Alle 20 Minuten ein Messerangriff in Deutschland
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Die Zahl der Messerangriffe ist 2023 im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent gestiegen. Das sagen die offiziellen Zahlen des Bundeskriminalamtes. Sie zeigen jedoch nur die halbe Wahrheit. Eine exklusive NIUS-Recherche belegt, dass die tatsächliche Zahl der Messerangriffe fast doppelt so hoch ist. Rechnet sich Innenministerin Nancy Faeser hier ihre Statistiken schön?
Darüber sprachen am Mittwochmorgen Ralf Schuler und Julius Böhm mit Alex Purrucker bei NIUS LIVE.
„Das öffnet einfach Tür und Tor für statistische Manipulationen“
NIUS-Redakteur Julius Böhm erläuterte zunächst seine Recherche: „Ich habe alle Länder, alle Polizeien, alle Landeskriminalämter und Innenministerien angefragt. Wie ist denn bei euch im Bundesland die Zahl der Messerangriffe? Und zusätzlich die Frage: Zählt denn da der Angriff am Wochenende mit der Spitzhacke in Sankt Pauli, wo der 31-jährige Mann dann von der Polizei niedergeschossen wurde, mit hinein? Oder die Machete auf dem Volksfest in Stuttgart? Solche Dinge, die wir auch häufiger sehen, fällt das in diese Zahl rein? Die Länder haben mir dann nach und nach die Zahlen zurückgemeldet. Und die Antwort lautet unisono: Hier ist die Zahl der Messerangriffe, die müssen wir seit 2020 ausweisen. Aber alle anderen Dinge sind sehr, sehr schwer aus der Statistik herauszuholen.“

Innenministerin Nancy Faeser (SPD) und Holger Münch (Präsident des Bundeskriminalamtes) stellen die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) vor.
Zusammengerechnet komme bei diesen Messerangriffszahlen eben nicht die 13.800 raus, die das Bundeskriminalamt vor einigen Wochen bei der Vorstellung der PKS gemeldet habe, erklärt Böhm. „Es sind in Wahrheit 26.100, also beinahe doppelt so viele Messerangriffe, die die Bundesländer einzeln gezählt haben. Und jetzt stelle ich mir die Frage: Wie kann das sein, dass das bei der bundesweiten Verkündung von der Bundesinnenministerin nicht veröffentlicht wird, die wirkliche Zahl? Und dass, wenn man eine falsche, und nicht valide, eine nicht vollständige Zahl hat, nicht ganz aktiv sagt: Wir merken, das ist ein Phänomen in Deutschland. Wir lesen immer mehr Überschriften darüber. Das ist jetzt unser erster Stand. Aber Achtung, liebe Bürger! Die Zahl könnte höher sein, weil wir gerade noch versuchen, die Daten irgendwie zu reinigen oder zu validieren. Deswegen bitte darauf nicht zu sehr stützen. Das könnte größer sein. Das muss dann von einer Ministerin in meinen Augen kommen, der Hinweis: Die Zahl, die kann so nicht stimmen.“
NIUS-Politikchef Ralf Schuler weiß aus Erfahrung: „Das Problem, was Julius hatte, ist eines, was wir bei sehr vielen Recherchen sehen. Der deutsche Föderalismus, mit den Zuständigkeiten von Bund und Ländern führt eben leider dazu, dass man bestimmte Zahlen im Bund nicht zentral abfragen kann. Man muss dann 16 Anfragen an alle Bundesländer stellen, um ein gültiges Bild zu bekommen. Das ist natürlich sehr mühselig, das scheuen viele. Mitunter gibt es die Zahlen im Bund, aber man rückt sie nicht raus, mit Verweis auf die Zuständigkeit. Bei den Ländern gibt es dann oftmals noch unterschiedliche Erhebungsmethoden, sodass man das gar nicht ohne weiteres vergleichen kann. Das öffnet einfach Tür und Tor für statistische Manipulationen und es ist insofern keine gute Situation, wenn die Leute draußen Zahlen präsentiert kriegen, die eine bestimmte Botschaft haben, nämlich: Ja, so und so viele Messerangriffe gab es. Das ist jetzt auch nicht so schlimm. Dann stellt sich raus: Ja, die Zahlen sind falsch.“
Keine einheitliche Erhebung bei den Ländern
„Ich will das noch mal konkretisieren“, so Böhm. „Die Bundesministerin des Innern und das Bundeskriminalamt veröffentlichen 13.800 Fälle – Messerangriffe. Die wahre Zahl der Messerangriffe ist aber doppelt so hoch: 26.100. Und auf diese 26.100 kommt noch mal eine Dunkelziffer an Angriffen mit Hieb- und Stichwaffen obendrauf. Die sind sozusagen in dieser Gesamtzahl nicht vorgesehen. Und wie gesagt: Die Länder erheben die nicht einheitlich. Aber es gibt einige, die es machen und auch da sieht man, dass auch die weiteren Angriffe mit Macheten, Spitzhacken, was weiß ich was, nicht zu vernachlässigen sind. Schleswig-Holstein hat beispielsweise 1050 Messerangriffe und 402 weitere mit Stichwaffen. NRW hat 117 weitere mit Stichwaffen und in Sachsen-Anhalt zählt die Polizei 1069 Messerangriffe und 224 zusätzliche mit Stichwaffen.“

Immer wieder kommt es zu brutalen Messerangriffen wie hier in Frankfurt am Main.
Böhm weiter: „Nach Adam Riese könnten diese 26.100 deutlich über 30.000 steigen. Mir ist es am Ende egal, ob mir jemand einen Schraubenzieher, ein Schwert oder weiß der Teufel was, in den Bauch rammt. Am Ende kann das tödlich enden und es ist einfach eine neue Form der Nahkampfgewalt, die ich jedenfalls in meinen jugendlichen 30 Jahren so nicht erlebt habe. Mir ist es egal, mit welcher Stichwaffe oder mit welchem Messer ich angegriffen werde. Ich finde, dieses Phänomen muss ganzheitlich betrachtet und entsprechend auch sauber und seriös erhoben werden, damit die Öffentlichkeit darüber Bescheid weiß.“
Politikchef Schuler ergänzte daraufhin: „Man muss vielleicht auch dazusagen, dass es dieses Lagebild Messerkriminalität vor fünf Jahren noch gar nicht gab. Nach jahrelangem Drängen, nachdem einfach die Deliktzahlen zugenommen hatten, hat man sich darauf geeinigt, dass man das angibt. Die Bedenken dagegen waren von Anfang an, ohne offen geäußert zu werden, dass das eine sehr stark migrantisch geprägte Waffe war, also die Messerkriminalität unter Biodeutschen, wie man so schön sagt, war bisher zu vernachlässigen. Deshalb hat man nicht eigens eine Gruppe aufgemacht, wo man gezählt hat, mit welcher Waffe jemand anders zu Schaden gebracht wurde. Erst als das Signifikant als migrantische Waffe identifizierbar war, hat man das auf Drängen auch konservativer Kreise in der Politik überhaupt erst zu zählen begonnen. Das ist einfach auch ein starkes Indiz für die Veränderungen in der Gesellschaft.“
Alex Purrucker resümiert: „Wenn man jetzt die Zahlen, die auch Julius schon eindrucksvoll analysiert hat, wenn man die mal herunterbricht, dann kommt man auf folgendes Ergebnis: In Deutschland kommt es alle 20 Minuten zu einem Messerangriff.“
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