Kernphysiker Ruprecht über die Mär des gefährlichen Endlagers: „Was wir heute an Atom-Müll haben, ist zu 95 Prozent energetisch noch verwertbar“
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Etwas mehr als ein Jahr ist vergangen, seit die letzten deutschen Atomkraftwerke – Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 – vom Netz genommen wurden. Dennoch importiert Deutschland weiterhin Atomstrom aus Frankreich, der europäischen Nation, die statt des Atom-Ausstiegs nun sechs weitere Reaktoren plant.
Auch die Slowakei möchte im kommenden Jahr einen weiteren Reaktor ans Netz bringen. Während man in Deutschland krampfhaft am Ausstieg festhält, öffnen sich nicht nur EU-Staaten für neue Perspektiven, sondern auch das afrikanische Land Ruanda. Dort wird über die kommenden vier Jahre ein neuer Reaktor-Typ erprobt, geplant vom deutschen Kernphysiker Götz Ruprecht und seinem Unternehmen Dual Fluid. „Wir werden die sicherste und preiswerteste Energie-Quelle entwickeln, die es je gegeben hat“, erzählt er im Nachrichten-Talk „Stimmt!“.
„Das erste neue Reaktor-Konzept seit den 70er-Jahren“
„In Deutschland hängt man noch dem Bullerbü-Traum einer wetterabhängigen Energieversorgung nach“, so Ruprecht. Man sei stolz darauf, die sichersten AKW der Welt abzuschalten, während sich die ruandischen Politiker freuten, neue, innovative Reaktoren aufzubauen, erzählt der Kernphysiker im NIUS-Talk. Es handle sich um „das erste neue Reaktor-Konzept seit den 70er-Jahren“.
Hier eine Animation des Dual Fluid-Reaktors:
Ruprecht erklärt: „Durch das geschickte Kombinieren von zwei Flüssigkeiten, eine, die den Brennstoff bereitstellt im Kern, und eine, die Wärme abführt, lässt die Technologie eine Effizienzsteigerung um den Faktor von etwa 10 zu“. Dadurch verringere sich der Bedarf an Strukturmaterialien und in der Folge auch die Kosten der Energiegewinnung.
„Das ist nicht einfach Abfall“
Die Bedenken bezüglich Massen an radioaktivem Müll weiß der Kernphysiker zu entkräften. „Man kann praktisch alle Kerne spalten. Was wir heute an Atom-Müll haben, ist zu 95 Prozent energetisch noch verwertbar. Das ist nicht einfach Abfall. Das Problem ist nur, es lässt sich in heutigen Reaktoren nicht verwerten“. In denen, die Ruprecht entwickelt, soll der Großteil des Materials genutzt werden können.
Ende 2028 ist das Ende des Projektes angedacht. Vor allem „Sicherheitseigenschaften sollen demonstriert werden“, erklärt er. Kosten: 80 Millionen Euro. Wenn das Experiment erfolgreich verläuft, möchte Ruprecht den neuen Reaktor in Serie fertigen lassen.
Die ganze Sendung „Stimmt!“:
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