Habeck will deutsche Kohle-Kraftwerke in der Ukraine wieder aufbauen
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Der Besuch in der Ukraine durch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) war von energiepolitischen Themen gezeichnet. Der Grünen-Politiker sprach über Windkraftanlagen, während die Ukraine einen Ausbau der Atomkraft plant.
Am Rande des Besuchs offenbarte Habeck dem ukrainischen Energieminister ein brisantes Angebot. „Er bot die Möglichkeit an, deutsche geschlossene Anlagen zu betrachten, die ebenfalls genutzt werden könnten“, sagte der ukrainische Energieminister Herman Haluschtschenko. Darüber berichtete die Ekonomicheskaja Pravda.
Auf NIUS-Anfrage schrieb eine Pressesprecherin von Habecks Ministerium:
„Mit Blick auf die zahlreichen Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur und insbesondere auch Kraftwerke ist ein pragmatischer Ansatz, deutsche abgeschaltete Kohlekraftwerke daraufhin anzuschauen, ob hieraus Anlagenteile für ukrainische Kraftwerke nutzbar wären.“
Das heißt: Die Kohle-Kraftwerke, die in Deutschland abgeschaltet wurden, weil sie zu dreckig sind, könnten in der Ukraine in Teilen wieder zum Einsatz kommen.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und der ukrainische Energieminister Herman Haluschtschenko bei ihrem Treffen in Kiew.
Grüne Energie als militärische Taktik
Habeck, der von Führungskräften der deutschen Energiewirtschaft begleitet wurde, betonte die Bedeutung einer widerstandsfähigen grünen Energieversorgung für den Wiederaufbau der Ukraine. Dies sei besonders relevant, da über 80 Prozent der Heizkraftwerke und 50 Prozent der Wasserkraftwerke der Ukraine seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges erhebliche Schäden erlitten haben.
Der deutsche Vizekanzler sprach auch über die strategische Bedeutung von dezentralen Energiequellen wie Solaranlagen und Windparks. Diese seien zwar weniger leistungsfähig als große Kraftwerke, aber ihre Verteilung über mehrere Standorte mache es für Angreifer schwerer, sie zu zerstören. „Also ein großes Kraftwerk ist ein Ziel, aber 1000 Solardächer sind schwer zu treffen und 30 Windkraftanlagen sind eben auch schwer zu treffen“, sagte Habeck.

Russische Luftschläge treffen vermehrt ukrainische Kraftwerke.
Während Habeck von Windrädern träumt ...
Die Ukraine hat entschieden, ihre Kapazitäten in der Atomenergie zu erweitern und hat dazu Partnerschaften mit den US-amerikanischen Konzernen Holtec und Westinghouse geschlossen. In der letzten Woche haben Petro Kotin, der Leiter des ukrainischen Atomkonzerns Energoatom, und Kris Singh, der Chef der AKW-Betreiberfirma Holtec, ein Rahmenabkommen unterzeichnet, berichtet die taz. Dieses Abkommen umfasst den Transfer von Holtec-Technologie zur Herstellung von Komponenten für kleine modulare Reaktoren (SMRs) in der Ukraine.
Zudem wurde vereinbart, eine ukrainische Produktionsstätte für Komponenten des Trockenlagers für abgebrannte Brennelemente zu bauen. Der ukrainische Energieminister Herman Haluschtschenko und der Energie-Attaché der US-Botschaft in Kiew, Shawn Anderson, waren ebenfalls bei der Unterzeichnung zugegen. Energoatom verkündete über seinen Telegram-Kanal, dass dieses Abkommen nach dem Krieg die Wirtschaft ankurbeln, Arbeitsplätze schaffen und die Ukraine zu einem regionalen Technologiezentrum für SMR-300- und Holtec-Technologien machen werde. Ziel sei es, die Ukraine zu einem Hub für Nukleartechnologien in ganz Europa zu entwickeln.
Das passt gut zu Habecks Einschätzung vom vorherigen Jahr – hier bewertete er das ukrainische Festhalten am Atomstrom als „in Ordnung“. Für Deutschland gilt diese Einschätzung nicht.
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