoltaik-Anlagen sollen nach Willen von Bundesregierung und EU die Dächer der Häuser bedecken. Doch selbst Experten, die der Energiewende aufgeschlossen gegenüberstehen, halten die Pläne für gefährlich, befürchten einen Zusammenbruch des Stromnetzes. Ein weiteres Problem: Die Einspeisevergütung, die Photovoltaik-Besitzer erhalten, führt dazu, dass immer weniger Menschen eine immer höhere Beitrags-Last zu stemmen haben.
Der massive Ausbau der Photovoltaik könnte schon bald gravierende Folgen haben, die im schlimmsten Fall zum Zusammenbruch des Netzes führen. Diese Einschätzung stammt nicht von einem Gegner der Energiewende, sondern von Christoph Maurer, Doktor der Ingenieurwissenschaften mit Lehrstuhl für Elektrische Energiesysteme an der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) in Erlangen.

Doktoringenieur Christoph Maurer von der FAU in Erlangen.
Maurer warnt: Bereits in ein bis zwei Jahren könnte das System kollabieren, wenn wir weiter ausbauen. Doch genau das hat Wirtschaftsminister Habeck vor. Laut dem im Mai verabschiedeten Solarpaket sollen bis 2030 weitere 215 Gigawatt Solarleistung zu den bislang installierten 35 bis 40 Gigawatt dazukommen.
Anlagenbesitzer erhalten Vergütung unabhängig davon, ob Strom gebraucht wird
Bei einem Vortrag an der Uni Bayreuth skizzierte Maurer Anfang Juli ein Szenario, das durchaus realistisch ist: An einem Pfingstsonntag haben wir typischerweise einen Bedarf, der bei etwa 40 Gigawatt (GW) liegt. Speisen alle Besitzer ihren Strom ins Netz ein, entsteht schnell eine Überspeisung.
Da Photovoltaik aber nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa ausgebaut wird, können wir einen möglichen Überschuss nicht einfach in ein anderes europäisches Land abführen. „Wir stehen mittlerweile tatsächlich vor einer Situation, in der wir uns ernsthafte Sorgen machen, dass es an einem extrem sonnigen Tag zu viel Strom im System hat, den wir nicht abgeregelt bekommen, weil wir keinen Zugriff auf die Anlagen haben“, erklärt Maurer.
Das Problem: Private PV-Besitzer, deren Anlagen weniger als 25 Kilowatt produzieren, können die Einspeisung ins Stromnetz nicht regulieren. „Es interessiert sie vermutlich auch nicht, ob ein massives Überangebot oder riesige Knappheit am Strommarkt herrscht, ob der Strompreis bei 3000 oder minus 500 liegt“, so Maurer. Die Einspeisevergütung richtet sich nicht nach dem tatsächlichen Wert des Stroms, sondern wird unabhängig vom Bedarf pro eingespeister Kilowattstunde gezahlt.

Auf immer mehr Hausdächern sind Solaranlagen angebracht.
Solange ein, zwei, fünf oder zehn Gigawatt an Leistung installiert war, sei das noch unproblematisch gewesen, erklärt Maurer. Mittlerweile aber fließen an sonnigen Tagen zur Mittagszeit zwischen 30 und 40 Gigawatt Leistung aus diesen nicht steuerbaren Anlagen ins System, vor allem 2023 wurde massiv zugebaut.
Überspeisung gefährdet Stabilität und Systemsicherheit
Die drohende Überspeisung gefährdet Stabilität und Systemsicherheit des Netzes. Maurers Einschätzung zufolge würde es zwar nicht sofort zum Blackout kommen, denn zunächst stiege die Frequenz im Synchronverbund der Stromnetze von Portugal bis in die Türkei an.
Die Photovoltaik-Anlagen reagieren auf eine Überfrequenz dann aber ab einem bestimmten Wert mit einem Notmechanismus, der verhindert, dass die Frequenz ungehindert steigt, bis es zum Blackout kommt: der Selbstabschaltung. Dann liefern sie plötzlich gar keinen Strom mehr.
Stromerzeuger müssten deshalb in Zukunft damit leben, dass für ihre Photovoltaik-Anlage die Frage eine Rolle spielt, ob der Strom, den sie da gerade produzieren, etwas wert ist, oder eben nicht, sagt Maurer. „Die Idee, ich produziere mal was und ob das was wert ist oder nicht, ist mir egal, ich bekomme zehn Cent dafür, das wird dauerhaft nicht funktionieren.“

So hoch ist zur Zeit der Anteil an Solarenergie am Mittag (gelb).
Photovoltaik-Anlagen machen Beiträge für andere Stromkunden teurer
Dieses bislang geltende Prinzip ist nicht nur aus Gründen der Netzüberlastung problematisch, sondern führt auch dazu, dass immer weniger Menschen eine immer höhere Beitrags-Last zu stemmen haben. Während Photovoltaik-Anlagen-Besitzer, die in der Regel besser situiert sind, attraktive Subventionen abgreifen, muss der andere Teil der Bürger – also diejenigen, die ihren Strom vom Versorger beziehen und in der Regel in Mietshäusern leben – immer mehr zahlen.
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Janina Lionello
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